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Fachveranstaltung zum Thema „Häusliche Gewalt an Frauen und Kindern“

CELLE. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November hat die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Celle, Afshan Ahmed, am vergangenen Donnerstag eine digitale Fachveranstaltung zum Thema ‚Häusliche Gewalt an Frauen und Kindern während der Pandemie in Deutschland und Celle‘ durchgeführt. „Gewalt gegen Frauen und Kinder hat im vergangenen Jahr leider erneut zugenommen, gleichzeitig muss aufgrund der Corona-Pandemie von einer hohen Dunkelziffer nicht angezeigter Taten ausgegangen werden. Soziale Ausgleiche, aber auch soziale Kontrollinstanzen sind während des ersten Lockdowns quasi von heute auf morgen ersatzlos weggefallen, Familien wurden in Konfliktsituationen häufig zulasten von Frauen und Kindern auf sich selbst zurückgeworfen“, so Ahmed. Bereits bestehende Konflikte hätten sich durch die zusätzlichen pandemiebedingten Belastungen rasant verschärft, nicht nur, aber gerade auch in Familien in prekären wohn- und Lebensverhältnissen.

Dies bestätigte auch Dr. Cara Ebert, stellvertretende Leiterin des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Essen, die als eine der vortragenden Expertinnen für die Onlineveranstaltung gewonnen werden konnte und kürzlich gemeinsam mit Prof. Janina Steinert von der TU München eine national wie international vielbeachtete repräsentative Studie unter 3.800 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren zum Thema „Häusliche Gewalt an Frauen und Kindern während der Covid-19 Pandemie in Deutschland“ vorgelegt hat. Insgesamt seien im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 rund 3 Prozent der Frauen in Deutschland Opfer körperlicher Gewalt geworden, 3,6 Prozent wurden von ihrem Partner vergewaltigt, 6,5 Prozent der Haushalte bestraften Kinder gewalttätig. Mehr als doppelt so hoch war die Zahl der Opfer bei Frauen und Kindern, wenn die Befragten sich in häuslicher Quarantäne befanden, akute finanzielle Sorgen bestanden, oder einer der Partner in Kurzarbeit war oder seinen Arbeitsplatz verloren hatte. Ein Ergebnis der Studie war zudem, dass viele der befragten Frauen angaben, über Hilfsangebote informiert gewesen zu sein, diese letztlich jedoch nicht nutzten.

Dies könnte auch ein Grund dafür sein, dass die Ereignisse häuslicher Gewalt im Landkreis Celle während der Pandemie nicht zugenommen haben, sondern weiterhin abnehmen. Ein hohes Dunkelfeld bleibt jedoch zu vermuten, So Cosima Bauer vom Präventionteam der Polizeiinspektion Celle. Die Anzahl weiblicher Opfer ist mit ca. 75 Prozent gleichgebliebend hoch und sollte dringend zum Nachdenken anregen. Es wird ein gesellschaftlicher Auftrag sein, daran etwas zu anderen. Netzwerke wie der Celler Runde Tisch gegen häusliche Gewalt könnten dazu beitragen, die hiesigen Hilfsangebote noch besser zu kommunizieren und mehr Frauen zu ermuntern, sich Hilfsorganisationen oder der Polizei anzuvertrauen.    

Eine Mitarbeiterin und Anja Fischer vom Anonymen Frauenhaus Celle bezeichneten es als beängstigend, wie schnell während der Pandemie ein Rückschritt in traditionelle Rollenmuster erfolgt sei. Sie berichteten von der Schwierigkeit der praktischen Umsetzung der Unterstützungsarbeit vor Ort im ersten Lockdown, damit verbundenen beengten Wohnverhältnissen, Ängsten und Sorgen, die auch innerhalb des Frauenhauses unter den Frauen für Frustration, Mutlosigkeit und Konflikte gesorgt hätten. Zudem sei es für die Verantwortlichen sehr frustrierend, dass den warmen Worten aus der Politik nur wenige Taten gefolgt seien und Frauenhäuser in Niedersachsen nun sogar finanzielle Einbußen in der Förderung hinnehmen müssten. „Es ist aus unserer Sicht extrem beschämend, dass Frauen egal ob mit oder ohne Gewalterfahrung in einem reichen Land wie Deutschland auf so vielen Ebenen noch immer diskriminiert werden. Wir fordern die Regierung auf, diesbezüglich Verantwortung zu übernehmen“, so Fischer.

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