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Sommerliche Proteste in Eschede

Ein Picknick, eine Mahnwache, eine Kundgebung und eine Demonstration standen am Samstag in Eschede auf der Agenda. Bei sommerlich heißen Temperaturen war dies für die Teilnehmenden nicht nur wegen der  Themen eine Hitzeschlacht.

Am Samstag begann in Eschede der kundgebungsreiche Tag zunächst um 10 Uhr mit einem Picknick im Bürgerpark. Hierzu hatte das örtliche Bündnis gegen Rechtsextremismus geladen. Einige Besucherinnen und Besucher kamen bei den sommerlichen Temperaturen und Familien breiteten auf dem Rasen ihre Decken aus.

Bürgermeister Heinrich Lange (parteilos) hatte bei seiner Begrüßung auf die große Solidarität und starke Gemeinschaft im Ort verwiesen. Lange lobte die vergangenen Initiativen, unter anderem die rot-weißen Kreuze gegen Rechts, die bei vielen Bürgerinnen und Bürgern am Haus oder am Zaun aufgestellt wurden. Weitere Veranstaltungen, wie die „Starke Stimme“ hatten in der Vergangenheit auch viele Besucher angezogen, auf das Thema hingewiesen und viel Anklang gefunden.

Ortsbürgermeisterin Stephanie Bölke (CDU) verwies in ihrer Rede indes auf Immanuel Kant und zitierte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! “ Sie appellierte daran, dass jeder seinen eigenen Verstand schärfen möge.

Ratsvorsitzender Jens Buchholz (BÜFE) machte eindringlich darauf aufmerksam, dass „Bücher vor Dummheit bewahren“. Buchholz machte deutlich, dass Bildung eine Gefahr für Extremisten sei. Das Dorf dürfe kein Rückzugsgebiet für die NPD sein, wobei der Ratsvorsitzende auch mahnte, dass der Faschismus viele Ausprägungen habe.

Bei ausgelassener Stimmung und spielenden Kindern, war das Picknick eine gelungene Veranstaltung – gerade für Familien.

Was zu diesem Zeitpunkt jedoch kaum jemand wahrgenommen hatte war, dass zum selben Zeitpunkt die NPD ihre Kundgebung an der Bundestraße in prominenter Lage begann. Bis zuletzt war bekannt, dass dieser Aufzug mit einer Stunde Verzögerung stattfinden sollte, doch von dem zeitgleichen Beginn war so mancher Teilnehmer überrascht worden. Eine Mahnwache für den Gegenprotest erfreute sich dennoch regen Zuspruchs und zog nach Polizeiangaben nach kurzer Zeit bereits 65 Personen an. Lautstark versuchten nun beiden Seiten, NPD und der Gegenprotest, sich gegenseitig zu übertönen.

Sebastian Weigler, JN-Bundesvorsitzender, machte die Gegendemonstranten darauf aufmerksam, dass die in der Kritik stehende Sonnenwendfeier, die bei der Demonstration beklagt wird, schon einen Tag zuvor stattgefunden habe. Das Banner der NPD trug hierbei den recht neutralen Titel „Eschede unsere Heimat“ – ohne das bekannte NPD Emblem. Weigler berichtete, dass innerhalb der NPD noch eine Mehrheit für eine Umbenennung gesucht wird. Zuletzt war diese auf dem Bundesparteitag am 14. Mai vom Bundesvorstand eingebracht worden, fand jedoch keine Mehrheit. Ziel war es, den Namen „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) in „Die Heimat“ umzubenennen. So würde sich das Banner erklären, schließlich würden gerade die Vertreter der Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN) die Umbenennung befürworten, so Weigler.

Insgesamt war die Konstellation der Kundgebung und Mahnwache bereits aus der Vergangenheit erprobt. Beide Lager stehen sich auf der Celler Straße (B191) gegenüber und können durch die sogenannten Hamburger Gitter (Absperrgitter der Polizei) gut voneinander getrennt werden, und der Verkehr kann auf der Hauptstraße ohne Probleme fließen.

Während das Picknick friedlich beendet wurde, wurden dann auch die Kundgebung der NPD und der Gegenprotest ohne nennenswerte Vorkommnisse beendet. Als jedoch die Teilnehmer der NPD mit ihrem Fahrzeug den Parkplatz vom angrenzenden Einkaufsmarkt verlassen wollten, wirkte sich der dichte Verkehr auf der Hauptstraße negativ auf ihre Abfahrt aus, und heraneilende ehemalige Teilnehmer des Gegenprotestes liefen ihnen entgegen. Der Einsatzleiter der Polizei, Martin Prenzlow, bezeichnete dies im Nachhinein als „dynamische Einsatzlage“. Den auf die Straße stürmenden Personen gelang es, kurz das Fahrzeug der NPD aufzuhalten. Die Polizei sperrte daraufhin temporär die Straße und eilte mit zahlreichen Einsatzkräften heran. Als jedoch zwei Personen das Fahrzeug der NPD beschädigten, verschärfte sich der Einsatz und die Personen wurden in Handschellen abgeführt.

Die „große“ Demonstration warf an diesem sonnigen und sehr heißen Tag jedoch schon die Schatten voraus und nach der kurzzeitigen hektischen Stimmung an der Hauptstraße waren alle gespannt, ob es sich auf die spätere Demonstration auswirken könnte.

Um 14 Uhr trafen sich nun die Teilnehmer der vorherigen Demonstration an diesem Tag. Aufgerufen hatten das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus und das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus. Am Bahnhof sammelten sich ca. 100 Personen, um anschließend gemeinsam in Richtung des NPD Hofes zu gehen.

Auf halber Strecke, an einer Weggabelung, kam es zu einer Zwischenkundgebung. Dirk Garvels, Gewerkschaftssekretär in der DGB Region Nord-Ost-Niedersachsen, verwies in seiner Rede auf die Wichtigkeit hin, dass die Demonstration regelmäßig zu den Feierlichkeiten der Rechten sattfindet, da sie stört, so Garvels. Der Gewerkschaftssekretär mahnte zugleich, dass bei diesen Treffen auf dem Hof stets eine Vernetzung verschiedener Rechter stattfinde. Er unterstütze schon seit Jahren den Protest gegen die NPD in Eschede und unterstrich, dass die Demonstranten für eine offene und vielfältige Gesellschaft stehen. 

Sascha Alius (SPD), stellvertretender Ortsbürgermeister, hatte zunächst einen Dank an alle ausgesprochen, die seit vielen Jahren hier gegen die NPD demonstrieren. Alius beschrieb den Teilnehmenden das zuvor im Ort gezeigte Banner der NPD. Den Hinweis „Heimat“ sprach Alius der NPD ab und hob hervor: „Eschede ist keine Heimat für die NPD“.

Die Reden wurden bei den Temperaturen bewusst kurz gehalten, und der Demonstrationszug setzte sich weiter Richtung NPD Hof in Bewegung. Auf der Höhe des Hofes hatte die Polizei auch hier wieder die Absperrgitter aufgebaut, die sich die letzten Male schon bewährt hatten. So kann der Demonstrationszug geordnet und kanalisiert am Hof vorbeigeleitet werden, wenngleich es stets bei Begegnung zu Wortgefechten kommt.

Am Ende des Weges kam der Demonstrationszug zum Stehen und pausierte. Musik wurde eingespielt, um die Beschallung mit dem „Deutschlandlied“ mit allen Strophen seitens des Hofes zu übertönen. Die Polizei konnte rechtlich das Abspielen der „Hymne“ nicht unterbinden, vielmehr auf die Lautstärke hatte sie Einfluss. So blicken kurzerhand Polizisten mit einer Leiter bewaffnet über den Zaun, um auf „Augenhöhe“ die Reduzierung der Lautstärke einzufordern – was auch geschah.

Miriam Wohler von der feministische Kampagne „Gemeinsam Kämpfen! Für Selbstbestimmung und demokratische Autonomie“ hatte am Mikrofon noch abschließend das Wort. Sie richtete ihren Fokus auf die vielen Vorfälle im Ort, im Land und weltweit. Wohler kritisierte das Patriarchat und forderte mehr Rechte für die Gesellschaft ein.

Nach einer kurzen Verweildauer, Musik und dem Redebeitrag, ging es für die Demonstranten nun wieder auf den Rückweg.

Die Polizei hatte stets alles unter Kontrolle, hatte eine ausgewogene Präsenz und war stets vor Ort. So war der abermalige „Vorbeizug“ am Hof ohne Vorkommnisse zu betiteln.

Dem Wetter vielleicht geschuldet, machten sich am diesem Samstag nur eine überschaubare Menge auf den Weg. Viele Gesichter aus den vergangenen Jahren konnten der Demonstration nicht beiwohnen, oder es war den Personen vielleicht auch zu warm.

Der Protest gegen den NPD Hof wird nach den Beteuerungen der Organisatoren, der Redner und der Bündnisse nicht abreißen. Man erhoffe stets viel Zuspruch und auf viele Teilnehmer.

Redaktion
Celler Presse

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