Start ins 2. Schulhalbjahr 2018/2019: Unterrichtsversorgung bei 99,4 Prozent und 1,137 neue Lehrkräfte eingestellt

NIEDERSACHSEN. Ein Blick auf die Unterrichtsversorgung an den niedersächsischen allgemein bildenden öffentlichen Schulen zeigt, dass es einen erfreulichen Sprung nach oben gegeben hat. Die Unterrichtsversorgung hat sich im Vergleich zum Schuljahr 2017/2018 um 0,7 Prozentpunkte verbessert und erreicht nunmehr einen landesweit durchschnittlichen Wert von 99,4 Prozent. „Unsere eingeführten Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung zeigen erste Erfolge. In nahezu allen Schulformen haben wir einen Schritt nach vorne gemacht, aber natürlich kann dies noch nicht zufriedenstellen. Unser Ziel ist weiterhin eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent“, erklärte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne.

Die im landesweiten Durchschnitt am Erhebungsstichtag im August 2018 am besten versorgten Schulformen sind wie im Vorjahr das Gymnasium sowie die Grundschule. Der UV-Wert liegt zum Stichtag bei 102,2 Prozent bzw. bei 101,7 Prozent. Die Gesamtschulen erreichen am Stichtag 98,4 Prozent, die Realschulen 97,4 Prozent, die Hauptschulen 94,7 Prozent, die Oberschulen liegen bei 96,2 Prozent und die Förderschulen bei 93,4 Prozent. Insbesondere im Haupt- und Realschulbereich sowie an den Förderschulen bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen. Daher wird auch das Maßnahmenpaket zur Stabilisierung und Verbesserung der Unterrichtsversorgung fortgeschrieben.

Zum Start des 2. Schulhalbjahres 2018/2019 werden an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen in Niedersachsen rund 1.137 neue Lehrkräfte ihren Dienst aufnehmen. Damit konnten bis jetzt circa 91 Prozent der rund 1.250 ausgeschriebenen Stellen besetzt werden, wobei das Einstellungsverfahren weiter offen bleibt. 293 neue Lehrkräfte wurden an Grund-, Haupt und Realschulen eingestellt, 239 an den Gymnasien, 362 an Gesamtschulen, 155 an Oberschulen und 88 an Förderschulen. Unter den rund 1.137 neuen Lehrkräften sind auch 99 Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, das entspricht einem Anteil von knapp 9 Prozent. „Wir konnten in diesem Einstellungsverfahren erneut deutlich mehr neue Lehrkräfte einstellen, als Stellen durch Pensionierungen frei wurden. Den 1.137 zum Schulhalbjahr eingestellten Lehrkräften stehen rund 750 Lehrkräfte gegenüber, die aus dem Dienst ausgeschieden sind. Dies werden wir auch mit Blick auf den Schuljahresanfang 2019/2020 fortführen“, ergänzt Tonne. Wie zu Beginn des Schuljahres werde darüber hinaus das Einstellungsverfahren geöffnet bleiben, um weiterhin flexibel Lehrkräfte einstellen zu können.

Aufgrund der aktuell herausfordernden Lage insbesondere an den Haupt-, Real- sowie Förderschulen werden auch im 2. Schulhalbjahr 2018/2019 schulformübergreifende Abordnungen von Lehrkräften notwendig sein. Rund 2.590 Lehrkräfte öffentlicher allgemein bildender Schulen werden von ihrer Stammschule an eine andere Schulform abgeordnet. Von den Abordnungen sind rund 540 mehr Lehrkräfte mehr betroffen als im 1. Schulhalbjahr 2018/2019. Insgesamt steigt die Anzahl abgeordneter Lehrkräftestunden auf rund 22.000 Stunden an. Dieser Anstieg ergibt sich zu einem erheblichen Teil als Folge der notwendigen Stellenverlagerungen im Einstellungsverfahren. Aufgrund der Bewerberlage im Haupt- und Realschulbereich kann ein hoher Besetzungsgrad nur dann erreicht werden, wenn Stellen aus diesem Bereich umgewidmet werden für das Lehramt an Gymnasien. Hierdurch ergibt sich ein Plus von rund 2.000 Abordnungsstunden. Vorteil dieses Vorgehens ist, dass das Land so mit Blick auf die Wiedereinführung von G9 bereits jetzt mehr Gymnasiallehrkräfte einstellen kann.

Im Vergleich zu der Zahl der Abordnungen im 2. Schulhalbjahr 2017/2018, konnten die Abordnungen insgesamt jedoch um rund 2.450 Stunden reduziert werden, das entspricht rund 290 Lehrkräften. Dies sei durchaus als Erfolg zu werten, so Tonne. „Die derzeit notwendige Zahl an Abordnungen ist jedoch weiterhin kein zufriedenstellender Zustand, denn sie bedeuten für die betroffenen Lehrkräfte selbst wie auch organisatorisch für die Schulen eine erhebliche zusätzliche Belastung“, so der Kultusminister.

Mit Blick auf das kommende Schuljahr strebt das Kultusministerium insbesondere eine Verbesserung der Unterrichtsversorgung im Haupt- und Realschulbereich an. Von den rund 1.600 Absolventinnen und Absolventen der Studienseminare im Sommer 2019 kommen 500 aus dem GS- sowie 320 aus dem Haupt- und Realschulbereich. Damit kann die Unterrichtsversorgung besonders an diesen Schulformen weiter angehoben werden.

Maßnahmen zur Entlastung von Lehrkräften

Neben den aktuellen Einstellungszahlen zum 2. Schulhalbjahr hat Kultusminister Tonne zudem ein Bündel an Maßnahmen präsentiert, um Lehrkräfte zu entlasten. Diese sollen noch in diesem Quartal gemeinsam mit den Lehrerverbänden diskutiert werden und zeitnah umgesetzt werden.

Zu den insgesamt elf Maßnahmen gehört unter anderem die Aussetzung von VERA 3 und VERA 8. Hierbei handelt es sich um die Vergleichsarbeiten in Klasse 3 und 8 in den Fächern Mathe, Deutsch oder Englisch, die jedoch keine Klassenarbeiten ersetzen und nicht in die Notengebung einfließen. Zudem soll die Dokumentation der individuellen Lernentwicklung (ILE) zukünftig nur noch anlassbezogen durchgeführt werden. Durch den Wegfall der Dokumentationspflicht werden Lehrkräfte entlastet, dennoch wird dies Instrument anlassbezogen beibehalten, um auch weiterhin die individuellen Lern- und Entwicklungsbedingungen zu berücksichtigen. Als dritten Punkt kündigte Kultusminister Tonne an, die Fokusevaluation künftig auf freiwilliger Basis bzw. anlassbezogen umzustellen.

Darüber hinaus ist vorgesehen, die Anwesenheitspflicht bei Konferenzen für Lehrkräfte, die die Schülerin bzw. den Schüler nicht selbst nach Stundenplan unterrichten, abzuschaffen, die Anzahl von Fachkonferenzen zu reduzieren, die Dokumentation am Übergang von der Grundschule in eine weiterführende Schule zu verschlanken sowie die Musterkonzepte und Beispiele guter Praxis zu veröffentlichen. Zudem sieht das Maßnahmenpaket zur Entlastung der Lehrkräfte vor, die bislang jährliche Evaluation der Schulen zukünftig im Zweijahresturnus stattfinden zu lassen, Lehrkräfte am Gymnasium bei ihren Aufgaben während des Abiturs zu entlasten sowie die Archivierung von Klassenarbeiten zu erleichtern. Eine weitere Maßnahme wird ein Prüfauftrag für Erleichterungen bei der Vertragsgestaltung der Ganztagsschulen mit externen Kooperationspartnern sein.

„Diesen Katalog an Maßnahmen zur Entlastung der Lehrkräfte werden wir im ersten Quartal des Jahres am „Runden Tisch“ mit allen Lehrerverbänden beraten. Es ist möglich, dass neue Vorschläge hinzukommen oder vorgeschlagene Maßnahmen verändert werden“, betonte Tonne. Dazu werde im Kultusministerium parallel weiter an der Arbeitszeitverordnung gearbeitet sowie die Umsetzung des Teilzeiterlasses evaluiert. „All diese einzelnen Maßnahmen werden konsequent abgearbeitet, um zeitnah die Entlastungen für Lehrkräfte herbeizuführen.“

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