Understand, Care, Act: Vier Sprachen, ein gemeinsames Ziel: Drittes Erasmus+ Projekttreffen ein Erfolg auf vielen Ebenen

CELLE. Seit August 2018 arbeiten rund 30 Schülerinnen und Schüler der Erasmus+ AG des Gymnasium Ernestinum an einem Thema, das seit einer Weile in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen ist: Umwelt und Nachhaltigkeit. Also: Welchen Einfluss hat unser Verhalten konkret auf unsere Umwelt und das Klima? Was können wir als Einzelne tun?

Während der zweijährigen Projektarbeit widmen die Schüler sich vier Themen im Detail: Mobilität und Energie; Müll, insbesondere Plastik; Konsum von Nahrungsmitteln (Ökologie, z.B. Palmöl, tierische Nahrungsmittel) und dem Konsum von Gebrauchsgütern (insbesondere Handys und Ressourcen, Fast Fashion vs. Nachhaltigkeit).

Das Ziel für alle Themen: am Ende der Projektzeit bei jedem persönlich eine Verbesserung zu erreichen. Dazu haben alle zu Beginn des Projektes den persönlichen CO2- Fußabdruck errechnet und hoffen, dass sie am Ende feststellen können, dass die Arbeit sich gelohnt hat, also tatsächlich die gewonnenen Erkenntnisse genutzt und konkret in einen weniger schädlichen Lebensstil umgesetzt werden können.

Gefördert wird dieses Projekt von der Europäischen Kommission, denn diese Umweltforschung steht wir in einem europäischen Kontext. Gemeinsam mit Partnerschulen in Càdiz, Ghimbav und Chania arbeiten die Ernestiner Schüler gemeinsam an den Themen, tauschen sich aus und lernen voneinander. Zu jedem Unterthema gibt es ein Projekttreffen, jeweils eins pro Land. Jeder Schüler darf also einmal während der zwei Jahre zu einer Partnerschule reisen.

Für die Teilnehmer für ist erstaunlich und bereichernd, wie unterschiedlich die Herangehensweisen und Erkenntnisse sind, während das Ziel alle eint. So haben die Celler Schüler bei diesem Projekt-Treffen gelernt, dass es auf Kreta nicht nur eine besonders schützenswerte Flora mit einem Reichtum an endemischen Pflanzen gibt. Die jungen Menschen haben gemeinsam mit frischen Zutaten gekocht und haben erfahren, warum die Menschen auf Kreta älter werden als anderswo – dank traditioneller kretischer Ernährung im Einklang mit der Natur.

Von den spanischen Partnern haben sie erfahren, dass es im Mittelmeer kaum noch Makrelen gibt, eine Folge der Klimaerwärmung. Sie haben gelernt, dass für unseren unbedachten Fleischkonsum ein hoher Preis gezahlt wird – viel zu groß sind die hierfür benötigten Flächen, der Wasserverbrauch, die CO2-Produktion. Aber nicht nur für den Anbau von Soja als Futtermittel werden Regenwälder abgeholzt, sondern auch für riesige Palmöl-Plantagen. Es gilt also, Palmöl-freie Produkte für den Alltag zu finden. Die rumänischen Schüler haben ihren internationalen Freunden schließlich gezeigt, wie erfolgreich man im eigenen Garten selbst Obst und Gemüse anbauen kann – und dass dieses vielleicht sogar besser schmeckt, mit Gärtnerstolz gewürzt.

Dass gute Creme und Seife kein biochemisches Industrie-Ergebnis sein muss, haben die Schüler ganz praktisch gelernt. Unter Anleitung der griechischen Lehrerinnen produzierten sie aus Olivenöl und natürlichem Bienenwachs eine wunderbare Creme, und mit nur drei Zutaten stellten sie Olivenöl-Seife her.

So waren diese fünf Tage in Chania für die jungen Leute eine wertvolle Lernerfahrung. Aber nicht nur das: „Wie schon bei den ersten beiden Projekt-Treffen waren wir überwältigt von der Gastfreundschaft und Großherzigkeit der Gastgeber“, sagt Maja, eine der Ernestinerinnen. Die Schülerinnen und Schüler waren in Gastfamilien untergebracht, eine Woche lang Teil des Familienlebens. Freundschaften brauchen nicht immer eine gemeinsame Sprache.
Projektsprache: Englisch, Projektgeist: Europäisch.

Es gibt einen guten Grund, warum das Erasmus+ Programm der Europäischen Kommission solch eine Erfolgsgeschichte vorweisen kann: Für eine europäische Zukunft, die geprägt sein muss vom Miteinander, vom gemeinsamen Problemlösen, von einer gemeinsamen, friedlichen, Zukunft. In einer Zeit, wo europäische Einigkeit und interkulturelle Wertschätzung von einigen in der Politik so offen in Frage gestellt werden, sind interkulturelle Projekte wie dieses fundamental wichtig.
Den besonders eindrücklichen Abschluss für die Celler Schüler fand die Woche in Chania auf dem Soldatenfriedhof. Hier liegen über 4000 deutsche Soldaten, gestorben in der sogenannten „Merkur“-Offensive von 1941, als Hitler die griechische Insel für seine Zwecke einnehmen wollte. Auf der Gegenseite war die Zahl der Opfer des deutschen Angriffs um ein Vielfaches höher. Hier teilten nun, fast 80 Jahre später, griechische und deutsche Jugendliche das Entsetzen über die Grauen des zweiten Weltkrieges, als sie gemeinsam durch die schier nicht zu enden schienenden Gräberreihen gingen. „Unfassbar, was passiert, wenn die Gemeinsamkeiten enden“, waren die begleitenden Erwachsenen sich einig, dass interkulturelle Arbeit wie diese unersetzlich sind. „Wir danken der Europäischen Kommission für die Gelegenheit, mit unserem Projekt ein Teil des Erasmus+ Programms und damit Teil dieses bislang so erfolgreichen Friedensprojektes zu sein“, so die begleitenden Lehrerinnen Meike Mumm und Maren Kranz.

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