Mittwoch, 22. Juli 2026

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Die Trift wird beleuchtet – Ortsbürgermeister und zwei Ratsmitglieder üben Kritik

Das Thema gefühlte Sicherheit bzw. Unsicherheit in öffentlichen Celler Parks und Grünanlagen hat derzeit Konjunktur. Ein Antrag der AfD aus dem vergangenen Herbst hatte sich speziell auf die Triftanlagen fokussiert und ein durchdachtes Beleuchtungskonzept gefordert. „Dieses werde zur Lösung des Problems Unsicherheit durch Drogenhandel beitragen“, so die AfD-Fraktion.

Im jüngsten Ausschuss für Umwelt, Verkehr und technische Dienste teilte die Verwaltung mit, dass ab Anfang 2027 der ca. 450 Meter lange Fuß- und Radweg in den Triftanlagen „mit 18 Lichtpunkten ausgeleuchtet wird“. Er verläuft parallel zur Bahnhofstraße. Bestellt wurden Lampen im Alt Berliner Stil mit geschlossenem Gehäuse zum Schutz von Insekten, versehen mit Full-Cut-Off-Leuchten, um der Lichtverschmutzung vorzubeugen. Diese erzeugen eine nachtfreundliche Beleuchtung, d.h. sie strahlen ihr Licht nur nach unten und nicht über die Horizontale ab. Eine umweltfreundliche Beleuchtung bestehe nach Angaben von Fachleuten aus wenigen Lichtpunkten in geringer Höhe, die einen Ort gleichmäßig ausleuchten, ohne zu blenden. Dafür eigneten sich sogenannte Full-Cut-Off-Leuchten. „Fünf Meter sollten nach Vorgaben des Naturschutzes nicht überschritten werden“, referierte Fachbereichsleiter Ulf Pohlmann. Die Lichtpunkthöhe der neuen Lampen beträgt 4,4 Meter. Die Kosten für die Umsetzung der Maßnahme belaufen sich nach Angaben Pohlmanns auf 145.000 Euro.

PARK STEHT UNTER DENKMALSCHUTZ

In der Vorstellung des Projektes wird die Eigenschaft der Triftanlagen als Gartendenkmal nicht angesprochen. Der Ortsbürgermeister Neuenhäusens, Dr. Jörg Rodenwaldt („Zukunft Celle“), bringt dieses im Rahmen einer Anfrage von CP, wie dieser die Maßnahme beurteile, ins Spiel: „Die Triftanlagen als öffentlicher Landschaftspark entstanden um 1864 aus einer ehemaligen Viehtrift. Als klassischer Park des 19. Jahrhunderts war die Anlage von vornherein nicht für eine nächtliche Nutzung konzipiert. Diese historische Struktur prägt den Park bis heute und steht unter Denkmalschutz.“ Es handele sich um ein schützenswertes Erbe Neuenhäusens.

Rodenwaldt begleitet die Celler Kommunalpolitik über einen langen Zeitraum hinweg und weist auf dieser Basis darauf hin, dass das Thema keineswegs neu aufgekommen sei. Es habe eine lange politische Vorgeschichte. „Bereits vor über einem Jahrzehnt wurden Rufe nach einer Beleuchtung der Hauptwege laut, getragen von nachvollziehbaren Sorgen der Anwohnerinnen und Anwohner. Auch die CDU-Stadtratsfraktion stellte vor neun Jahren einen Antrag zur Überprüfung schlecht beleuchteter Wege und sogenannter Brennpunkte – die Triftanlagen standen dabei ausdrücklich im Fokus. Die damalige Antwort der Stadtverwaltung unter dem heutigen Oberbürgermeister war eindeutig: Ein krimineller Brennpunkt sei nicht gegeben, die angrenzende Bahnhofstraße und die Trift seien ausreichend ausgeleuchtet. Ergänzend wurden Bäume und Sträucher zurückgeschnitten, um die Einsehbarkeit und soziale Kontrolle zu verbessern.“

MASSNAHME NICHT VERHÄLTNISMÄSSIG

Diese Einschätzung hält der Kommunalpolitiker nach wie vor für zutreffend und hebt hervor: „Ich nehme die Sorgen der Anwohnerinnen und Anwohner ernst – aber ich halte die nun beschlossene Maßnahme für nicht verhältnismäßig.“ Als Hauptgrund führt er an, dass die gut beleuchtete Bahnhofstraße und die Trift unmittelbar parallel zum Park verlaufen und eine sichere Alternative für Fußgängerinnen und Fußgänger in den Abendstunden darstellten. Weiterhin verdiene der denkmalgeschützte Charakter der historischen Landschaftsanlage Respekt. „Achtzehn Lichtmasten – auch wenn sie historisierend gestaltet sind – verändern das Erscheinungsbild eines solchen Parks spürbar. Der Park sollte in seinem gewachsenen Charakter erhalten bleiben – auch nachts. Hinzu kommen die ökologischen Auswirkungen: Insektenschutzmaßnahmen sind ein richtiger Schritt, ersetzen aber nicht das Argument, dass Fledermäuse, Brutvögel und andere Tierarten auf nächtliche Beleuchtung empfindlich reagieren.“ Die richtige Antwort auf Sicherheitsbedenken lautet nach Ansicht des Ortsbürgermeisters: „Die Anlage sollte konsequent gepflegt werden, soziale Kontrolle durch Präsenz gewährleistet werden und – wo nötig – sollten ordnungspolitische Maßnahmen angewandt werden.“

Direkt im Anschluss an die Präsentation des Projektes in der Sitzung äußerten sich Stephan Ohl (Die Linke) und Juliane Schrader (Grüne) kritisch: „Wer geht denn nachts durch den Park?“, fragte Ohl rhetorisch, die Bahnhofstraße sei doch eine Alternative. „Diese Maßnahme ist doch einfach Quatsch!“ Juliane Schrader schloss sich inhaltlich an.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht

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