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Trockenheit: Gewässer und Umwelt unter Druck

Die niedrigen Wasserstände bereits zum Sommeranfang sind ein Ergebnis gleich mehrerer Trockenjahre in Folge. Bereits im Juli 2022 trocknete die Aller im Landkreis Helmstedt gleich über mehrere Kilometer hinweg regelrecht aus. Die Trockenjahre der jüngeren Vergangenheit haben nach Einschätzung des NLWKN auch Folgen für den aktuellen Sommer

Gewässer, Moore, Grundwasser: Bereits zum Sommeranfang sorgt die anhaltende Trockenheit in Niedersachsen für niedrige Wasserstände – und das trotz eines gefühlt durchaus feuchten Winterhalbjahrs. Die aktuelle Entwicklung sei vor allem ein Ergebnis gleich mehrerer Trockenjahre in Folge, betonen die Experten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

„In weiten Teilen Niedersachsens haben wir insbesondere 2018 bis 2020 sowie zuletzt 2022 teils deutliche Niederschlagsdefizite beobachten können“, erklärt Martin Gottwald, Geschäftsbereichsleiter Wasserwirtschaft und Strahlenschutz in der Direktion des Landesbetriebs in Hannover. Das zehre an den natürlichen Speichern in den Einzugsgebieten von Gewässern wie den Boden- und Grundwasserspeichern. „Die Defizite haben sich gewissermaßen über die Jahre akkumuliert. Die Gewässer reagieren daher im Hinblick auf die Wasserführung derzeit sensibler auf die ausbleibenden Niederschläge der vergangenen Wochen, als zu dieser Zeit im Jahr üblich“, so der Experte.

Die Wasserstände an den niedersächsischen Pegeln zeigen analog zum Niederschlag ab Mai eine kontinuierlich abnehmende Tendenz. Der überwiegende Teil der Messstellen befindet sich dabei bereits jetzt auf dem Niveau des langjährigen mittleren Niedrigwassers oder unterschreitet diese Marke – so geschehen aktuell zum Beispiel an der Hunte im Landkreis Oldenburg (Pegel Huntlosen 2), an der Innerste südlich von Hildesheim (Pegel Heinde), an der Rhume im Landkreis Northeim (Pegel Elvershausen), an der Düte nordwestlich von Osnabrück (Pegel Wersen) oder der Schwinge im Landkreis Stade. Einen Überblick in Bezug auf die Niedrigwasser-Situation liefert das länderübergreifende Pegelportal (https://www.pegelportal.de/niedrigwasser/).

Niedrigste Wasserstände noch nicht erreicht

Die jeweils niedrigsten Werte der letzten Trockenjahre werden bisher dagegen noch nicht erreicht. Auch ist es an den vom NLWKN überwachten Gewässern noch nicht zu einem Trockenfallen gekommen. „Wir befinden uns allerdings auch noch am Anfang des Sommers. Die Extremwerte der vergangenen Jahre wurden vor allem im Spätsommer und Herbst verzeichnet“, erinnert Gottwald. Insbesondere die Situation an den kleineren Bächen ist bereits jetzt angespannt, zumal mit ausreichenden Niederschlägen in nächster Zeit nicht zu rechnen ist.

Die geringe Wasserführung setzt den niedersächsischen Gewässern im Sommerhalbjahr zu – auch, weil diese oftmals in unterschiedlichem Maße bereits erhebliche Defizite aufweisen: Etwa hinsichtlich der Abnahme von Biodiversität und Biomasse der Insekten und grundsätzlichen Defiziten bei der Gewässerstruktur. Hinzu kommt eine vielfach noch nicht angepasste Gewässerunterhaltung und vorhandene Belastungen mit Nähr- und Schadstoffen. „Die niedrigen Wasserstände können vor diesem Hintergrund über den Sommer zu einer weiteren Verschärfung führen, da es zu einer Erhöhung der Wassertemperatur, Sauerstoffarmut, Aufkonzentrierung von Schadstoffen, einer verringerten Fließgeschwindigkeit und damit verbunden verstärkter Sedimentation der mitgeführten Feinmaterialien kommen kann. Von erheblichen Schäden ist durch die letzten Trockenjahre bereits jetzt oder bevorstehend auszugehen, falls diese Wetterbedingungen über den Sommer anhalten“, so die Einschätzung von Martin Gottwald.

Seen

Aufgrund des niederschlagsreichen Frühjahrs konnten sich nach dem letzten Trockenjahr in den großen niedersächsischen Seen die Wasserstände bis Ende März zunächst erholen. Allerdings hat die warme niederschlagsarme Witterung insbesondere der letzten Wochen dazu geführt, dass die Wasserstände auch hier sinken. Im größten niedersächsischen See – dem Steinhuder Meer – befindet sich der Wasserstand mit 37,80 m über NN bereits zu Beginn des Sommers auf einem Niveau, welches auch im Juni des letzten Jahres gemessen wurde.

Grundwasser

Mit Blick auf das Grundwasser zeichnen die Experten des NLWKN ein ähnliches Bild: „Die bisher exemplarisch ausgewerteten Daten für das Jahr 2023 deuten darauf hin, dass die Frühjahrsgrundwasserstände trotz eines feuchten Winters in vielen Messstellen, insbesondere in den Geestbereichen, unter den Vergleichswasserständen des Vorjahres geblieben sind“, so Dr. Gunter Wriedt, Grundwasser-Experte am NLWKN-Standort Cloppenburg. Die aufgrund der Trockenheit im Jahr 2022 deutliche sommerliche Absenkung konnte durch die Niederschläge und Grundwasserneubildung im zurückliegenden Winter demnach in vielen Messstellen nicht vollständig kompensiert werden. Insgesamt findet die Grundwasserstandsdynamik weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau statt.

Der NLWKN wird noch in diesem Jahr wieder einen Sonderbericht zur Entwicklung des Grundwassers in Niedersachsen für das abgelaufene hydrologische Jahr (hydrologisches Jahr 2022: November 2021 bis Oktober 2022) veröffentlichen. Dafür werden umfangreiche Datenreihen von rund 1.400 Grundwasserstandmessstellen des NLWKN ausgewertet.

Blickpunkt Moore

Hinreichende Niederschlagsmengen spielen auch beim Blick auf die niedersächsischen Moore eine wichtige Rolle. Ihre Vernässung ist das erklärte Ziel einiger ambitionierter Natur- und Klimaschutzprojekte des Landes – etwa im Großen Moor bei Gifhorn, wo sich die aktuelle Trockenheit ebenfalls bereits bemerkbar macht: „Trotz erster Erfolge der auf der Projektfläche bisher umgesetzten Maßnahmen ist offensichtlich: Die anhaltende Trockenheit der Sommermonate erschwert das Erreichen unseres Ziels eines möglichst nassen und damit wieder intakten Moores erheblich. Das wird auch an den gemessenen Wasserständen zum Beispiel in unseren Poldern greifbar, die derzeit spürbar sinken“, weiß Meike Müller, Projektkoordinatorin beim NLWKN in Braunschweig. Intakte Moore leisten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der biologischen Vielfalt. Nasse Moorflächen dienen aber auch dem Klimaschutz, da die Vernässung des Torfkörpers die Ausdünstung klimaschädlichen CO2-Gases verhindert.

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