Mittwoch, 13. Mai 2026

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„Hier hat Europa einen Teil seiner Seele verloren“ – Gedenken in Bergen-Belsen

Erinnern in einer Zeit, in der die Stimmen der Überlebenden langsam verstummen. Dieses Leitmotiv zog sich durch das Gedenken anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen am Sonntag. Während des Programms mit zahlreichen Ansprachen und einer Dialogrunde fielen Sätze wie: „Es gab endlose Zählappelle, die Menschen starben im Stehen“, „Er erlebte die Freiheit nicht mehr“, „Von den Kindern hat keines überlebt“, „Wir hatten alle keine Großeltern“. Oliver Heimbach fing das ungeheure Leid Bergen-Belsens ein mit den Klängen seines Cellos, wie es mit Worten kaum gelingen kann.

Der Gesandte der Republik Frankreich, Emmanuel Suquet, formulierte zum Auftakt seiner Rede: „Hier hat Europa einen Teil seiner Seele verloren“ und wandte sich anschließend an den Überlebenden Pavel Kučera: „Ihnen gehört mein tiefster Respekt, Sie stellen sich dem unvorstellbaren Schmerz Ihrer Vergangenheit.“ Pavel Kučera wurde kurz vor seinem 7. Geburtstag im April 1945 gemeinsam mit seiner Mutter von den englischen Alliierten befreit: „Plötzlich hatten wir zu essen, zu trinken und wir konnten uns waschen.“ Eine Baracke nach der anderen wurde auf das benachbarte Kasernengelände, dem späteren Displaced Persons Camp, verlegt. Am 1. Mai 1945 war es für den kleinen nun siebenjährigen Pavel so weit. „Das schönste Geburtstagsgeschenk“, berichtete Pavel Kučera, der schon im Juli 1945 mit seiner Mutter in seine Heimat nach Bratislava zurückkehren konnte. „Ich fühle keinen Hass, dieses Wort habe ich aus meinem Vokabular gestrichen“, endete er seine Rede, die mit intensivem langanhaltenden Applaus bedacht wurde.

Ausdrücklich bedankte er sich dafür, dass „eine würdige Gedenkstätte entstanden ist.“ Diese ist Teil einer Topographie, die Erinnern benötige, hob Emmanuel Suquet hervor und zitierte die französische Politikerin, ehemalige Präsidentin des EU-Parlamentes und Holocaust-Überlebende Simone Veil, die im Rückblick auf Bergen-Belsen von einer eisigen schmerzenden Leere gesprochen hatte. „Diese müssen wir mit unserer kollektiven Erinnerung füllen“, betonte Suquet und verwies auf Errungenschaften der Nachkriegszeit wie die deutsch-französische Freundschaft und die Europäische Union.

Zu Ehren der aus Frankreich nach Bergen-Belsen deportierten Kinder, Frauen und Männer legte eine französische Delegation eine Gedenktafel am Mahnmal nieder: „Frankreich erinnert sich.“

Zu Beginn hatte die Leiterin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Dr. Elke Gryglewski, die Gäste, darunter viele Kinder und Enkel von Überlebenden, begrüßt und betont: „Die Erinnerungskultur ist ein Beitrag zu einer demokratischen Gesellschaft.“ Im Anschluss sprach die niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg: „Bergen-Belsen mahnt uns, in der Gegenwart das ‚Nie wieder ist jetzt‘ mit Taten zu füllen.“

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht

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