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atelier 22 e.V.: Vernissage der Ausstellung  TRADITION UND HOFFNUNG

Am Samstag, den 08.06.2024 findet um 16 Uhr im atelier 22 in der Hattendorffstr. 13 in 29225 Celle die Vernissage mit den Werken dreier Künstler mit Wurzeln im Nahen Osten, Faisal Al Hasan, Jarallah S. Ghaidan und Ahmad Kleige, statt.

Bilder: Faisal Al Hasan, Jarallah S. Ghaidan, Ahmed Kleige

Die Künstler leben seit mehreren Jahren in Deutschland und den Niederlanden. Allen Dreien ist gemeinsam, dass ihr Malstil von ihrer kulturellen Geschichte beeinflusst ist, der in Formen und Techniken ihrer Werke durchschimmert. Einige sind den Besuchern des atelier 22 schon bekannt, da sie schon früher dort ausgestellt haben. Die Maler sind ihrem Malstil treu geblieben, aber die Ausdrucksmittel und Themen haben sich im Laufe der Jahre gewandelt.

Faisal Al Hasans Bilder erinnern an die reliefartigen Formen der assyrischen und sumerischen Felsenbilder in seinem Land Syrien, in denen die Kriegs- und Königsgeschichten von vor tausenden Jahren erzählt werden. Faisal arbeitet mit der Symbolik von Tieren, Gegenständen und Insignien, um das gesellschaftliche Handeln der Personen als Herrscher, Wohltäter oder Unterdrückte zu identifizieren. Faisals moderne Malerei hat einen tiefen Bezug zur antiken assyrischen Bildhauerei unter Verwendung westlicher Effekte. Sie ist politisch, indem sie mit extremer Verfremdung menschliche Gewalt thematisiert und damit den aktuellen Bezug zu seinem Land provoziert. Seine Kunst zwingt dazu, sich mit der Tradition der assyrischen Relief-Bildhauerei zu befassen. Damit erweitert Faisal Al Hasan die aktuelle Debatte um eine neue Wertschätzung der Kunst um die der wichtigsten kulturellen Regionen des Antiken Orients.

Jarallah S. Ghaidan stellt sich gern als Künstler aus Mesopotamien vor. Er ist ein im Irak ausgebildeter Literaturwissenschaftler, der sich zum malenden Künstler weitergebildet hat. Seit 1981 lebt er in der Bundesrepublik. Hier setzte er seine 1979 begonnene autodidaktische Ausbildung zum Maler fort. Er entwickelte eine Malweise, die von zeichnerischen Motiven zu plastischen Maltechniken mit keilschriftartigen Formen führte. Seine Bilder entstehen gern aus einer feinen Strichführung, gezeichnet, gemalt oder mit einem dünnen Pinsel aufgetragen auf Papier oder Leinwand. Die Farbgestaltung erfolgt mittels Farbstift, Ölfarbe oder auch Spachteltechnik. So ergeben sich verschachtelte meist kleine und kantige Formen, die in ihrem Zusammenwirken komplexe und oft nicht zu durchdringende Strukturen ergeben. Assoziationen zur assyrischen Keilschrift oder der arabischen Sprache sind gewollt. Die Themen entwickeln sich aus der Vergangenheit anlässlich aktueller Ereignisse. Für Jarallah entsteht so eine neue Erzählung seiner erlebten Geschichte. Er nennt diese Erzählform ‚Gilgamesch‘ – ein in der frühen sumerischen Mythologie genannter Name eines Gottes.

Ahmed Kleige hat schon früh mit kräftigen und leuchtenden Farben gearbeitet. Seine Bilder schreien nach Aufmerksamkeit. Die Motive seiner Bilder sind häufig Natur, Landschaften oder Menschen. Ein beliebtes Motiv in seiner Heimat Syrien waren die grünen Hügel des Libanon, durch deren Blätterdach die goldenen Türme und roten Dächer der zahlreichen Klöster und Herrschaftshäuser glänzten. Die ins Auge stechenden Farben sind geblieben, geändert haben sich die Motive. Waren es zur Zeit des gescheiterten „Arabischen Frühlings“ die bedrückten und leidenden Frauen und Kinder, sind daraus wieder die farbenprächtigen Kleider junger Frauen geworden. Kleige ist ein „Seelenmaler“, der meist die armen und unterdrückten Menschen – insbesondere Frauen – in seinen Bildern thematisiert. „Ich versuche, ihre Ängste und Befürchtungen, ihre Träume und Sorgen darzustellen“, sagt der Künstler.

Die drei sind sehr bewusst Künstler ihrer Kultur und Geschichte. Sie beziehen sich bei ihren Motiven für Bilder und Skulpturen auf antike Erzählungen oder Mythologien ihrer Völker der Region (z.B. Gilgamesch Epos oder Geschichten aus „1.000 und 1 Nacht“). Sie stehen in der Tradition ihrer Kultur und wollen diese mit ihrer Kunst weitergeben.

Sie reagieren sehr sensibel auf aktuelle gesellschaftliche Ereignisse. In den letzten Jahren waren dies leider oft Kriege und Konflikte im Nahen Osten. Motive sind aber auch sehr persönliche Erfahrungen, wie Verlust der Heimat, des persönlichen Arbeitsplatzes oder das Zerreißen der eigenen Familie. Insofern sind ihre Werke auch der Ruf nach Frieden und Hoffnung.

Die Vernissage wird musikalisch begleitet von Hevi Yusef (Gesang) und Adnan Horo, ein inzwischen über Celle hinaus bekannte Duo für zeitgenössischer Musik aus dem Nahen Osten. In das Thema der Ausstellung führt Dr. Jürgen Henke ein und Eric (EHW) Schaper vom Vorstand des atelier 22 begrüßt die Künstler und Besucher.

Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 21.07.2024, jeweils Do. bis So. von 14 bis 18 Uhr,
Eintritt bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
atelier 22 e.V., Hattendorffstr. 13, 29225 Celle, tel. 05141-9937222, www.atelier22-celle.de

Veranstaltungen zur Ausstellung

So. 23.06.2024, 16 Uhr
Gespräch mit dem Maler Jarallah S. Ghaidan;
Führung durch die Ausstellung

Sa. 29.06.2024, 15 Uhr
Gespräch mit dem Bildhauer und Maler Faisal Al Hasan
(Übersetzung von Anes Mohammad)
Führung durch die Ausstellung

So. 21.07.2024, 15 Uhr – 17 Uhr
Finissage
Gespräche mit Jarallah S. Ghaidan und Faisal Al Hasan

PR

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