BARMER-Arztreport – Massiver Anstieg an Endometriose-Diagnosen in Niedersachsen – Kernergebnisse des Arztreports
- Die Zahl der Frauen mit Endometriose-Diagnosen hat sich in Niedersachsen seit dem Jahr 2005 von rund 22.000 auf gut 50.000 mehr als verdoppelt.
- Das Durchschnittsalter bei der Erstdiagnose ist bundesweit innerhalb von zehn Jahren um 3,8 Jahre auf 37,4 Jahre gesunken.
- „Die Entwicklungen zeigen, dass Endometriose stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen ist. Die Erkrankung wird heute früher diagnostiziert und betroffene Frauen erhalten schneller Klarheit über ihre Beschwerden“, sagt Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Niedersachsen und Bremen.
Die Zahl der Frauen mit gesicherten Endometriose-Diagnosen hat sich in Niedersachsen in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Gab es im Jahr 2005 erst rund 22.000 Betroffene, waren es im Jahr 2024 bereits rund 50.000. Das geht aus dem aktuellen Arztreport der BARMER hervor.
Bei der Endometriose handelt es sich um eine chronische, meist schmerzhafte Erkrankung, bei der Gewebe, welches der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst. Laut Arztreport sank das Durchschnittsalter der erstmals von einer Diagnose betroffenen Frauen bundesweit im Zeitraum von 2015 bis 2024 um 3,8 Jahre auf 37,4 Jahre. „Die Entwicklungen zeigen, dass Endometriose stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen ist. Die Erkrankung wird heute früher diagnostiziert und betroffene Frauen erhalten schneller Klarheit über ihre Beschwerden“, sagt Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Niedersachsen und Bremen.
Eine frühe Diagnose reiche jedoch nicht aus, betont Sander. Entscheidend sei eine Therapie, die die vielfältigen Lebenssituationen der Betroffenen mit einbezieht. „Endometriose kann viele Bereiche des Lebens beeinflussen – Familienplanung, Mobilität und psychische Gesundheit. Ziel ist es, die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern“, so die Landeschefin weiter. Das sehe auch die seit dem vergangenen Jahr aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Erkrankung so vor.
Begleiterkrankungen stark verbreitet
Laut Arztreport leiden Frauen mit der Diagnose Endometriose deutlich häufiger unter Begleiterkrankungen, als es ihrem Alter entsprechend zu erwarten gewesen wäre. Besonders ausgeprägt zeigte sich dies bei Schmerzdiagnosen. Bauch- und Beckenschmerzen wurden mehr als doppelt so häufig dokumentiert. Ebenso fanden sich überdurchschnittlich oft Diagnosen wie Migräne sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Zudem litten die betroffenen Frauen auch häufiger an depressiven Episoden und Angststörungen.
„Die Ergebnisse des Arztreports belegen zwar, dass mit Endometriose keine erhöhte Sterblichkeit einhergeht. Allerdings leiden die betroffenen Frauen unter einer hohen Krankheitslast. Deshalb ist eine ganzheitliche Therapie erforderlich, zu der auch eine engere Kooperation zwischen Schmerz- und Endometriosezentren gehört“, betonte Landeschefin Sander. Eine passgenaue Therapie könne dazu beitragen, dass sich die Erkrankung nicht unnötig verschlimmere und die Folgen besser bewältigt werden könnten.
Regionale Unterschiede zeigen Bedarf an weiterer Aufklärung
Der Report zeigt außerdem deutliche regionale Unterschiede. Bundesweit liegt Thüringen bei den Erstdiagnosen rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt, während das Saarland etwa 20 Prozent darüber liegt. Endometriose wird zudem häufiger in dicht besiedelten als in ländlichen Regionen diagnostiziert. „Wir gehen davon aus, dass viele Frauen ihre Beschwerden für starke Regelschmerzen halten und deshalb nicht frühzeitig ärztliche Hilfe suchen. Die regionalen Unterschiede zeigen, dass noch weitere Aufklärungsarbeit erforderlich ist“, so Sander abschließend.
Q&A
Was ist Endometriose?
Bei einer Endometriose findet sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnlich ist, außerhalb der Gebärmutterhöhle. Häufig lassen sich derartige Herde am Bauchfell nachweisen, aber auch an den Eierstöcken oder dem Darm.
Warum entsteht Endometriose?
Bis heute ist nicht vollständig geklärt, weshalb es außerhalb der Gebärmutterhöhle zum oftmals schmerzhaften Gewebewachstum kommt. Verschiedene medizinische Erhebungen benennen unter anderem eine Störung des Immunsystems, genetische Faktoren und hormonelle Einflüsse als mögliche Ursachen, die im Zusammenspiel zur Erkrankung führen.
Welche Symptome verursacht Endometriose?
Diese chronische Erkrankung entwickelt sich typischerweise erst ab oder nach der ersten Regelblutung. Das Hauptsymptom einer Endometriose sind Unterleibsschmerzen. Sie treten oft zusammen mit der Regelblutung auf, aber auch während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Die Schmerzen können mal stärker, mal schwächer sein und in den Unterbauch, den Rücken und die Beine ausstrahlen. Sie werden oft als krampfartig erlebt und können von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet sein. Über längere Zeiträume können sich die Schmerzen chronifizieren. Endometriose kann sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.
Wie wird Endometriose behandelt?
Die Behandlung hängt stark von Beschwerden, Alter, Kinderwunsch und Ausbreitung ab. Eine Möglichkeit ist die medikamentöse, symptomorientierte Schmerztherapie, um die Symptome zu lindern. Zudem kann eine Hormontherapie erfolgen, um den Zyklus oder Eisprung zu unterdrücken und auf diesem Wege auch Endometriose-Herde einzudämmen. Möglich ist auch eine meist minimal-invasive Operation, um diese Herde zu entfernen oder zu veröden und Verwachsungen zu lösen. Das kann bei starken Schmerzen und Kinderwunsch sinnvoll sein, oder auch wenn Organe wie zum Beispiel der Darm befallen sind.
Wie wurden die Daten erhoben und ausgewertet?
Die Analyse basiert auf den anonymen Abrechnungsdaten von BARMER-Versicherten. Für die Jahre von 2005 bis 2024 konnten bei der Analyse rund zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland berücksichtigt werden. Die Ergebnisse wurden standardisiert und auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland und Niedersachsen hochgerechnet.
PR
Foto: Mohamed_hassan / Pixabay
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