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Böddenstedter Adelshof entdeckt – Broschüre des Museumsdorfes zeigt Böddenstedter Geschichte

HÖSSERINGEN. „Wir wissen jetzt, dass der Adelshof des Dorfes Böddenstedt in der Mühlenstraße lag“, freut sich Dr. Horst Löbert. Wobei man sich den „Adelshof“ eher als großen Bauernhof vorzustellen hat, der jedoch immerhin den gesamten westlichen Straßenbereich der Mühlenstraße bis hin zur Mühle am Stahlbach
umfasste. Dass es ein Adelsgeschlecht in Böddenstedt gegeben hat, ist bekannt.

Die Lage des zugehörigen Anwesens aber wurde erst jetzt dank einer Forschungsarbeit, die auf Löberts Initiative zustande kam, ermittelt und ist in der neuen Veröffentlichung „Flurgenese und Agrarreformen – in der Lüneburger Heide am Beispiel des Dorfes Böddenstedt im Landkreis Uelzen“ nachzulesen. Die Broschüre erschien in der Schriftenreihe „Beiträge zur Kulturgeschichte der Lüneburger Heide“ des Museumsdorfes Hösseringen und enthält Beiträge zweier Autoren. Zum einen den Abriss zum „Werdegang des Dorfes Böddenstedt und seiner Höfe“ von Prof. Dr. Wolfgang Meibeyer. Der Siedlungsgeograf konnte anhand überlieferter Karten und Akten die Dorfentwicklung über mehr als tausend Jahre anhand der Flurstruktur verfolgen. In diesem Rahmen gelang ihm auch der Nachweis, wo das Adelsgeschlecht derer von Bodenstede einst seinen Hof hatte. Und das Sahnehäubchen dazu: Erst vor wenigen Monaten wurde in der Böddenstedter Feldflur ein Siegelstempel des Hans von Bodenstede aus der Zeit um 1400 gefunden. Hans (Johannes) von Bodenstede war Vikar in Uelzen und ist im Urkundenbuch Uelzens zwischen 1398 und 1443 bezeugt. Diese Adelsfamilie ist im 16. Jahrhundert ausgestorben. Aber sie hat dem Ort etwas von Dauer hinterlassen: das Einhorn im Wappen der Gemeinde Böddenstedt. Der zweite Abschnitt in der Broschüre trägt den Titel „Die Agrarreformen in Böddenstedt“, Autor ist Wilhelm Westermann. Dieser ist in der Region kein Unbekannter, hat er doch bereits 2014 eine Untersuchung zu den Agrarreformen im Kirchspiel Barum im Landkreis Uelzen vorgelegt. Nun vergleicht er die Ergebnisse des Kirchspiels Barum mit seinen guten Böden mit den Verhältnissen in Böddenstedt auf den dort weniger ertragreichen „Heideböden“. „Die Gemeinheitsteilungsordnung von 1802 war ein sehr vernünftiges Gesetz“, resumiert er. Wer hätte gedacht, dass sich hinter diesem sperrigen Namen sowohl die spannende Geschichte von der Neuaufteilung und Verkoppelung der ehemaligen Heide- und Ackerflächen als auch der Ablösung der jahrhundertealten grundherrlichen Lasten verbirgt. „Dank dieser Forschungen konnten wir die These, dass die Bauern sehr zögerlich an diese Reformen herangegangen sind, widerlegen. Im Gegenteil, es waren eher die Amtmänner und der Adel, die versuchten, die Reformen zu bremsen, weil sie um ihre Privilegien fürchteten“, so Westermann.

Für das Museumsdorf stellt die Broschüre eine Bereicherung des regionalen Forschungskontextes das. „Eine solche Mikrostudie zeigt, wie Gesetze vor Ort konkret umgesetzt wurden“, so Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm. „Dies kann eben auch zu einer Korrektur alter Ansichten – hier zum Thema Agrarreform – führen. Aber erst anhand mehrerer solcher Studien kann die Breitenwirkung eines solchen Veränderungsprozesses insgesamt nachvollzogen werden.“
Das Layout der von der „Landschaft des vormaligen Fürstentums Lüneburg“ und der Gemeinde Suderburg geförderten Veröffentlichung wurde von Friederike Kohnke entworfen. „Für mich war es etwas ganz Besonderes, einen Teil der Geschichte meines Heimatortes auf diese Weise kennenzulernen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, fasst sie zusammen.

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