Ein Stück Geschichte und Auftrag für die Zukunft – 125 Jahre Handwerkskammer
Als einen Moment des Innehaltens bezeichnete der niedersächsische Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne die Jubiläumsfeier der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade am Wochenende in der Congress Union. Ihr Kammerbezirk reicht von Cuxhaven bis Clausthal-Zellerfeld, der Rechtssitz ist Celle. „Und deswegen feiern wir unser 125-jähriges Jubiläum hier in Celle“, sagte der Präsident Detlef Bade in seiner Begrüßungsansprache.




Seine Rede ist wie die von Minister Tonne nicht zu lang, kurzweilig und pointiert. Die historische Entwicklung der Handwerkskammer kann nachgelesen werden in einer Kurzchronik, die für alle Gäste, darunter Bürgermeister Alexander Wille und weitere Landtagsabgeordnete, auf den Plätzen zu finden war, garniert mit einer Tafel Schokolade. Der Schwerpunkt lag nicht auf der Geschichte, sondern auf Gegenwart und Zukunft, wie Bade mit seiner Aussage: „125 Jahre Handwerkskammer – das ist ein Stück Geschichte. Aber es ist auch ein Auftrag für die Zukunft“, deutlich machte. Die Veranstalter legten Wert darauf, das Jubiläum in lockerer Atmosphäre zu feiern. Die in der Region bekannte Band Deep Passion stimmte schon vor Beginn des offiziellen Teils mit bekannten Pop-, Soul- und Jazzstücken auf einen unterhaltsamen Spätnachmittag und Abend ein.
Dessen Höhepunkt setzte die Bühnenpoetin Jessy James La Fleur mit zwei Reflektionen in künstlerisch-poetischer Form zu den Themen Ehrenamt und Handwerk. „Der Werkzeugkoffer“, der in ihrem Zuhause meist unbeachtet unter der Spüle steht, hat sie inspiriert, über seine Bedeutung nachzudenken und zu dem Schluss kommen lassen, dass diese immens sei. „Was der Werkzeugkoffer für den Menschen ist, ist das Ehrenamt für die Gesellschaft.“ Unverzichtbar für das Konstrukt unseres Zusammenlebens. Intensiver, langanhaltender Applaus zeigte, wie sehr die in Celle durch ihre Poetry-Slam-Events und Moderationen bestens bekannte Jessy James La Fleur den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.
Das Ehrenamt im Handwerk bildete eine eigene Säule der Jubiläumsfeier. „Das Ehrenamt ist kein Beiwerk und kein Hobby, sondern harte Arbeit. Handwerk und Ehrenamt – das gehört zusammen“, sagte Grant Hendrik Tonne. So werden beispielsweise die Leistungsnachweise von ehrenamtlichen Prüfern abgenommen. Langjährig tätige Prüfer und Prüferinnen wurden im Rahmen der Veranstaltung geehrt.
„Wir feiern Handwerk“, hatte die Moderatorin Claudia Meinbresse zum Auftakt als Motto ausgegeben. Um einige Fakten kam man trotz Partystimmung nicht aus: Die Kammer hat in Niedersachsen 30.000 Mitgliedsbetriebe mit 150.000 Beschäftigten. Die Handwerkskammer vertritt ihre Interessen und ist das Organ der Selbstverwaltung. „Wichtig sind die politischen Rahmenbedingungen“, betonte der Präsident Detlef Bade und freute sich dementsprechend besonders über den Besuch des Wirtschaftsministers. Dieser bezifferte den jährlichen Umsatz des Handwerks in Niedersachsen mit 82,5 Mio Euro. „Die Wirtschaftsmacht von nebenan, dafür steht das Handwerk in Niedersachsen.“ Tonne hob das deutsche Erfolgsmodell der dualen Ausbildung hervor. Und welches Handwerk hätte er ergriffen, wenn er die Gelegenheit gehabt hätte? „Ich wäre Bäcker geworden“, antwortete Grant Hendrik Tonne im Laufe der sehr gelungenen Veranstaltung.
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht
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