Samstag, 7. März 2026

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Interview mit BARMER Landesgeschäftsführerin Heike Sander: „Wir müssen die Versorgung demenzkranker Menschen gemeinsam weiterentwickeln“ 

Anlässlich der Vorstellung des BARMER‑Krankenhausreports spricht mit Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Niedersachsen und Bremen, über die wachsende Bedeutung des Themas Demenz und die besonderen Herausforderungen für Kliniken. 

Celler Presse: Frau Sander, der neue Krankenhausreport zeigt deutlich steigende Fallzahlen im Bereich Demenz. Was bedeutet das für das Gesundheitssystem? 

Sander: „Wir sehen seit Jahren, dass die Zahl der Menschen mit Demenz kontinuierlich zunimmt – und dieser Trend wird sich fortsetzen. Bis 2040 rechnen wir mit rund 2,1 Millionen Betroffenen, bis 2050 mit etwa 2,5 Millionen. Das betrifft nicht nur die ambulante Versorgung, sondern in großem Maße auch die Krankenhäuser. Heute leidet bereits jeder vierzehnte stationäre Patient an Demenz. Das heißt: Die Bedeutung demenzsensibler Strukturen wird weiter wachsen.“ 

„Viele Krankenhausaufenthalte ließen sich vermeiden“ 

Celler Presse: Der Report zeigt auch einen hohen Anteil von Notfallaufnahmen. Wo sehen Sie Ansatzpunkte, um Krankenhausaufenthalte zu reduzieren? 

Sander: „Über die Hälfte der Einweisungen erfolgt aufgrund akuter Ereignisse wie Stürzen oder Herzinsuffizienz. Hier wissen wir, dass Prävention viel bewirken kann: Telemedizinische Monitoring-Lösungen können helfen, Verschlechterungen des Gesundheitszustands frühzeitig zu erkennen. Und Mobilitätsförderung oder Sturzprävention in der häuslichen Umgebung kann das Risiko für Verletzungen deutlich senken. Wichtig ist, dass wir diese Maßnahmen stärker verankern – gemeinsam mit Pflege, Hausärzten und Angehörigen.“ 

„Ein Delir ist ernst – und wird dennoch häufig übersehen“ 

Celler Presse: Besonders alarmierend sind die Daten zum Thema Delir. Was macht die Situation so herausfordernd? 

Sander: „Ein Delir ist eine ernsthafte, potenziell lebensbedrohliche Komplikation. Bei Menschen mit Demenz ist das Risiko dafür deutlich erhöht. Gleichzeitig wird ein Delir im Klinikalltag oft nicht erkannt, weil die Symptome mit typischen Verhaltensänderungen verwechselt werden. Wir müssen das Thema stärker in den Fokus rücken – durch Schulungen, klare Abläufe und bessere Sensibilisierung. Denn eine frühzeitige Erkennung verbessert den Verlauf erheblich.“ 

Celler Presse: Was brauchen Kliniken, um demenzkranke Patientinnen und Patienten gut zu versorgen? 

Sander: „Wichtig ist ein Umfeld, das Orientierung gibt und Stress reduziert. Dazu gehören einfache Dinge wie Uhr und Kalender im Zimmer, ein geringerer Personalwechsel oder flexible Besuchszeiten, damit Angehörige unterstützen können. Es gibt bereits sehr gute Beispiele in Deutschland. Gleichzeitig sehen wir, dass bislang nur ein kleiner Teil der betroffenen Patientinnen und Patienten in Häusern mit einem speziellen Demenzkonzept behandelt wird. Hier möchten wir unterstützend tätig sein.“ 

Celler Presse: Was ist Ihnen persönlich wichtig, wenn Sie auf die kommenden Jahre schauen? 

Sander: „Mir ist wichtig, dass wir Demenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sehen. Die klinische Versorgung ist ein Teil davon, aber längst nicht alles. Wir brauchen Aufklärung, Unterstützung für Angehörige, Prävention, digitale Hilfsmittel und eine gute Vernetzung aller Beteiligten. Wenn wir das gemeinsam anpacken, können wir viel für die Lebensqualität der Betroffenen tun – im Krankenhaus und darüber hinaus.“

Celler Presse: Besten Dank, Frau Sander, für das Gespräch.

Redaktion
Celler Presse

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