ANTRITTSVORLESUNG VON DR. MORITZ FISCHER AN DER FIT – Mission: Auf Distanz zur Macht des Bösen?

HERMANNSBURG. Seit dem 01.04.2019 lehrt Dr. Moritz Fischer an der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg (FIT) und hat dort die Professur für „Formen der Weltchristenheit und Missionsgeschichte“ inne. Am 09.11.2019 hat er nun an der FIT seine Antrittsvorlesung gehalten. Nach einem von Pastor Michael Thiel, Direktor des Ev.-luth. Missionswerkes in Niedersachsen, und Prof. Dr. Wilhelm Richebächer, Rektor der FIT, geleiteten und von den Studierenden Eri Yoon (Klavier) und Viktar Niachayeu (Gitarre) musikalisch umrahmten Einführungsgottesdienst referierte Dr. Fischer vor Kolleginnen, Kollegen und den Studierenden der FIT sowie etwa 35 Gästen aus Hermannsburg und ganz Deutschland zu dem Thema „Mission: Auf Distanz zur Macht des Bösen“.

In seinem Vortrag beleuchtete er die Verflechtungen zwischen Nationalsozialismus, Mission und Kirche. Warum er dieses Thema für seine Antrittsvorlesung gewählt hat? „Am 09.11., dem 81. Jahrestag der Reichsprogromnacht, konnte ich an diesem Thema einfach nicht vorbeigehen. Für den (Rück)Blick auf die eigene Geschichte einerseits und den (Zukunfts)Blick auf die sogenannte ´EineWELT` andererseits stellt die Zeit des deutschen Faschismus 1933-45 eine entscheidende Schnittstelle dar“, so Dr. Fischer.

Zur Zeit des Nationalsozialismus war die Bewegung der sog. ´Deutschen Christen` rassistisch. Auch Verantwortliche der christlichen Missionen waren antisemitisch eingestellt und teilten das neokoloniale Weltbild des Nationalsozialismus. Dies zeige – so Fischer – dass auch ihre Missionstheologie teils faschistisch unterfüttert war. Konkret und exemplarisch beleuchtete er die Spuren des Nationalsozialismus in den Missionsagenturen von Neuendettelsau, Hermannsburg und Liebenzell, die sich allesamt mit dem nationalsozialistischen Regime zumindest arrangierten, wenn nicht sogar identifizierten. Nur einzelne Verantwortungsträger hatten schon damals den Mut, ihre Stimme gegen die völkischen Ideen oder das nationalsozialistische, von Vereinnahmung geprägte Integrationskonzept zu erheben, so etwa – immerhin punktuell – der frühere Direktor der Hermannsburger Mission Christoph Schomerus. Andere Missionsgesellschaften schafften es erst in den zurückliegenden 5 bis 10 Jahren, ihre Verwicklungen in den Nationalsozialismus aufzuarbeiten und sich für antijüdische Positionen zu entschuldigen.

Dr. Fischer betonte, dass er seine Rolle nicht darin sehe, das Handeln der damals Verantwortlichen wie ein Richter zu verurteilen, sondern darin, das Geschehene als Forscher aufzubereiten und kritisch zu hinterfragen. Fazit und Forderung von Dr. Fischer: „Sämtliche deutsche Missionswerke brauchen eine angemessene versöhnungsorientierte Erinnerungskultur. Ich bin der Meinung, dass der eklatant schlechte Ruf, den Begriff und Inhalt von Mission in unserer Gesellschaft und unseren Kirchen haben, auch daher rührt, dass einige Missionen immer noch nicht eindeutig und explizit mit ihrer Verstrickung in den Nationalsozialismus gebrochen haben.“

An die Vorlesung schloss sich eine Diskussion mit Nachfragen aus der Zuhörerschaft an. Mit einem persönlichen und wertschätzenden Grußwort beglückwünschte Prof. Dr. Hans-Martin Barth seinen früheren wissenschaftlichen Mitarbeiter Fischer zu dessen Berufung an die FIT und dankte ihm für die gemeinsame Arbeit an der Universität Marburg.
Bei einem anschließenden Empfang gab es Gelegenheit für weiteren Austausch und vertiefende Gespräche.
„Ich bin an der FIT angekommen“, sagte Dr. Fischer nach der Veranstaltung. Das freut nicht nur Rektor Richebächer, sondern das gesamte Team der FIT.

PR
Foto: Dorothea Müller

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