MTV-Halle: Kulturpreisträger fordern im Bau-Ausschuss Erhalt des Vordergebäudes

CELLE. Zu der vom Abriss bedrohten MTV-Halle am Nordwall gab es jetzt im Bau-Ausschuss des Celler Stadtrats ein lebhaftes Gespräch. Die Kulturpreisträger Dietrich Klatt, Elke Haas und Lothar Haas wollen es nicht hinnehmen, dass dieses unvergleichliche, über 100 Jahre alte Gebäude Anfang 2020 abgerissen und das Grundstück verkauft wird. Anlass für die jetzige Diskussion war eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen zu dem Planungsprozess und dem städtebaulichen Gesamtkonzept für das Gebiet zwischen Nordwall und Stadtgraben, zu dem die MTV-Halle gehört.

Lothar Haas fragte – gerichtet an Stadtverwaltung und alle Ausschussmitglieder –, wie es beurteilt würde, wenn diejenigen, die am Planungsprozess beteiligt würden, etwa ein Architekturinstitut der Universität Hannover, vorschlügen, das Gebäude der MTV-Halle zu erhalten. Es könnte ja z.B. vorgeschlagen werden, das Gebäude ganz oder teilweise auch für Vorträge, Lesungen, Ausstellungen oder Musikaufführungen zu nutzen. Dazu äußerte Stadtbaurat Ulrich Kinder, es gebe dazu kein belastbares Umsetzungskonzept und die Stadt sehe das auch nicht als ihre Aufgabe an.

Weil die Mikrofonanlage in der Alten Exerzierhalle ihre Funktion nur sehr eingeschränkt erfüllte, waren die Äußerungen aus dem Ausschuss für das Publikum nur sehr schlecht oder gar nicht zu verstehen. Trotzdem wurden weitere Fragen gestellt. Elke Haas sprach die große stadtgeschichtliche Bedeutung des Gebäudes an, das vor dem I. Weltkrieg nur nach jahrelangen Sammelaktionen des MTV, durch große Mithilfe aus der Bürgerschaft, aus anderen Vereinen und mit starker Unterstützung der Stadtverwaltung gebaut werden konnte. Sie fragte deshalb, ob eine künftige erweiterte Nutzung nicht über Crowdfunding als Form des Bürger-Engagements möglich sei und ob die Stadt dies positiv begleiten könnte. Kinder lehnte eine solche Unterstützung jedoch ab. Aus dem Kreis der Ausschussmitglieder kamen einzelne ablehnende Beiträge, die sich vor allem auf mögliche hohe Kosten und darauf beriefen, dass sie sich schon bisher für den Abriss ausgesprochen hätten.

Lothar Haas führte nachdrücklich aus, das Gebäude sei ein Baudenkmal und dürfe deshalb nicht abgerissen werden. Nach niedersächsischem Recht sei ein Bauwerk schon dann als Denkmal geschützt ist, wenn die gesetzlichen Merkmale erfüllt seien, auch wenn es noch nicht in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen sei. Er stellte klar, insoweit gehe es nicht allein um die eigentliche Turnhalle, sondern nicht zuletzt um das Vordergebäude mit der lebhaften Fenstergliederung und dem eindrucksvollen Portal. Dieses Gebäude im Reformstil aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts sei unvergleichlich und von hoher architektonisch-künstlerischer Bedeutung.

Schließlich verwies Dietrich Klatt auf das Förderprogramm von 100 Millionen Euro, das das Land Niedersachsen in diesem Frühjahr zur Sanierung von Sportstätten aufgelegt habe, Er fragte, ob daraus nicht beträchtliche Mittel für die MTV-Halle zu bekommen seien. Der Stadtbaurat erwiderte darauf, die Stadt habe hierzu einen Förderantrag für ein anderes Projekt gestellt und sei nicht zum Zuge gekommen. Dieses Förderprogramm werde deshalb nicht hilfreich sein. Er hob hervor, das politische Mandat für den Abriss sei vorhanden.

Allen Anwesenden war klar, dass die Diskussion in Celle um den Erhalt der MTV-Halle mit ihrem Vordergebäude weitergehen wird.

PR

Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Ist dieser namentlich in dem Beitrag nicht explizit erwähnt, so kann dieser bei der Redaktion angefragt werden. Bildrechte werden, wenn bekannt, gesondert aufgeführt. Allgemeinbilder zur Untermalung stammen in der Regel von: Celler-Presse.de oder Pixabay.com.



%d Bloggern gefällt das: