Steine erzählen Geschichten – Ausstellung „Steinreiche Heide“ im Museumsdorf wiedereröffnet
Ein Mammut ist mit seinem Jungen in weiter Landschaft unterwegs. Im Hintergrund ragen meterhohe Eispanzer auf, einen mächtigen Wall aus Erde und Steinen vor sich herschiebend. Die kleine eiszeitliche Szene zeigt, wie es vor 10.000 Jahren in der Lüneburger Heide ausgesehen haben mag. Sie ist Teil der Ausstellung „Steinreiche Heide“ im Museumsdorf Hösseringen, die am Sonntag feierlich wiedereröffnet worden ist.


„Die Ausstellung ist im Jahr 1998 erstmals eröffnet worden und in ihrem Themenkanon einzigartig“, so der Vorsitzende des Museumsvereins, Jörg Hillmer. „Nach mehr als 20 Jahren musste sie nun überarbeitet und neu gestaltet werden. Zusätzliche Aspekte, wie der Erhalt großer Steine als Lebensraum und Naturdenkmal sind hinzugekommen.“ Diese inhaltliche Erweiterung machte es möglich, dass neben dem Lüneburgischen Landschaftsverband und der Sparkassenstiftung Uelzen auch die BINGO Umweltstiftung Niedersachsen als Förderer ins Boot geholt werden konnte. Der Museums- und Heimatverein Uelzen spendete mit einem in der Bronzezeit bearbeiteten „Schälchenstein“ ein besonders geschichtsträchtiges Exponat. Hans-Joachim Schikowski von der Uelzener Sparkassenstiftung fand mit einem Zitat des Sängers Hans Hartz die passenden Worte: „Steine leben lang, Sie kennen keine Zeit und keinen Zwang“, sagte er, verbunden mit Grüßen der Stiftung, die sich sehr freue, zum Gelingen dieses Projektes beigetragen zu haben.
Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm, der 1998 als Wissenschaftler an das Museumsdorf kam, verband seine persönlichen Erinnerungen an einen Pflasterstein, der zum Ideengeber für ein überraschend vielfältiges Themenspektrum rund um Steine wurde, mit einem inhaltlichen Einblick in die Ausstellung. „Auch unscheinbare Objekte können sehr spannend und museumswürdig sein“, sagte er. Nicht gerade unscheinbar ist das jungsteinzeitliche Großsteingrab aus Lehmke, welches mit den Originalsteinen im Museumsdorf rekonstruiert worden ist. „Das ‚Hünengrab‘ ist ein zentrales Exponat am Eingang der Ausstellung – und flankiert wird es von einem Riesen. Als Ausstellungs-Logo grüßt die von der Künstlerin Susanne Laschütza entworfene Figur ihre Gäste und weist ihnen den Weg. „Große Findlinge waren lange Zeit wichtige Landschaftsmarken. Aus Mangel an Erklärungen für ihre Herkunft entstanden Mythen und Sagen wie die vom Teufelsstein in vielen Gegenden oder auch die vom Jeduttenstein bei Suderburg“, erläuterte der Museumsleiter.
Insgesamt geht es in der Ausstellung um die geologische Einordnung der Findlinge, um die verschiedensten Bearbeitungsmethoden und die breit gefächerten Verwendungsmöglichkeiten. Seit dem Mittelalter griffen Menschen auf Findlinge als Baumaterial zurück, insbesondere für Kirchen. Die Kirche Oldenstadt und der Kirchturm in Suderburg sind hierfür ebenso Zeugnisse wie die Eimker Dorfkirche. In bäuerlichen Wohnhäusern wurden Findlinge für das Fundament verwendet, im Inneren setzte man, teils kunstvoll angeordnet, Lesesteinpflaster im Bereich der Kochstellen. Seit dem 19. Jahrhundert verschwanden große Findlinge und auch Großsteingräber massenhaft: sie wurden für den Straßen- und Brückenbau verwendet. 219 Großsteingräber gab es im Jahr 1846 im Landkreis Uelzen, 100 Jahre später waren es nur noch 17. Deshalb wurde bereits 1938 der Schutzstatur für große Findlinge als Naturdenkmal eingeführt.
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