Durch Vielfalt lernen – Auf dem Weg zur inklusiven Schule

CELLE. Der SoVD-Landesverband Niedersachsen e.V. und die Stadt Celle verfolgen im Bereich der inklusiven Bildung ein übereinstimmendes Ziel: Das gemeinsame Lernen behinderter und nicht behinderter Kinder soll zum Normalfall werden. Dies schreibt die UN-Behindertenrechtskonvention bereits seit März 2009 vor. 

Brigitte Fischer, Gleichstellungsbeauftragte bei der Stadt Celle, stellte das Anliegen zusammen mit Manfred Grönda, dem 1. Kreisverbandsvorsitzenden im Sozialverband Deutschland, und Stadtrat Stephan Kassel in einer Pressekonferenz vor. Brigitte Fischer geht es nicht nur um die Gleichstellung von Mann und Frau: „Den Begriff Gleichstellung habe ich hier weit gefasst: das heißt, ich habe die schulische Gleichstellung von behinderten und nicht behinderten Kindern mit einbezogen – also die Gleichstellung aller Kinder – kein Ausgrenzen, sondern einbeziehen und miteinander voneinader lernen.“ 

Stadtrat Stephan Kassel sieht Celle als Vorreiter beim Thema Bildung, bei der Inklusion gebe es allerdings noch einiges nachzuholen. Da stehe Celle noch am Anfang der Planungen. Für die inklusive Schule gebe es auch noch keine eindeutige Definition und werde häufig mit Integration verwechselt. Seit 2009 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf diesen Schulbetrieb. Vom Land gebe es aber bisher keine konkreten Vorgaben. Auch sei die Personalfrage noch nicht geklärt, da an den Schulen Lehrkräfte mit Förderschulbefähigung benötigt werden. Das hänge auch davon ab, was das Land bereit und in der Lage ist, finanziell etwas zu tun. Ab dem kommenden Schuljahr soll es in den Grundschulen Modellversuche geben, um dann ab dem Schuljahr 2012/2013 dem Anspruch der Eltern gerecht werden zu können. Damit es in diesem Jahr anlaufen kann, ist Eile geboten. Bis zum 15. Februar können noch Kinder für dieses Schulprojekt angemeldet werden. 

Die Wirklichkeit in Niedersachsen ist von dieser Vorschrift jedoch weit entfernt, erläutert Manfred Grönda. Ende 2010 wurden gerade einmal 6,6 Prozent der Schüler mit Förderbedarf zusammen mit anderen Kindern unterrichtet. Bundesweit waren es zumindest 18,4 Prozent. Der Umgang der Kinder untereinander – behindert und nicht behindert – so Grönda, sei unproblematisch, da sich das zum Normalfall entwickele. Kinder – gesunde und behinderte – wachsen gemeinsam in gemischten Klassen auf. Wichtig sei auch, dass in den Schulen bauliche und räumliche Voraussetzungen geschaffen werden, z. B. Barrierefreiheit. 

Doch der SoVD – mit seinen mehr als 260.000 Mitgliedern ist er Niedersachsens mit Abstand größter Sozialverband – sucht deswegen gemeinsam mit der Landes- und Kommunalpolitik nach gangbaren Wegen für die zeitnahe Umsetzung der UN-Konvention. Gemeinsam mit der Stadt Celle stellt er bei der Fachtagung „Durch Vielfalt Lernen – auf dem Weg zur inklusiven Schule“ vor allem folgende Fragen zur Diskussion: Welche Aktionspläne benötigen die Kommunen? Welche Hilfestellungen benötigen Kinder, Eltern und Lehrer? Wie bindet man alle Beteiligten am besten in den Prozess ein? 

Der SoVD-Kreisverband Celle hat sich dem Thema Inklusion schon seit einiger Zeit verschrieben und dieses innerhalb des Landesverbandes sowie in der Region vorangetrieben. Darum freut sich der SoVD in Stadt und Landkreis Celle ganz besonders, mit Kultusminister Dr. Bernd Althusmann (CDU), das zuständige Regierungsmitglied zur Diskussionsrunde in der Residenzstadt begrüßen zu können, wenn am 9. Februar die Fachtagung in der Alter Exerzierhalle stattfindet. In einem Programm ab 13:00 Uhr wird das Thema Inklusion in Vorträgen und Diskussionen den Teilnehmern nahe gebracht. 

Bisher liegen bei der Gleichstellungsbeauftragten über 300 Anmeldungen für die Veranstaltung vor. Die Teilnahmegebühr beträgt 15 EURO. Betroffene, Eltern, Lehrer und Interessierte können sich noch anmelden und die Gebühr direkt vor Ort entrichten. Die Fachtagung am 9. Februar ist vor allem für Betroffene, bzw. deren Eltern, eine Entscheidungshilfe für die inklusive Schule: Anmeldeschluss für die Schule ist am 15. Februar. 

Redaktion
Celler Presse 

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