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Männerdomäne fest in Frauenhand – Schmiedekurs im Museumsdorf Hösseringen

HÖSSERINGEN. Konzentriert spannt Jana Wlodarski das glühende Eisen in den Schraubstock ein.
Eine Drehung und noch eine – und der Griff des entstehenden Flaschenöffners erhält eine kunstvoll gedrehte Form. Doch bei weiterem Krafteinsatz verbiegt sich das eigensinnige Metall nach unten. Da soll es eigentlich nicht hin. „Das macht nichts, das biegen wir wieder gerade“, beruhigt Kursleiterin Evelyn Neumann.

Jana Wlodarski ist Teilnehmerin eines Schmiedekurses im Museumsdorf Hösseringen, der sich speziell an Frauen wendet. Im „normalen“ Leben arbeitet die Hannoveranerin im kaufmännischen Bereich. „Ich bin eher eine Schreibtischtäterin“, lacht sie. Für den Schmiedekurs hat sie sich gemeinsam mit ihrer Schwester Nina Mohrmann angemeldet. Auch Ninas Arbeitsleben spielt sich eher im Büro ab. „Ich arbeite in einer Verwaltung“, erzählt sie. Weil sie das Museumsdorf schon seit Jugendzeiten kennt, verfolgt sie regelmäßig die Veranstaltungsangebote und kommt öfters vorbei. Den Schmiedekurs haben die Schwestern gebucht, um ein Handwerk einmal unter ganz einfachen Bedingungen kennenzulernen. Auch die körperliche Anstrengung gehört dazu. „Es ist schwerer, als wir gedacht haben. Wenn man nur zusieht, schaut es viel einfacher aus“, fassen die Beiden ihre Erfahrungen zusammen.

Das kann Martina Müller aus Soltau nur bestätigen. „Mal sehen, wie es mir morgen geht“, meint sie verschmitzt. Aber jetzt ist das egal und es wird erst einmal der Blasebalg betätigt, denn auch das letzte Werkstück soll noch fertig werden. Verarbeitet wird Stahl, den Evelyn Neumann mitgebracht hat. Die Bildhauerin und Metallkünstlerin ist neuerdings regelmäßig in der Schmiede des Museumsdorfes anzutreffen, Schmiedekurse für Frauen bietet sie immer wieder an. „Auf diese Weise kann man das Klischee vom Männerberuf aufbrechen. Denn zum Schmieden gehört nicht nur Kraft, dazu gehören auch Geschick, die richtige Technik und ein Auge für das Material. Das kann man sich als Frau gut zutrauen“, sagt sie. Die Leute seien immer wieder verdutzt, wenn sie sie in der rauchenden Schmiede anträfen. Kein Wunder – wer sich einen Schmied als Mann mit Händen wie Schaufelblätter vorstellt, muss bei der zierlichen Evelyn Neumann vermutlich zweimal hinschauen. Das Wundern ist aber schnell vorbei, wenn diese den Hammer in die Hand nimmt und aus dem geraden Werkstück ruckzuck eine filigrane Spirale zaubert. Zufrieden mustert sie das heutige Tagewerk. Alle Teilnehmerinnen haben mehrere Stücke geschmiedet und können Schlüsselanhänger, Hirtenhaken, Gartenschmuck und einen Flaschenöffner mit nach Hause nehmen. Vielleicht ist ja das eine oder andere Geschenk dabei. http://www.museumsdorf-hoesseringen.de

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