Liebe, Selbstbestimmung und Sehnsucht – „Olga und Marie“ in Einfacher Sprache
Mit „Olga und Marie – Eine Liebesgeschichte in Einfacher Sprache“ zeigt Autorin Andrea Lauer, dass Literatur in Einfacher Sprache weit mehr sein kann als vereinfachte Texte. Das schmale Buch aus dem Berliner Verlag edition naundob erzählt auf nur 96 Seiten eine ruhige, persönliche und zugleich berührende Geschichte über Liebe, Wünsche und den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.
Im Mittelpunkt steht die 23-jährige Marie. Sie lebt noch bei ihrer Mutter, mag Nudeln mit Tomatensoße, hört gern Musik und träumt davon, endlich eigenständig entscheiden zu können. Vor allem aber denkt sie immer wieder an Olga. Marie möchte Olga küssen – und zwar genauso, wie sie es aus Liebesfilmen kennt: mit Ruhe, Kerzenlicht und ohne Störungen.
Die Stärke des Buches liegt dabei gerade in seiner Klarheit. Andrea Lauer schreibt in Einfacher Sprache, ohne ihre Figuren kindlich wirken zu lassen. Die kurzen Sätze und die klare Struktur sorgen dafür, dass der Text leicht verständlich bleibt, gleichzeitig aber Gefühle und Gedanken transportiert. Gerade dadurch wirken viele Szenen direkt und ehrlich.
Die Geschichte behandelt Themen wie Selbstständigkeit, Erwachsenwerden, Liebe und Sexualität – Bereiche, die Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Behinderungen in Literatur oft abgesprochen oder nur selten erzählt werden. „Olga und Marie“ macht genau das anders. Das Buch erzählt selbstverständlich von den Wünschen und Gefühlen seiner Hauptfigur und zeigt, dass auch Menschen, die auf Einfache Sprache angewiesen sind, Anspruch auf echte Liebesgeschichten haben.
Passend dazu wurde das Buch von Schauspielerinnen und Schauspielern des inklusiven Theaters Ramba Zamba testgelesen. Ein Vorwort stammt von Aktivist Raul Krauthausen. Die Illustrationen von Richard Lauer ergänzen die Geschichte zurückhaltend und passend zum Stil des Buches.
Besonders bemerkenswert ist, wie unaufgeregt Andrea Lauer ihre Geschichte erzählt. Es gibt keine künstliche Dramatisierung. Stattdessen lebt das Buch von alltäglichen Situationen, kleinen Gedanken und stillen Hoffnungen. Gerade dadurch entsteht Nähe zur Hauptfigur.
Andrea Lauer wurde 1972 in Thüringen geboren, lebt heute mit ihrer Frau in Berlin und hat zwei Söhne. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Autorin und schreibt gezielt Bücher in Einfacher Sprache. 2013 erhielt sie den Preis des Lea Leseklubs, 2017 gewann sie einen Wettbewerb der Lebenshilfe. „Olga und Marie“ war ihr erstes Buch in Einfacher Sprache.
Neben der Taschenbuchausgabe ist das Werk auch als Hörbuch erhältlich. Damit schafft der Verlag edition naundob zusätzliche Möglichkeiten der Teilhabe für Menschen, die lieber hören als lesen oder Schwierigkeiten mit längeren Texten haben.
„Olga und Marie“ zeigt eindrucksvoll, dass Einfache Sprache nicht bedeutet, auf Tiefe, Gefühle oder literarische Qualität zu verzichten. Das Buch macht Literatur zugänglicher – und erzählt dabei eine Geschichte, die vielen Menschen nahekommen dürfte.
Taschenbuch 96 Seiten
ISBN: 978-3-946185-01-7
Hörbuch CD, 60 Minuten
ISBN: 978-3-946185-04-8
Wer nach dem ersten Band weiterlesen möchte, findet mit „Olga und Marie – Das Wiedersehen“ sowie „Olga und Marie – Alles wird gut“ bereits zwei weitere Teile der Reihe.
Redaktion
Celler Presse
Foto: Fräulein Fotograph
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