Sonntag, 14. Juni 2026

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Frischer Wind beim BBK Celle – „Werkschau entwickelt eigenen Reiz“

Der Leiter des Kulturressorts im Neuen Rathaus, Johannes Flau, brachte es in seiner Eröffnungsansprache auf den Punkt: „Ich finde diese offene Ausstellung sehr spannend, sie entwickelt unter anderem durch krasse Gegensätze ihren eigenen Reiz. Das beeindruckt mich sehr.“ Für den studierten Kunsthistoriker Flau war es eine Premiere, er reiht sich somit ein in einen Reigen von Neuerungen beim Bund Bildender Künstler Celle (BBK).

In der Vergangenheit gab es in der Gotischen Halle stets zwei BBK-Schauen im Jahr, die jeweils einem Motto folgten. Nun geht der Verband neue Wege: „Zum ersten Mal findet die Sommerausstellung ohne thematische Vorgabe statt“, informierte der Vorsitzende Roman Thomas am Sonntag bei der Vernissage, die nicht ganz so gut besucht war wie üblich. Wahrscheinlich war die Konkurrenz durch die vielen parallel laufenden Veranstaltungen, darunter das Hafenfest, einfach zu groß. Das Publikum, das den Weg ins Schloss gefunden hatte, blieb lange, beschäftigte sich intensiv mit den Exponaten. Sie sind das Ergebnis der Aufforderung an die BBK-Mitglieder Celle, einmal zu zeigen, wo sie als Künstler gerade stehen.

Der Bildhauer Norbert Diemert beschreibt seinen persönlichen, künstlerischen Stand der Dinge: „Wie kann ich als jemand, der mit Stein arbeitet, die Schwere des Materials ein Stück weit aufbrechen, wie erziele ich eine Wirkung von Leichtigkeit.“ Seine gezeigten Skulpturen scheinen zu schwingen, keine Spur von Hartleibigkeit, weich, abgerundet, glatt, filigran verleihen sie der Schau eine Note von Eleganz. Joachim Weigt bietet mit seinen glasierten Keramikskulpturen den Kontrast: Menschliches Antlitz, die Münder weit wie zum klagenden Schrei geöffnet, die Oberflächen uneben und spröde, „(a)bgesang“ betitelt.

MALEN MIT DER KAMERA

Den Hintergrund für diese Objekte bilden unter anderen Heidrun Pfalzgrafs großformatige abstrakte Gemälde. Auch sie probiert Neues aus, hat sogar Gaze in Form von Verbandsmaterial als Stoff entdeckt, um eine plastische Wirkung zu erzeugen. Mithilfe von Acryl, Lackspray, Tusche, Strukturpaste und Gaze hat sie ein sehr lebendiges, im doppelten Sinne tiefgründiges Werk geschaffen. „Ich möchte keinen Stillstand“, betont sie. Mit ihrem zweiten Bild war sie für den Verdener Kunstpreis nominiert. „Es ging ums Dechiffrieren“, berichtet die Künstlerin, die von sich sagt: „Kunst ist mein Lebenselixier, sie kommt aus meinem Inneren heraus.“

Was die Farbigkeit angeht, ist der Maler und Bildhauer Jens Hemme der Gegenentwurf. Ausschließlich erdige Töne bilden sein Werk „Hornbach“. Der Name bezieht sich tatsächlich auf den bekannten Baumarkt, denn dort erwirbt man das, was Hemme verarbeitete: Zement, Sand, Asphalt und vieles mehr. „Ich bin irgendwo angekommen“, sagt er. Wer ihn länger kennt, bemerkt es, eine innere Ruhe findet sich nicht nur auf seinen aktuellen Bildern. „Früher habe ich mich eher mit politischen Themen auseinandergesetzt. Heute steht für mich der Prozess des Schaffens im Vordergrund. Ich genieße die Freiheit der Deutbarkeit.“

Horst G. Brune bleibt indes seinem Stil treu, stetig bewegt er sich mit seinen satirischen Motiven am Puls der Zeit, greift dafür auch zurück auf die ganz Großen der Vergangenheit wie beispielsweise den niederländischen Meister Hieronymus Bosch. Seinen zwischen 1490 und 1500 entstandenen „Garten der Lüste“, „habe ich kurzerhand in einen Schrebergarten der Lust nach Heese Süd verlegt“, erläutert Brune. Lange kann man davor verweilen, entdeckt ebenso wie in Pfalzgrafs abstrakter Malerei immer wieder Neues, und zwar in gegenständlicher Form. Tanzend im Tutu präsentieren sich die aktuellen Granden der deutschen Politik: Markus Söder, Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Bärbel Bas. Brune wäre nicht Brune, würde er keine Innovation liefern, wenn Neues verlangt wird. „Ich habe den Schrebergarten der Lust hier um die Säule gewickelt“, berichtet er trocken, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

Impulse für den frischen Wind im BBK Celle gehen nicht nur, aber auch vom Vorsitzenden Roman Thomas aus. Er möchte dem aktuellen Trend des Sich-Vernetzens folgend, stärker kooperieren mit anderen BBK-Verbänden in Niedersachsen. „In unserer zweiten Jahresausstellung wird es Einblicke in die Arbeit des Braunschweiger BBK geben, zurzeit sind wir schon dort vertreten“, berichtet Thomas, dessen Beitrag für die Werkschau in der Gotischen Halle eher untypisch für ihn daherkommt: Eine fast zerbrechlich wirkende Birke hat er abgelichtet und anschließend abstrahiert. „Das Bild ist Teil meiner Serie ‚Heimat‘, an der ich momentan arbeite.“ Heimat ist für ihn kein Ort, sondern eher ein Gefühl, das sich einstellt, wenn in der Umgebung alles stimmig ist. „Ich bin gerne draußen in der Natur“, erzählt der Fotograf und fügt hinzu: „Ich versuche, mit der Kamera zu malen.“

Die sehr sehenswerte Werkschau des BBK Celle 2026 läuft bis zum 12. Juli und ist geöffnet Di-So, 13-17 Uhr, an Feiertagen geschlossen, Gotische Halle im Celler Schloss.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht

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