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25 Jahre nach dem Unglück: Eschede gedenkt der Katastrophe

Am Samstag versammelten sich Hinterbliebene, Opfer und Besucher am Mahnmal in Eschede, um um 10:59 Uhr, dem Zeitpunkt des Unglücks, in Ruhe innezuhalten und still zu gedenken. Während dieser Gedenkveranstaltung wurden Blumengebinde niedergelegt. Heinrich Löwen, der Sprecher der Selbsthilfe Eschede, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Namen am Mahnmal – Namen von Menschen, die für die Anwesenden viel und alles bedeuteten. Er unterstrich den schmerzhaften Verlust der 101 Menschen, die der ICE in die Katastrophe und in den Tod gerissen hat.

Anschließend begaben sich die Teilnehmer zurück zur Rebberlaher Straße, wo ein geräumiges Zelt errichtet worden war. Die Besucherinnen und Besucher nahmen auf den zur Verfügung stehenden Stühlen Platz. Die Musik, Geige, Harfe und Querflöte, war dem Anlass angemessen. Prof. em. Dr. Udo Steiner, der Ombudsmann der Deutschen Bahn AG, hieß alle Anwesenden herzlich willkommen, insbesondere Johannes Ludewig, den ehemaligen Bahnchef.

Dr. Volker Wissing (MdB), Bundesminister für Digitales und Verkehr, betrachtet den Ort als einen Ort, an dem die alltäglichen Sorgen in den Hintergrund treten. „Es ist ein Ort des Nachdenkens. Trauer, Schmerz und Wut werden hier erneut lebendig, es ist einfach zu tiefgründig und schmerzhaft“, sagt Wissing. Er bedankt sich bei den vielen Rettern und Helfern und betont, dass es kaum in Worte zu fassen ist, was sie geleistet haben. Gleichzeitig appelliert der Bundesverkehrsminister, dass alles unternommen werden muss, um eine solche Katastrophe nie wieder geschehen zu lassen. Es ist auch wichtig, dass die Erinnerung an das Gedenken lebendig bleiben, schließt der Minister.

Olaf Lies, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung des Landes Niedersachsen, empfindet die Erinnerung mit einer besonderen Intensität. Es war ein Tag, den wir niemals vergessen werden, er hat sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt, sagt Lies. Es ist gegenüber den Angehörigen unsere Pflicht, dass wir nicht vergessen. Die Technologie biete keine hundertprozentige Sicherheit, dennoch stelle sich die Frage nach der Verantwortung. Die offizielle Entschuldigung der Bahn war dringend notwendig, kam aber 15 Jahre zu spät, stellt der Minister fest. Dieses Verhalten müsse hinterfragt werden, und wir müssen uns von Menschlichkeit leiten lassen, ist Lies sicher. Trotz all des Schmerzes ist Eschede ein Ort, an dem man Halt und Trost finden kann. Der Ort ist geprägt von Mitmenschlichkeit und Solidarität, hier sind viele über sich selbst hinausgewachsen. Eschede ist neben all dem Schmerz auch ein Ort der Hoffnung.

Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, verneigt sich vor den Hinterbliebenen, Betroffenen und Angehörigen. „Für sie ist der Tag noch nicht vorbei, sie haben einen steinigen Weg hinter sich – einen harten Kampf“, sagt Aigner. Beim Zugunglück am 3. Juni 2022 kamen fünf Menschen ums Leben, mehr als 70 wurden verletzt. Aigner erinnert auch an das Unglück im letzten Jahr am selben Tag in Bayern. Die Präsidentin des Bayerischen Landtags betrachtet den Einsatz der Retter als unbezahlbar, und wir werden die Bilder von damals alle nicht vergessen. „Das Leben ist entgleist“, und wir bilden eine „Schicksalsgemeinschaft“.

Dr. Richard Lutz, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn AG, spricht voller Demut vor den Angehörigen und den Betroffenen, was keineswegs selbstverständlich ist. „Die Zeit heilt eben nicht alle Wunden“, sagt Lutz. Dem Bahnchef war es wichtig, die Entschuldigung und die Bitte um Verzeihung zu erneuern. Gleichzeitig ist Lutz seinem Vorgänger Rüdiger Grube dankbar, dass er dies bereits im Jahr 2013 getan hat. Es war jedoch falsch, dass diese Entschuldigung 15 Jahre zu spät kam. „Sie mussten zu lange darauf warten“, ist sich der Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bahn AG sicher. Dieser Tag war eine Zäsur für die Bahn, die ihrer Verantwortung nicht gerecht wurde. „Sicherheit hat Vorrang vor allem“, betont Lutz. Für ihn steht Eschede als Symbol für Solidarität und Menschlichkeit.

Heinrich Lange, Bürgermeister der Gemeinde Eschede, betrachtet das Mahnmal als einen Ort der Erinnerung, an dem die Vergangenheit auf besondere Weise präsent ist. Er zitiert die Worte von Bundespräsident Roman Herzog bei der Trauerfeier für die Opfer der Zugkatastrophe von Eschede in der Stadtkirche zu Celle am 21. Juni 1998: „Eschede ist für uns alle nicht nur ein Ort des Schreckens, sondern auch ein Ort der Menschlichkeit geworden“. Der Bürgermeister betont jedoch, dass ein Verharren in der Trauer nicht möglich ist. Die Gemeinde musste und muss eine Perspektive haben, und daher ist es notwendig, den Blick nach vorn zu richten, so Lange. „Der Ort darf nicht nur auf das Unglück reduziert werden“. Die Anspannung ist in den Tagen vor dem 3. Juni im Ort spürbar, und auch heute und in Zukunft werden viele wieder gedenken.

Gerd Bakeberg, Einsatzleiter der Feuerwehr im Jahr 1998 und Ehrenkreisbrandmeister des Landkreises Celle, erinnert sich lebhaft an den 3. Juni 1998. Um 11:03 Uhr erreichte die Alarmmeldung die Freiwillige Feuerwehr. Der damalige Einsatzleiter zählt bis zum 6. Juni fast 2.000 Retter, die in Eschede im Einsatz waren. Bakeberg sieht auch direkte Veränderungen, wie die geänderten Ausbildungsrichtlinien, verbesserte Technik und Ausstattung sowie ein spezielles Einsatzfahrzeug. Er erinnert auch an die einzigartige Aktion der Tourismusbranche, die den Rettern von Eschede kostenlose Urlaube angeboten hat. Der Ehrenkreisbrandmeister appelliert jedoch auch an Politik und Verwaltung, die Geräte und Ausrüstungen der Feuerwehren stets auf dem neuesten Stand zu halten.

Heinrich Löwen, Sprecher der Selbsthilfe Eschede, hat bei dem Unglück seine Frau und seine Tochter verloren. Rückblickend kann er sich nicht vorstellen, dass es für viele zu einer persönlichen Zäsur werden würde. In Eschede endete die Zugfahrt in einer Katastrophe. Nach 25 Jahren kehrt eine gewisse Beruhigung ein, obwohl die Zeit die Wunden nicht heilt. Allen wurde viel abverlangt: Die ablehnende Haltung der Deutschen Bahn, die enttäuschende juristische Abwicklung und schließlich die langwierige Gestaltung der Gedenkstätte waren noch einmal ein tiefer Schmerz. Die Gedenkstätte ist nun einzigartig und zugleich ein Mahn- und Gedenkort. Die offizielle Entschuldigung vor 10 Jahren tat gut, aber viele hadern noch mit der Situation. „Eschede darf sich nie wiederholen“, appelliert Löwen. Der Sprecher der Selbsthilfe sieht Eschede als einen Ort der Katastrophe, aber auch der Mitmenschlichkeit. Er hat sich verdient gemacht, indem er aktiv an der Bewältigung der Tragödie mitgewirkt hat.

Die Gedenkfeier war bewegend und bot Raum für Innehalten, Erinnerung, Trauer, Hoffnung und Zusammenhalt. Das Mahnmal in Eschede verbindet die Menschen auf vielfältige Art und Weise, und die 101 Kirschbäume auf dem Gelände der Gedenkstätte symbolisieren die 101 Menschen, die am 3. Juni 1998 ihr Leben verloren haben.

Eschede wird immer ein Ort sein, der von diesem schrecklichen Ereignis geprägt ist. Die Erinnerung an die Opfer und das Leid, das sie und ihre Angehörigen erfahren haben, wird in den Herzen der Menschen weiterleben. Gleichzeitig symbolisiert Eschede jedoch auch den Zusammenhalt und die Stärke der Gemeinschaft, die sich in den schwierigsten Zeiten gezeigt haben.

Redaktion
Celler-Presse.de
Fotos: Celler-Presse.de

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