Sonntag, 8. März 2026

✔ unabhängig ✔ überparteilich ❤ kostenfrei

Anzeige

Anzeige

Wo wachsen sie denn? – Städtische Ersatzmaßnahme nur auf dem Papier

Die Übersicht ist durchaus eindrucksvoll, 17 Maßnahmen, die von der Bereitstellung künstlicher Quartiere für Fledermäuse über die Umsiedlung wilder Tulpen bis zu Waldumbau reichen und unter dem Strich einen Wert von 249.400 Euro haben, listet die Stadtverwaltung in Beantwortung einer Einwohneranfrage auf. Sie wurden allesamt ins Leben gerufen, um etwas auszugleichen, das vor nahezu vier Jahren etliche Celler erbost und zu Protesten herausgefordert hatte. Sieben Eichen-Riesen waren im Januar 2020 für den Ausbau der Hafenstraße gefällt und gerodet (s. Fotos) worden.

Die Umsetzung des Kompensationspaketes zieht sich über Jahre hin, wie die Anfang dieses Jahres herausgegebenen Pressemitteilungen der Stadt belegten. „Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht – In Celle wird großflächig gepflanzt“ war die eine betitelt, „Herbstgold strahlt auf Allerinsel“ die andere. In letzterer verkündeten der Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge und sein Fachbereichsleiter Grün und technische Dienste Ulf Pohlmann nicht nur den Abschluss der finalen Ausgleichsmaßnahme, sie legten beim Pflanzen der 57 Ulmen entlang der Hafenstraße auch selbst Hand an, während Stadtbaurätin Elena Kuhls mitteilte: „Gerade bei den Arbeiten zum Ausbau der Hafenstraße und rund um unsere Allerinsel haben wir einen großen Aufwand für Umwelt- und Klimaschutz betrieben.“ Teil dessen sind nicht nur die Ulmen, sondern auch die „Entwicklung eines naturnahen Gehölzbestandes durch Waldumbau in Westercelle“. Eine 3.800 qm große Fläche an der Bennebosteler Straße gehört zum Ökopool des Neuen Rathauses und dient zur Umsetzung der Maßnahme Nr. 11, die die Umwandlung eines Fichtenforstes in Laubwald zwecks Entwicklung naturnaher Böden vorsieht, beginnend im Februar/März 2020. Schaut man sich das Areal im Herbst 2023 an, gibt es lediglich einen Hinweis auf Waldumbau. Die dem Entwicklungsziel entgegenstehenden Fichten wurden gefällt, aber von unterpflanzten Eichensetzlingen keine Spur (s. Foto), auch abgestorbene Reste finden sich nicht. Das umzäunte Gelände liegt brach, die Kompensationsmaßnahme im Wert von rund 15.000 Euro existiert seit annähernd vier Jahren nur auf dem Papier.

Das direkte positive Gegenstück bildet ein Projekt, das nicht das Neue Rathaus, sondern die Stadtwerke verantworten. Ein Vergleich bietet sich an, Zeitraum und Zielsetzung sind fast identisch. Um die ökologischen Eingriffe in Folge der Ausweisung des Neubaugebietes „Blaues Land“ in Garßen sowie die Errichtung des neuen vergrößerten Supermarktes Mußwessels in der Dörnbergstraße zu kompensieren, wurde auf einem Flurstück unweit des Naturschutzgebietes Henneckenmoor in Garßen ab 2020 ein Waldumbau durchgeführt, dessen Ergebnis sich rund drei Jahre später bereits ablesen lässt. Kleine Laub-Bäumchen sind erkennbar, Totholz wurde auf der Fläche belassen, einzelne Kiefern aus den Beständen der Monokultur (s. Foto) als Habitatbäume stehen gelassen.  

Maßnahme Nr. 11 des eindrucksvollen oben genannten Kataloges funktioniert also nicht. Nachzuvollziehen, ob die übrigen Aktionen erfolgreich waren, wäre aufwendig. In einem Fall ist es jedoch ganz einfach, ein Spaziergang über die Allerinsel in diesen grauen Novembertagen reicht, um zu sehen: Die gepflanzten 57 Ulmen erstrahlen im versprochenen schönsten Herbstgold.

Anke Schlicht
Celler Presse

Fotos: Anke Schlicht

Hinweis zu der Meldung
Diese Seite zeigt gesponsorten Marketing-Inhalt, Quell- und Informationslinks sowie extern eingespielte Banner und Flash-Anzeigen.

WhatsApp-Kanal Immer bestens informiert! Erhalten Sie die neuesten Nachrichten und Updates jetzt auch direkt auf Ihr Smartphone. Folgen Sie unserem WhatsApp-Kanal und bleiben Sie schnell und unkompliziert auf dem Laufenden. Hier klicken und abonnieren!



Anzeige