Integration bedeutet Förderung und Forderung

Landkreis CELLE. Migration zukünftig als Gewinn und Chance für den Landkreis begreifen. Das ist ein Postulat aus dem „Handlungskonzept Integration Landkreis Celle“. Der Kreistag hatte sich kürzlich mit diesem Konzept auseinanderzusetzen. In Anbetracht der auf allen Ebenen stattfindenden Integrationsdebatte, wurde auch im Kreistag dem Thema große Bedeutung beigemessen. 

„Dass Migranten ohne Berufsabschluss dastehen, können wir uns nicht leisten“, leitete dann auch Annette von Pogrell (SPD) die Diskussion ein. „Wir erwarten, dass mehr passiert.“ Überrascht von dem 60-seitigen Handlungskonzept zeigte sich Georgia Langhans (Grüne). Die Debatte der Zuwanderung sei mit der Realität nicht mehr vereinbar. „Die Sprache ist die Integrationsleistung“, so Langhans. Es könne nicht in jeder Gemeinde das Rad neu erfunden werden. Man solle auf bestehende Konzepte zurückgreifen. Schulerfolg sei auch von der Mitarbeit der Eltern abhängig. 

CDU-Fraktionsvorsitzender Joachim Müller wies darauf hin, dass das vorliegende Konzept bereits vor der Sarrazindebatte in Arbeit war. Integration solle nach deren Abschluss auch zum Wahlrecht nicht nur auf kommunaler Ebene führen. SPD-Fraktionsvorsitzender Maximilian Schmidt betonte, dass Integration keine Aufgabe für eine Partei oder ein bestimmtes Parlament sei. Die Entscheidung der Landesregierung sei förderlich, Menschen mit Migrationshintergrund bei der Polizei einzustellen. Aktivitäten über Integrationsmaßnahmen sollten in den Gemeinden bekannt gemacht, Projekte gut dargestellt und kreisweit eingeführt werden. 

Joachim Falkenhagen (FDP) hob hervor: „Wir sind schon lange aktiv. Es ist keiner hier, der das nicht als wichtige Aufgabe betrachtet.“ Und: „Integration ist auch Aufgabe der zu Integrierenden. Es gibt Menschen, die sich wenig Mühe geben.“ 

Das Konzept wurde bei einer Enthaltung angenommen. Das beinhaltet auch, dass zum 1. Dezember eine Stelle für Integrationsangelegenheiten beim Landkreis mit einem Umfang von 25 Wochenstunden eingerichtet wird. 

Als wesentliche Grundsätze werden in dem Konzept aufgeführt:


  • Integration ist keine Assimilation
  • Integration setzt Begegnung auf Augenhöhe voraus
  • Integration ist sowohl ein individueller als auch ein sozialer Prozess
  • Integration ist ein Prozess, der sich über mehrere Generationen hinziehen kann
  • Integration ist ein mehrdimensionaler Prozess, der sich nicht auf den sozialen Bereich beschränken darf
  • Integration bedeutet Förderung und Forderung
  • Integration ist Hilfe zur Selbsthilfe

Die Integrationsarbeit im Landkreis umfasst Ansätze in den zentralen Handlungsfeldern:

  • Sprachförderung von Kindern und Erwachsenen
  • Niedrigschwellige Integrationsangebote für verschiedene Zielgruppen
  • Maßnahmen, die Werte von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung, Toleranz und Religionsfreiheit vermitteln
  • Öffentlichkeitsarbeit, die die Bevölkerung sensibilisiert und informiert
  • Vernetzung der Akteure und Träger bestehender und zukünftiger Integrationsangebote
  • Interkulturelle Öffnung von Regelangeboten durch Einstellung von Fachpersonal mit Migrationshintergrund
  • Förderung von interkultureller Kompetenz durch Fortbildungsveranstaltungen in der Verwaltung

Das Konzept kommt zu dem Fazit: „Integration ist kein abgeschlossenes, einmaliges Vorhaben. Es ist ein fortlaufender Prozess, in dem beständig aktuelle Fragen und Entwicklungen erkannt, aufgegriffen und bearbeitet werden müssen. Das vorliegende Konzept zeigt Anregungen für die aktuelle Situation und die nahe Zukunft auf. Die Inhalte müssen regelmäßig überprüft und bei Bedarf neu festgelegt werden.“ 

Redaktion
Celler Presse 

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