Harms warnt vor ÖPNV-Spaltung: „Das wäre ein Rückschritt zulasten der Fahrgäste“
Kurz vor der entscheidenden Sitzung des Celler Stadtrates wächst der Widerstand gegen die Pläne der Stadt, die gemeinsame Verantwortung für den öffentlichen Nahverkehr im Landkreis aufzukündigen. Während der Oberbürgermeister der Stadt Celle beklagt, die Interessen der Stadt kämen im bestehenden System zu kurz, hält Wathlingens Bürgermeister Torsten Harms mit deutlichen Worten dagegen.
In der Fläche sieht man in der Rückübernahme der ÖPNV-Trägerschaft durch die Stadt Celle keinen Aufbruch, sondern einen Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten. „Wer jetzt die Einheit des Nahverkehrs infrage stellt, gefährdet einen der größten verkehrspolitischen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte im Landkreis Celle“, sagt Harms. Die Fahrgäste hätten nichts von neuen Zuständigkeitsgrenzen, unterschiedlichen Interessenlagen und parallelen Strukturen. „Sie brauchen einen starken, gemeinsamen Nahverkehr aus einem Guss.“
Früher gab es drei unterschiedliche ÖPNV-Systeme im Landkreis. Die Zusammenführung und die Entwicklung der CeBus haben dafür gesorgt, dass Angebot, Planung und Vermarktung unter einem Dach organisiert werden konnten. Besonders unverständlich ist die Haltung der Stadt vor dem Hintergrund der tatsächlichen Verkehrsströme. Nahezu alle Buslinien im Landkreis führen nach Celle oder durch Celle. Tausende Schülerinnen und Schüler, Pendler und Bürger aus dem Umland sind täglich auf eine funktionierende Verbindung in die Kreisstadt angewiesen.
„Celle ist das Zentrum des Landkreises. Wer daraus die Konsequenz zieht, sich vom Landkreis abzukoppeln, denkt zu kurz“, kritisiert Harms. Die Stadt profitiere schließlich selbst von den Menschen aus dem Umland, die täglich zum Arbeiten, Einkaufen, Lernen oder für Behördengänge nach Celle kommen.
Harms weist auch die Darstellung zurück, wonach die Interessen der Stadt grundsätzlich nicht berücksichtigt würden. Unterschiedliche Auffassungen über Prioritäten seien normal, rechtfertigten aber keinen politischen Alleingang mit weitreichenden Folgen für den gesamten Landkreis. „Wenn es Konflikte gibt, dann löst man sie am Verhandlungstisch und nicht durch die Zerschlagung funktionierender Strukturen“, fordert der Bürgermeister. Und wenn es berechtigte Interessen der Stadt gibt, dann müssen die auch berücksichtigt werden. Der Umzug des ZOB zum Bahnhof sei genau die richtige Entscheidung, dass Bahn und Bus zusammengehören, erklärt Harms, der selbst ausgebildeter Kaufmann im Eisenbahn- und Straßenverkehr ist. Weitere Verbesserungen, wie bedarfsgesteuerte Verkehre und optimierte Linienführungen sind kein Tabuthema, sondern gehören zu Änderungen im modernen lebendigen ÖPNV eines Kreises.
Sein Appell an die Stadt ist deshalb unmissverständlich: „Bevor morgen Fakten geschaffen werden, muss die Stadt Celle noch einmal das Gespräch mit dem Landkreis und den Städten und Gemeinden suchen. Klappt das nicht, ist die Rücknahme des ÖPNV durch die Stadt legitim. Doch unser gemeinsames Ziel sollte die Einheit sein, damit die Fahrgäste die Gewinner sind.“
Der Landkreis und die Stadt brauchen mehr Zusammenarbeit und nicht neue Grenzen im Nahverkehr auf der Straße, das machen die städtischen Überlegungen klar, allerdings gehören die Landkreis Gemeinden und die Stadt Bergen auch an den Tisch. Eine Trennung von Stadt- und Umlandverkehr wäre aus Sicht der Rathäuser kein Schritt nach vorn, sondern ein verkehrspolitischer Rückschritt mit Ansage.
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