LBEG hält Umweltgefährdung durch Kollaps des Kalibergwerkes Wathlingen-Hänigsen während Flutung für möglich!
Die Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen hat immer wieder über die – durch die Zulassung des Abschlussbetriebsplans vom 11.09.2006 grundsätzlich genehmigte – Flutung des Kalibergwerkes Wathlingen-Hänigsen und die damit verbundenen Risiken berichtet.
Bedingung für die vollständige Flutung des Bergwerkes ist – laut Nebenbestimmung Nr. 7 der Zulassung – allerdings, dass die dort noch vorhandenen Rüstungsaltlasten nach Flutung keine Gefahr darstellen. Die Rüstungsaltlasten, das sind u.a. 583.000 Panzergranaten und chemischer Kampfstoff in Form von bis zu 10 t Blaukreuz-kampfstoff „Excelsior“ sowie ca. 50 t Kampfstoffvorprodukt „Merodansäure“. Beides sind hochgiftige Organo-Arsen-Verbindungen.
Gutachten zu den Risiken durch die Rüstungsaltlasten
„Während der Recherchen für die Begründung unserer aktuellen Klage gegen die Anlage zur Entladung und Einleitung standortferner Salzwässer in den Schacht Wathlingen haben wir mehrfach unseren Augen nicht trauen wollen. Im Grunde bestätigen ein vom LBEG in Auftrag gegebenes Gutachten der Firma Plejades und eine aktuelle Einschätzung des LBEG bezüglich Flutung und Rüstungsaltlasten alle unsere schlimmsten Befürchtungen“, so Holger Müller von der BI.
Den Plejades-Bericht vom 12.09.2022 hat das LBEG aufgrund der kritischen Fragen zu den Rüstungsaltlasten erstellen lassen.
Der Bericht stellt u.a. zu früheren Gutachten fest:
Die in den geprüften Fachgutachten durchgeführten Gefährdungsbewertungen der im Bergwerk verbliebenen Rüstungsaltlastspezifischen Stoffe im Hinblick auf eine Freisetzung im Zuge der Flutung und die daraus evtl. resultierenden Beeinträchtigung von Schutzgütern, insbesondere des Grundwassers, werden teilweise als nicht ausreichend bewertet.
Diese Einschätzung beruht auf mehreren fachlichen Defiziten, wie der Ver-wendung ungeeigneter Annahmen, unzutreffenden Analogieschlüssen und der Anwendung veralteter Bewertungsstandards.
Interne Einschätzung des LBEG vom 13.10.2021
Anlässlich eines Schreibens der BI Umwelt Wathlingen e.V. vom 03. Januar 2021 mit umfangreichen Ausführungen zur Situation der Rüstungsaltlasten im ehemaligen Bergwerk Niedersachsen-Riedel hat sich das Referat L3.3 „Grundwasserschutz, Altlasten und Deponien“ noch einmal intensiv mit den zur Verfügung stehenden Unterlagen und sonstigen Erkenntnisse(n) zu diesem Themenkomplex auseinandergesetzt.
Wie sähe ein Worst-Case Szenario aus?
(…)
Falls es während der Flutung zu einem Kollaps des Bergwerks kommen sollte, könnten größere Mengen an Flutungsmedium nach oben gedrückt werden. Dabei wäre nicht auszuschließen dass auch Anteile von mit Schadstoffen versetzte Lauge dabei ist.
Also hält es das LBEG für möglich, dass im schlimmsten Fall das geflutete Bergwerk unter Austritt von Salzlauge kollabieren könnte! Zudem hält es das LBEG für möglich, dass die im Bergwerk lagernden hochgiftigen Kampfstoffe das Grundwasser kontaminieren!
Mögliche Auswirkungen eines Bergwerkskollapses
Der Gutachter Dr. Krupp hat im Verfahren um den Abschlussbetriebsplan und die Flutung des Bergwerkes 2008 bereits vor einem bruchhaften Versagen des Bergwerkes gewarnt. Dadurch würde nach seiner Einschätzung wahrscheinlich
• eine große Menge Grundwasser in kurzer Zeit in die Hohlräume eindringen und
• das Bergwerk unkontrolliert absaufen.
Das wiederum würde bedeuten, dass
• der Grundwasserspiegel kurzfristig und weiträumig (Kilometerweit) um mehrere
Zehner Meter absackt,
• der Baugrund sich setzt und es noch in einiger Entfernung zu Gebäudeschäden
kommen könnte (Beispiel Ronnenberg bei Hannover 1975)
An der Oberfläche könnte es zu Erdfällen und Tagesbrüchen kommen, die das Ausmaß von Fußballfeldern übertreffen können und viele Meter tief sind (Beispiel Neu Staßfurt nach kontrollierter (!) Flutung).
Somit wäre ein – noch dazu chemisch kontaminierter – Salzsee im Bereich des südlichen Randes von Wathlingen, der Kolonie oder Hänigsen-Riedel zu befürchten.
Müller: “Als wenn das nicht schlimm genug ist, mussten wir feststellen, dass auch die Plejades Gutachter einen Tunnel viel zu nahe am Salzstockrand nicht betrachtet haben – in einem Bereich, in dem kurz nach dem Krieg fast 11.000 Tonnen Munition explodiert sind und möglicherweise den Salzstockrand zusätzlich erheblich geschädigt haben.“
Bei einer vollständigen Flutung des Bergwerkes bestünde also ein immenses Risiko für Leben und Gesundheit sowie Eigentum der Bürger und die Umwelt!
„Damit ist die Bedingung der Genehmigung des Abschlussbetriebsplans für das Kalibergwerk aus 2006 für eine weitere Flutung nicht erfüllt, so dass die Flutung dringend gestoppt werden muss!“ so Müllers Fazit.
PR
Foto: Celler Presse
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