Pflegekammer: „Der Pflegenotstand ist schon da“

NIEDERSACHSEN. Die Daten der Pflegekammer Niedersachsen zeigen, dass es schon heute in einigen Regionen Niedersachsens eine dramatische Unterversorgung zu geben scheint. Der Pflegenotstand ist Realität und wird sich verschärfen. In den nächsten 15 Jahren steigen mehr als 40 Prozent der heute tätigen Pflegebedürftigen aus dem Beruf aus.

„Es brennt heute schon in einigen Teilen Niedersachsens“, sagt Kammerpräsidentin Sandra Mehmecke. Damit schaltet sich die Pflegekammer Niedersachsen in die aktuelle Debatte um die ambulante Versorgung in Niedersachsen ein. Der schon Ende 2018 veröffentlichte „Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen“ zeigt deutlich, dass es schon heute große regionale Unterschiede gibt: Laut Pflegekammer nimmt die Anzahl der Pflegefachpersonen in den ländlichen Regionen dramatisch ab. Im Durchschnitt kommen elf Pflegefachpersonen auf 1.000 Einwohner. „Regional sind die Unterschiede alarmierend“, sagt Mehmecke: „In einigen Teilen Niedersachsens scheint eine dramatische Unterversorgung zu bestehen.“ Die Landkreise Harburg und Cuxhaven kommen mit sechs Pflegefachpersonen auf 1.000 Einwohner nur knapp auf die Hälfte des Durchschnittswertes. In Osnabrück, Oldenburg und Göttingen sind es etwa 15 Pflegefachpersonen auf 1.000 Einwohner. Verschärft wird die Situation dadurch, dass viele Pflegefachpersonen nur in Teilzeit arbeiten.

Die Pflegekammer macht klar, dass sie alle Gesetze und Initiativen unterstützt, die dazu beitragen, die pflegerische Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Das geht aber nicht ohne die Kompetenz der Pflegefachpersonen. „Die Pflegekammer wird alles tun, um die Situation der beruflich Pflegenden zu verbessern“, so Mehmecke. Ohne deren pausenlosen Einsatz wäre das System schon längst zusammengebrochen.

„Die Pflegekammer wird mit ihren Daten und Erhebungen auch künftig auf die Pflegerealität und die Situation der Pflegefachpersonen hinweisen“, sagt die Kammerpräsidentin. Der Pflegenotstand wird sich in den nächsten Jahren dramatisch verschärfen, wenn nicht gegengesteuert wird. Fast 40 Prozent der Pflegefachpersonen sind über 50 Jahre alt. Der Anteil der über 60-Jährigen fällt drastisch ab. „Die Kolleginnen und Kollegen steigen spätestens mit Anfang 60 aus dem Beruf aus“, sagt die Kammerpräsidentin. Nach Berechnungen der Pflegekammer werden in den nächsten 15 Jahren bis zu 43 Prozent der aktuell tätigen Pflegefachpersonen den Beruf verlassen. Dass die Situation auch heute schon teils dramatisch ist, zeigten die zahlreichen Berichte von ambulanten Pflegediensten. Diese müssten aufgrund von Personalmangel regelmäßig Anfragen von Pflegebedürftigen und ihren Familien ablehnen. „Es fehlt aber an soliden Daten zum tatsächlichen Bedarf an professionellen Pflegeleistungen“, so Mehmecke. Die Pflegekammer setze sich deshalb für eine fundierte Erhebung zum Pflegebedarf in den einzelnen Regionen Niedersachsens ein. Zusammen mit den Daten der Pflegekammer bestünde dann erstmals eine aussagekräftige Grundlage – auch für notwendige politische Entscheidungen.

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