Zur letzten Morgenandacht in der Grundschule gab es einen Handschmeichler

GROß HEHLEN. Morgenandacht in der Grundschule. Stuhlkreis. Die letzte vor den großen Ferien. Für einige aus der vierten Klasse ist die Letzte in ihrer Schule. Bente tastet vorsichtig mit ihrem Finger an der Oberfläche eines nicht ganz alltäglichen Teils entlang: „Das fühlt sich rau an“, sagt sie. Verrät aber nicht, was sie in ihren Händen hält. Und gibt es weiter. An Freda. Die sitzt neben ihr.

Ein paar Akkorde mit der Gitarre. Frau Hebbel hat die Kerze in der Mitte angezündet. Die Andacht fängt an. Freda hält das Teil jetzt ganz vorsichtig in ihren Händen. Als könne es kaputt gehen. „Das ist ganz weich“, flüstert sie fast. Joschi sitzt neben ihr und nimmt es behutsam in seine Hände, lächelt ein wenig und liest vor, was auf der Oberfläche eingraviert ist: „Ein Engel geht mit dir!“ Und zeigt es allen anderen, die drum herumsitzen. „Ein Handschmeichler ist das“, sagt Frau Hebbel, „jeder bekommt einen.“ Ein oval gearbeitetes Stückchen Holz. Ganz rund und so geformt, dass es sich gut in jede Hand schmiegt. „Ein Engel geht mit dir. Das wünsche ich euch“, Frau Hebbel schluckt ein bisschen, „wenn ihr jetzt in die Ferien geht und bald in die neue Schule. Engel sind Boten, die Gott schickt. Die uns zur Seite stehen. Überall. Fast so, als stünde Gott euch selbst zur Seite.“

Ein Engel geht mit dir. Das ist gleichsam die Kurzfassung für die Worte aus dem Alten Testament: Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. (Psalm 91)

Joschi ist noch sitzen geblieben. Und guckt ein bisschen versonnen auf das hölzerne Rund. Er legt noch einmal seine beiden Hände darum, hält es einen Augenblick lang fest: „Passt ganz genau!“ Dann stopft er es tief in seine Hosentasche, damit er es nicht verliert. Und rennt los.

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