Samstag, 17. Januar 2026

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Anstieg von Essstörungen bei jungen Frauen in Niedersachsen

Viele Menschen starten in das neue Jahr mit guten Vorsätzen – häufig steht dabei das Thema Abnehmen ganz oben auf der Liste. Doch der Wunsch nach einer schlankeren Figur kann schnell gefährlich werden, wenn er in extreme Diäten oder krankhafte Verhaltensweisen umschlägt. Die BARMER warnt vor einem alarmierenden Trend: Essstörungen bei jungen Frauen in Niedersachsen nehmen zu. Wir haben mit Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Niedersachsen, über die aktuellen Zahlen, die Rolle von Social Media und darüber gesprochen, wie Familien und Betroffene frühzeitig handeln können.

Celler Presse: Frau Sander, viele Menschen starten mit dem Vorsatz ins neue Jahr, mit Hilfe einer Diät Gewicht zu verlieren. Warum ist dieses Thema so brisant?

Heike Sander: „Der Jahresbeginn ist traditionell die Zeit für Selbstoptimierung und genau hier liegt die Gefahr. Unsere aktuellen Auswertungen zeigen, dass Essstörungen bei jungen Frauen in Niedersachsen deutlich zunehmen. Im Jahr 2018 waren durchschnittlich 11 von 1.000 jungen Frauen zwischen 12 und 29 Jahren wegen einer Essstörung in Behandlung. 2023 lag die Rate bereits bei 14 von 1.000. Das ist ein besorgniserregender Trend.“

Celler Presse: Welche Rolle spielen Social-Media-Plattformen bei dieser Entwicklung?

Heike Sander: „Essstörungen gab es auch schon, bevor Social-Media-Plattformen im Leben von jungen Menschen eine so große Rolle gespielt haben. Zu behaupten, TikTok und Instagram wären ausschließlich verantwortlich für Essstörungen, würde dieser komplexen Erkrankung nicht gerecht werden. Jedoch können Soziale Netzwerke enormen Druck erzeugen. Inhalte, die extremes Dünnsein idealisieren, sind sehr präsent. Der Hashtag „#Skinnytok“ wurde von der Plattform TikTok mittlerweile gesperrt, doch die gefährlichen Inhalte kursieren weiter. Solche Trends vermitteln unrealistische Körperbilder und können krankhafte Selbstbilder fördern. Wir raten dringend dazu, kritisch mit diesen Inhalten umzugehen. Wenn die Beschäftigung mit bestimmten Influencerinnen nicht guttut, sollte man ihnen konsequent entfolgen. Auch ein zeitweiser Verzicht auf Social Media – ein sogenannter Digital Detox – kann helfen, das eigene Wohlbefinden zu steigern.“

Celler Presse: Woran erkennen Angehörige, dass jemand gefährdet sein könnte?

Sander: „Typische Warnsignale sind auffällige Gewichtsveränderungen in kurzer Zeit, häufiges Reden über Kalorien oder Diäten und das Vermeiden gemeinsamer Mahlzeiten. Auch heimliches Essen kann ein Hinweis sein. Familien sollten genau hinschauen und im Zweifel frühzeitig professionelle Hilfe suchen.“

Celler Presse: Gibt es regionale Unterschiede in Niedersachsen?

Sander: „Ja, die Unterschiede sind deutlich. 2023 war die Betroffenenrate im Landkreis Uelzen mit 28 von 1.000 jungen Frauen am höchsten. Es folgen Lüchow-Dannenberg mit 26,24 und die Stadt Osnabrück mit 24,53. Am niedrigsten liegen die Werte im Kreis Oldenburg mit 3,9 sowie in Wilhelmshaven und Leer mit rund 6 von 1.000.“

Celler Presse: Welche Formen von Essstörungen treten am häufigsten auf?

Sander: „Wir unterscheiden drei Hauptformen: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung. Bei Anorexie wird der Gewichtsverlust bewusst herbeigeführt, oft begleitet von übermäßigem Sport. Bulimie ist durch Essanfälle und anschließende kompensatorische Maßnahmen wie Erbrechen oder Abführen gekennzeichnet. Bei der Binge-Eating-Störung kommt es ebenfalls zu Essanfällen, jedoch ohne Kompensation, was meist zu Übergewicht führt.“

Celler Presse: Was kann ansonsten noch getan werden, um diese Entwicklung zu stoppen?

Sander: „Aufklärung ist entscheidend. Unrealistische Körperbilder müssen hinterfragt werden. Familien, Schulen und Medien können gemeinsam dazu beitragen, dass junge Menschen ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper entwickeln. Und jeder Einzelne kann sich fragen: Tut mir das, was ich online sehe, wirklich gut?“

Redaktion
Celler Presse
Foto: BARMER

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