Montag, 9. März 2026

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Kein Geld, kein Entgegenkommen, kein Zurück – Kleingartenverein Unterlüß gibt auf

Was 1947 mit dem Aufbau einer Kleingartenanlage auf gepachteter Fläche begann, ist nun Geschichte: Der Kleingartenverein Unterlüß hat sich aufgelöst. Ein Verein mit jahrzehntelanger Tradition verschwindet – nicht freiwillig, sondern unter dem Druck von äußeren Umständen, politischen Entscheidungen und finanziellen Hürden.

Der ursprüngliche Pachtvertrag mit der Gemeinde basierte auf einem Gelände, das Rheinmetall einst zur Verfügung stellte. Doch mit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und der verstärkten Nachfrage nach Rüstungsgütern wurde das Areal in Unterlüß zunehmend für den Werksausbau benötigt. Die Gartenfreunde mussten weichen. Anfang 2025 wurde das verbliebene Gelände vollständig geräumt und eingeebnet. Ersatz? Nur auf dem Papier.

Zwar suchte die Gemeinde Südheide nach neuen Flächen – auch in Zusammenarbeit mit Vertreterinnen wie Kirsten Lühmann – doch die ersten Angebote erwiesen sich als unbrauchbar. Schließlich wurde ein Areal in Hassel bei Bergen identifiziert – allerdings fast 30 Kilometer entfernt. Für einen lokal verankerten Verein war das kaum praktikabel.

Verhandlungen scheiterten – Verantwortung blieb beim Verein

Normen Hartwig, aktives Mitglied des Kleingartenvereins, hätte den Neustart auch als möglicher neuer Vorsitzender begleitet. Er berichtet von zahlreichen Versuchen, das Projekt auf neue Füße zu stellen. Ein erstes Gutachten ließ der Verein noch aus eigenen Mitteln erstellen – rund 1.000 Euro. Doch die Anforderungen wuchsen rasch: Ein umfassendes Artenschutzgutachten sollte über 20.000 Euro kosten, dazu kamen Auflagen für eine Ersatzaufforstung auf Flächen in der Gemeinde Bergen. Insgesamt summierten sich die geschätzten Kosten auf bis zu 500.000 Euro – ein Betrag, der für einen Kleingartenverein in keiner Weise tragbar war.

Zwar zeigte sich Hartwig bereit, über Kontakte zu Umweltorganisationen und mit Unterstützung von Schulklassen die Aufforstung in Eigenregie umzusetzen. Auch ein Diplom-Forstwirt stand bereit, das Vorhaben fachlich zu begleiten. Doch trotz wiederholter schriftlicher Anfragen an die Gemeinde Südheide – sowohl an Bürgermeisterin Katharina Ebeling als auch an den zuständigen Fachbereich – blieb jede Rückmeldung aus. Die angebotene Unterstützung durch den Verein wurde abgelehnt oder ignoriert. Eigeninitiative war offenbar nicht vorgesehen.

Zusätzliche Verunsicherung entstand durch den sogenannten Auflösungsvertrag, der dem Verein 100.000 Euro zusicherte – formal teilweise als Förderung für einen möglichen Neuaufbau. Diese Summe wurde unter den rund 40 damals verbliebenen Mitgliedern kontrovers diskutiert. Umgerechnet entspricht sie etwa 2.500 Euro pro Person – eine Unterstützung, die viele als nicht ausreichend empfanden, um den Verlust der über Jahre gepflegten Parzellen und die Herausforderungen einer kompletten Neugründung auszugleichen.

Für Hartwig, der den Neustart mitgetragen hätte, war spätestens mit der Blockadehaltung der Gemeinde klar: „Wir sollten offenbar eine neue Anlage planen, selbst bezahlen, komplett errichten und am Ende noch pachten – ohne jegliche Unterstützung. Das war nicht mehr zu leisten.“

Kosten und Gutachten: Ein unmögliches Vorhaben

Wie aus verschiedenen Unterlagen hervorgeht, wurden dem Verein für den geplanten Waldumbau und die damit verbundenen Ausgleichsmaßnahmen Angebote mit Gesamtkosten von bis zu einer halben Million Euro unterbreitet. Zusätzlich wären umfangreiche Artenschutzgutachten erforderlich gewesen – darunter Kartierungen von Habitatbäumen, Fledermäusen, Reptilien und Amphibien – mit weiteren Kosten von über 20.000 Euro. Die Gemeinde stellte dabei klar, dass eine Umsetzung in Eigenregie grundsätzlich ausgeschlossen sei.

Bürgermeisterin Ebeling erklärte auf Nachfrage, dass die Gemeinde Südheide zwar bei der Grundstückssuche unterstützt habe, etwa im Bereich des „Lodmannschen Busches“, aber alle Kosten für Gutachten und Kompensationen grundsätzlich von den Vorhabenträgern – in diesem Fall dem Kleingartenverein – zu übernehmen seien. Eine Bezuschussung oder Schenkung des Grundstücks komme nicht in Frage.

Verein zieht Konsequenz – und stellt den Betrieb ein

Am Ende blieb keine tragfähige Option. „Wir haben versucht, mit den begrenzten Mitteln, die wir hatten, etwas Neues aufzubauen“, sagt Hartwig. „Doch ohne Gesprächsbereitschaft und mit immer neuen Kostenforderungen war das nicht mehr möglich.“ „Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde sei von Vertrauensverlust geprägt gewesen – viele Absprachen seien nachträglich einseitig geändert oder nicht eingehalten worden.“

Gemeinsam mit der Vorsitzende Jana Sichert wurde die Auflösung des Vereins beschlossen. Der letzte Versuch, eine Lösung zu finden, scheiterte an fehlender Unterstützung und nicht tragbaren finanziellen Anforderungen.

Ein Stück dörflicher Geschichte ist damit zu Ende gegangen. Der Verein, der Jahrzehnte lang Menschen aus Unterlüß und Umgebung ein Stück Natur, Gemeinschaft und Erholung bot, wird in den Akten verschwinden. Zurück bleiben enttäuschte Mitglieder – und offene Fragen an die kommunale Politik.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler-Presse.de (Archiv)

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