Mittwoch, 7. Oktober 2026

✔ unabhängig ✔ überparteilich ❤ kostenfrei

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Drohne über dem Appell: Zwischenfall unterstreicht angespannte Sicherheitslage

Es war eine bemerkenswerte Parallele zwischen den Worten des scheidenden Kommandeurs und dem Geschehen nur wenig später über dem Celler Schlossplatz: Oberstleutnant i.G. Tim Holzapfel hatte bei der Kommandoübergabe der Lehrgruppe D gerade noch über die zunehmende Bedeutung von Drohnen als Sicherheitsrisiko gesprochen. Im letzten Viertel des militärischen Appells tauchte dann tatsächlich eine kleine Drohne im Umfeld der Veranstaltung auf. Bei Feldjägern und weiteren Sicherheitskräften führte das Fluggerät sichtbar zu erhöhter Aufmerksamkeit.

Eine konkrete Gefahr durch die Drohne ist nicht belegt. Ebenso ist bislang nicht bekannt, wer sie steuerte und welchem Zweck der Flug diente. Doch gerade die zunächst fehlende Zuordnung des kleinen Fluggerätes machte den Moment bemerkenswert – zumal Holzapfel in seiner Rede zuvor sehr konkrete Beispiele für die veränderte Bedrohungslage genannt hatte.

Holzapfel spricht über Drohnen als neue Bedrohung

In seiner Abschiedsrede vor dem Celler Schloss ging Holzapfel ausführlich auf die sicherheitspolitische Lage und die Erfahrungen aus dem Krieg Russlands gegen die Ukraine ein. Moderne Kriegsführung, so seine Botschaft, werde längst nicht mehr allein durch große und teure Waffensysteme bestimmt. Auch vergleichsweise günstige und leicht verfügbare Technik könne militärische Wirkung entfalten und zur Bedrohung werden.

Dabei verwies Holzapfel auch auf Drohnenvorfälle in Deutschland und über militärischen Einrichtungen.

Für Celle ist dieses Thema keineswegs abstrakt. Erst im Dezember 2025 waren im Bereich der Immelmann-Kaserne mindestens 20 Drohnen beobachtet worden. Nach damaligen Angaben der Polizei drangen sie über Stunden immer wieder in den gesperrten Luftraum über der Kaserne ein. Wer die Fluggeräte steuerte, war zunächst unbekannt.

Leipzig und Wunstorf als aktuelle Beispiele

Holzapfel verwies in seiner Rede zudem auf den spektakulären Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle. Dort wurde Anfang August eine Drohne entdeckt, an der nach Angaben des Generalbundesanwalts professioneller Sprengstoff und ein Zünder angebracht waren. Die Bundesanwaltschaft sieht zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht, dass mit der Drohne eine Explosion verursacht werden sollte, und ermittelt unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.

Noch näher an Celle liegt ein weiterer aktueller Fall. Mitte September wurden in der Nähe des Fliegerhorstes Wunstorf Teile einer abgestürzten Drohne gefunden. Nach gemeinsamen Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung stießen die Ermittler wenige Meter vom Wrack entfernt auf eine verdächtige Substanz, bei der es sich möglicherweise um Sprengstoff handelt. Die Untersuchungen zu Herkunft und Hintergrund des Fluggerätes dauern an

Holzapfel verwies während seiner Rede ausdrücklich auf die räumliche Nähe Wunstorfs zu Celle und sprach von weniger als 50 Kilometern Luftlinie. Seine Botschaft: Die Entwicklung ist nicht weit entfernt, sondern betrifft inzwischen auch militärische Standorte und kritische Infrastruktur in Deutschland.

Zunächst eine eingeplante Aufnahmedrohne

Dass während der Kommandoübergabe überhaupt eine Drohne zu sehen war, war zunächst nichts Ungewöhnliches. Zu Beginn der Veranstaltung wurde eine größere, professionell wirkende Drohne eingesetzt, die augenscheinlich Aufnahmen des Appells machte und nach den vor Ort vorliegenden Informationen dem Umfeld der Veranstaltung beziehungsweise der Bundeswehr zuzuordnen war.
Im weiteren Verlauf war dieses Fluggerät nicht mehr zu sehen.

Dann erschien gegen Ende des Appells eine andere Drohne. Das kleine Fluggerät unterschied sich bereits optisch deutlich von der zuvor eingesetzten Aufnahmedrohne. Auf einem während der Veranstaltung entstandenen Foto ist ein kleiner Quadrocopter mit vier geschützten Rotoren zu erkennen.

Eine erkennbare Zuordnung zum offiziellen Veranstaltungsablauf war vor Ort nicht möglich.

Sicherheitskräfte beobachten Himmel und Umfeld

Die Reaktion darauf blieb nicht beim Blick nach oben.

Feldjäger und weitere mit der Sicherheit der Veranstaltung befasste Kräfte verfolgten das Fluggerät sichtbar aufmerksam. Gleichzeitig war zu beobachten, wie sich Kräfte ruhig und ohne erkennbare Hektik in das nähere Umfeld der Veranstaltung und auch in Richtung des angrenzenden Parkbereichs bewegten.

Ob sie dabei gezielt nach dem Piloten der Drohne suchten, lässt sich aus der Beobachtung allein nicht sicher feststellen. Das Verhalten vermittelte jedoch den Eindruck, dass nicht nur das Fluggerät selbst, sondern auch dessen mögliches Umfeld in den Blick genommen wurde.

Gerade diese Reaktion zeigte, wie sensibel ein zunächst nicht zugeordnetes Fluggerät bei einer militärischen Veranstaltung inzwischen wahrgenommen wird. Von Hilflosigkeit war dabei nichts zu erkennen: Während ein Teil der Aufmerksamkeit dem Himmel galt, wurde zugleich das Umfeld beobachtet.

Holzapfels Worte bekommen plötzlich Aktualität

Damit entstand eine ungewöhnliche Situation. Nur kurze Zeit zuvor hatte Holzapfel vor denselben Soldatinnen und Soldaten über Drohnen über militärischen Einrichtungen, den Vorfall in Leipzig/Halle und den aktuellen Fund bei Wunstorf gesprochen. Dann schwebte während seiner eigenen Kommandoübergabe ein kleines, zunächst nicht zugeordnetes Fluggerät in Sichtweite.

Es gibt keinen Beleg dafür, dass von dieser Drohne eine konkrete Gefahr ausging. Ebenso wenig gibt es derzeit einen Anhaltspunkt dafür, dass ein Zusammenhang mit den von Holzapfel genannten Vorfällen bestand. Eine solche Verbindung wäre reine Spekulation.

Der Zwischenfall machte aber sichtbar, wie sehr sich die Wahrnehmung solcher Fluggeräte verändert hat. Eine kleine Drohne am Himmel ist im Umfeld einer militärischen Veranstaltung heute nicht zwangsläufig nur ein harmloses Fotogerät. Solange Herkunft, Pilot und Zweck nicht bekannt sind, muss zumindest geklärt werden, womit man es zu tun hat.

Und so richtete sich während der letzten Phase eines bis dahin exakt durchgeplanten militärischen Zeremoniells die Aufmerksamkeit für einige Zeit nicht allein auf die Formation vor dem Celler Schloss, sondern auch auf ein kleines Fluggerät darüber – und auf die Frage, wer es möglicherweise vom Boden aus steuerte.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse