„Dichterrosentag“ in Celle: Ernst-Schulze-Gesellschaft ehrt vier Dichter
CELLE. Im Rosengarten am Französischen Garten versammelten sich jetzt einige Verantwortliche der Ernst-Schulze-Gesellschaft. Zu Ehren des vor über 200 Jahren verstorbenen Celler Dichters Ernst Schulze legten sie an seinem Denkmal eine Rose nieder. Auch an vielen anderen Orten im deutschsprachigen Raum haben an diesem Tag Literaturvereine und Literaturinteressierte an einem Denkmal, einem Grab oder einem anderen Ort Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit einer Rose geehrt. Zu dem diesjährigen „Dichterrosentag“ hatte der „Verein Literaturlandschaften“ aus Nordhorn aufgerufen, wie er das seit 25 Jahren tut.
In dem schönen kleinen Rosengarten, in dem gerade die Rosenblüte beginnt, erinnerte Lothar Haas, Vorsitzender der Ernst-Schulze-Gesellschaft, daran, dass das von Uwe Spiekermann geschaffene Denkmal hier gerade vor einem halben Jahr errichtet worden war. Haas sprach auch von den Versromanen, die Ernst Schulze verfasst hat, darunter sein berühmtestes Werk „Die bezauberte Rose“, und er verwies darauf, dass Franz Schubert eine Reihe kunstvoller Gedichte Ernst Schulzes vertont hat, die noch heute rund um die Welt aufgeführt werden.
Die vier Verse aus Schulzes „Bezauberter Rose“, die sich um das Denkmal herumziehen, trug Haas vor:
Wie innig Ros und Lorbeer sich verschlingen,
Umschlingen jetzt sich Bräutigam und Braut. –
Stumm war die Nacht; dem Dichter nur verrieten,
Was sie gesehn, Laub, Lüfte, Duft und Blüten.
Freuen konnte sich die Ernst-Schulze-Gesellschaft darüber, dass an diesem Tag nicht nur sie den Dichter mit einer Rose ehrte. Zuvor waren schon zwei Rosen dort niedergelegt worden.
Die Ernst-Schulze-Gesellschaft wollte an diesem Tag nicht nur ihrem Namengeber die Ehre erweisen, auch drei weitere Schriftsteller, die in Celle gestorben sind, wurden mit einer Rose gewürdigt. Weiter ging es also zur zweiten Station. Für den im Jahr 1611, also vor vierhundert Jahren, verstorbenen Johann Arnd(t) legte Vorstandsmitglied Anke Prinzhorn eine Rose nieder. Da Arndt in der Gruft unter der Stadtkirche bestattet ist, konnte die Aktion nicht dort stattfinden. So war als Ort die Trift ausgewählt worden, angrenzend an die nach Arnd(t) benannte Arndstraße. Der Brunnen mit der Schäferfigur war ein würdiger Ort für die Ehrung.
Elke Haas erläuterte, dass der Generalsuperintendent nicht nur Theologe war, sondern ein Mann von großer dichterischer Kraft, der die Menschen mit seinem Wort beeindruckt hat. Seine „Vier Bücher vom wahren Christentum“ und das „Paradiesgärtlein“ wurden in viele europäische Sprachen übersetzt. Für die Menschen waren die Bücher in schwerer Zeit Stütze und Trost. Später nahmen Auswanderer Arndts Bücher mit ihrer anschaulichen, bildreichen und rhythmisch starken Sprache mit in die Neue Welt. Ein Beispiel trug Elke Haas vor:
Gott hat uns seinen lieben Sohn zu einem Propheten, Doktor und Lehrer verordnet, und denselben durch eine Stimme vom Himmel empfohlen, und zu hören befohlen. Dieses Lehramt hat der Sohn Gottes nicht allein geführet mit Worten, sondern auch mit Werken und schönen Exempeln seines allerheiligsten Lebens, wie einem rechtschaffenen Lehrer gebühret […].
Weiter begaben sich die Beteiligten zum alten Friedhof an der Kuckuckstraße. Hier wurde Vincentius Dominus de Magno Cavallo gewürdigt, der vor etwa 300 Jahren geboren und 1805 auf diesem Friedhof begraben wurde. Da Magno Cavallos Grab nicht mehr existiert, war eine andere alte Grabstelle für die Würdigung ausgewählt worden. Auf der Grabplatte lag ein fiktives Porträt Magno Cavallos, eine von Friederike Witt-Schiedung geschaffene Collage.
Lothar Haas sprach davon, dass Magno Cavallo wohl ein entlaufener Mönch aus Italien war, der in Europa herumgezogen ist, eine schillernde Persönlichkeit, ein Exzentriker. Nach Celle kam er wegen Caroline Mathilde, und er wohnte hier lange in der Neustadt. Mancherlei literarische Texte hat er geschrieben, und er hat auch eine der ersten Frauenzeitschriften herausgebracht.
Die Würdigung für diesen sehr speziellen Celler Literaten bekam dadurch besonderen Glanz, dass sein Textbeispiel von Uwe Winnacker – als Wiedergänger des Geehrten in glanzvollem Kostüm – gesprochen wurde:
Ein Compliment ohne Melodie, ist wie eine Speise ohne Zucker, und ohne Salz, wie ein Trunk kaltes Wasser ohne Geschmack, ohne Geist, ohne Wärme.
Im Gegentheil ein Compliment mit Aria, ist ein Nektar, und eine Ambrosia, fähig mit Vergnügungen und Entzückungen nicht allein menschliche, sondern auch himmlische Geister zu nähren.
Schließlich ging es weiter zum Waldfriedhof. Hier ist Kurt Rose begraben, geboren 1908 und gestorben 1999 in Celle. Über diesen Dichter, der Lebensstationen in etlichen Ländern verbracht hat, sprach Vorstandsmitglied Friederike Schiedung. Rose war Übersetzer, Lehrer, Verfasser von Sach- und Fachbüchern und ein Dichter. Zu seinem dichterischen Werk gehören sieben Lieder, die im heute gültigen evangelisch-lutherischen Gesangbuch stehen. Den Text eines Kanons von ihm aus dem Gesangbuch, der gut in die heutige Corona-Zeit passt, rezitierte Friederike Schiedung dann:
Das wünsch ich sehr,
dass immer einer bei mir wär,
der zu mir spricht:
„Fürchte dich nicht.“
Am Grabstein des Celler Dichters Kurt Rose konnte Anke Prinzhorn dann die vierte der Rosen niederlegen.
Dieser Dichterrosentag soll für Celle nicht der letzte gewesen sein.
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