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Corona: Solidarität mit ungeschützten Menschen – Regionalbischof Stephan Schaede fordert Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen

UELZEN/LÜNEBURG. Der Lüneburger evangelische Regionalbischof Stephan Schaede hat eine Impfpflicht für Berufsgruppen gefordert, die mit besonders gefährdeten Menschen zu tun haben. Dazu gehörten neben dem Personal in Kliniken und Pflegeheimen unter anderem auch Beschäftigte in Kindertagesstätten, „wo ungeimpfte Mitarbeiterinnen die ungeimpften Kinder infizieren, die dann wiederum das Wohl ihrer sie einhütenden Großeltern gefährden“. Schaede sprach am 11. November beim Jahresempfang des Kirchenkreises Uelzen in der zentralen St. Marien-Kirche, sein Thema: „Freiheit und Verantwortung gegen Ende der Coronafahrt“.

Noch bis vor kurzem sei er vom nahen Ende der Pandemie ausgegangen, gestand der leitende Geistliche. Stattdessen zeigten sich nun „Zuspitzungen und Verschärfungen“. Die Corona-Krise nötige dazu, das Verhältnis von Eigeninteresse und Gemeinsinn neu auszutarieren. Für ihn ergebe sich die ethische Verpflichtung zur Impfung aus der Solidarität mit ungeschützten Menschen, sagte Schaede. Gleichwohl habe er sich bislang gegen eine generelle Impfpflicht ausgesprochen. „Ich muss aber einsehen, dass eine komplette Abstellung auf Impffreiheit in Deutschland zurzeit wieder sehr viele Leben kostet.“

Wenn auf der einen Seite die Nötigung zur Impfung als Grundrechtseinschränkung begriffen werde, dann müsse „auf der anderen Seite klar sein, dass das Unterbleiben von Impfungen zu empfindlichen Grundrechtseinschränkungen einer ungleich größeren Zahl anderer führt“. Vor diesem Hintergrund unterstützt Schaede die Forderung einer „ernsthaften und raschen Prüfung einer berufsbezogenen Impfpflicht“, wie sie der Deutsche Ethikrat jüngst formuliert hat. Die Impfpflicht für spezifische Gruppen sollte umgehend durchgesetzt werden, so Schaede.

Im Übrigen setzt der Regionalbischof auf Freiwilligkeit, Information und Überzeugungsarbeit sowie eine niedrigschwellige Impfkampagne. „Es gilt, möglichst alle Menschen von der Notwendigkeit der Impfung zu überzeugen – nicht, sie zu zwingen“, wandte sich Schaede gegen eine allgemeine Impflicht.

In der durch die Corona-Pandemie ausgelösten gesellschaftlichen Ausnahmesituation gehe es um einen „dialektischen Freiheitslernprozess“. Wer die politische Tyrannei vermeiden wolle, müsse in der Lage sein, sich in den eigenen Ansprüchen und Freiheitsspielräumen selbst zu beherrschen, formulierte der Ethiker einen nur scheinbaren Widerspruch. „Was ich jetzt freiwillig an Freiheitsspielraum hergebe, kann Freiheitsspielräume für spätere Zeiten und Generationen eröffnen.“

Stephan Schaede leitet den Sprengel Lüneburg der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Dazu gehören zehn Kirchenkreise im nordöstlichen Niedersachsen mit rund 500.000 Kirchenmitgliedern. Der promovierte Theologe ist auch Mitglied des Niedersächsischen Ethikrates. Sein Vortrag in Uelzen steht auf der Homepage des Sprengels (www.sprengel-lueneburg.de, Rubik „Reden“) zum Download bereit.

PR
Foto: Tamme






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