Demonstration gegen Treffen Rechtsextremer in Eschede

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ESCHEDE. Am Samstag kam es erneut zu einer Demonstration gegen ein Treffen rechter Gruppierungen auf dem Hof Nahtz in Eschede. Die vermeintlich harmlose völkische Folklore sind nach Meinung der Kritiker ausgemachte Netzwerktreffen. Am Samstag nutzten die Teilnehmer auf dem Hof das Erntefest, um sich im Landkreis Celle wieder auszutauschen. Die Demonstranten möchten den Finger in die Wunde legen und auf die Situation in Eschede aufmerksam machen.

Kurz vor der Bundestagswahl und anlässlich des Erntefestes trafen sich am Samstag wieder einige dutzend rechter Gruppierungen auf dem Hof Nahts in Eschede. Um die abgeschottete Veranstaltung in das rechte Licht zu rücken, trafen sich dazu ebenfalls wieder fast 100 Demonstranten. Aufgerufen hatte der Deutschen Gewerkschaftsbund Nord-Ost-Niedersachsen und das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus.

Demokraten und Linke Gruppen wollten an der Hauptstraße zum Hof ein Zeichen setzen. Gewalt ist für sie kein Thema, beteuern die Teilnehmer. Sie möchten, dass alle Bürgerinnen und Bürger auf dem rechten Auge nicht blind werden und genau auf das Treiben auf dem Hof Nahtz schauen.

Nach den letzten Auseinandersetzungen, ausgelöst durch gegenseitige Provokation, hatte die Polizei die Bereitschaftspolizei als Verstärkung angefordert. Die Polizei war vom Bahnhof, der Hauptstraße bis zum Hof Nahtz präsent und auch Kräfte der Reiterstaffel waren in dem großflächigen Areal im Einsatz.

Die Demonstranten nahmen ihren Auftrag sehr ernst und die Organisatoren pochten auf die Einhaltung der Auflagen, wie auch schon Dirk Gavels vom DGB bei seiner Eröffnungsansprache mitteilte. Bei angenehmen Temperaturen glich die Demonstration eher einem kleinen Volksfest. Immer, wenn ein Fahrzeug auf die gegenüberliegende Zufahrt zum Hof bog, wurde lautstark gepfiffen und Krach gemacht.

Da die Veranstaltung generell als Kundgebung angemeldet war, gab es seitens der Demonstranten kein vorgelagertes Treffen im Ortskern mit anschließendem Protestzug. Alle Teilnehmer trafen sich direkt an der Kreuzung, begleitet von dutzenden Polizeibeamten.

Hans-Dietrich Springhorn vom Netzwerk Südheide empfindet die Treffen auf dem Hof als Schandfleck. Diese Treffen der Rechten dürfe es seiner Meinung nach nicht geben – gehören verboten, so Springhorn in seiner Rede vor Ort. Springhorn zeigte sich jedoch auch entsetzt, dass die rechten Gruppierungen gerade das Erntefest dafür nutzen. Kirchlich ist das Erntedankfest bekannt, die Rechten haben schon unter Joseph Goebbels im 3. Reich die „Blut und Boden“-Ideologie instrumentalisiert. Hans-Dietrich Springhorn findet diesen Zusammenhang verächtlich und mit Sorge.

Paul Stern und Pastor Wilfried Manneke stellen sich ebenfalls gegen die rechte Ideologie. Sie zeigen regelmäßig Flagge und möchten auf die verbale und körperliche Gewalt der Teilnehmer auf dem Hof Nahtz hinweisen. Währen Paul Stern in seiner Ansprache auch auf die „Machenschaften“ der AfD hinwies, sah es Wilfried Manneke mit Sorge, dass sich auf dem Hof auch regelmäßig Gewaltverbrecher  befanden.

Jan Stöckmann ist der Enkel des Hofbesitzers Joachim Nahtz. Stöckmann kam zur Freude aller Demonstranten zu ihnen, auf die richtige Seite, wie sie finden. Er hatte eine schwere Zeit damals und stieß immer überall an. Stöckmann sah dann aber keine wirkliche Perspektive für sich, wurde von allen aus dem Ort ausgegrenzt, da man ihn mit der Familie Nahtz und der rechten Szene in Verbindung brachte. Er heiratete und zog zunächst weg aus Eschede, wo er auch Arbeit und wieder eine Perspektive fand. Zunächst hatte er noch Angst, dass Rechte vor seiner Tür stehen, doch nun hat er ein gefestigtes Umfeld und ist sogar wieder nach Eschede gezogen.

Während immer vom Hof Nahtz gesprochen wird, schwand der Einfluss Joachim Nahtz gerade nach dem Brand seines Hofes. Die selbst gepachtete Wiese hat er gerade zu den Treffen untervermietet. Ob Brauchtumsfeiern, Fackelkreise, Lieder am Lagerfeuer oder das Frönen der germanischen Kultur, die Organisatoren scheinen dahinter wohl Manfred Börm und Maria Koch zu sein.

Die Polizei nimmt die Situation sehr ernst, obwohl sie eigentlich nur die Demonstranten im Blick haben sollten. Generell sehen sie eine Gefährdungslage und müssen somit auch alle Parteien und Personen, die in das Gebiet um den Hof wollen, im Auge zu behalten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord-Ost-Niedersachsen und das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus wollen aber auch wieder zu den folgenden Veranstaltungen auf dem Hof kommen und den Bürgerinnen und Bürgern zeigen, dass vor ihrer Tür sich rechte Gruppierungen treffen. Sie schauen hin und beobachten die Bewegungen sehr genau. Sie wünschten sich jedoch, dass noch mehr Bürgerinnen und Bürger Flagge und ihr Gesicht zeigen.

Nach Mitteilung der Polizei verlief alles planmäßig und friedlich. Es kam auf beiden Seiten zu keinen nennenswerten Störungen oder Provokationen. Während der Versammlung kam es durch notwendige Straßensperrungen zu kurzzeitigen und geringfügigen Behinderungen des Verkehrs. Gegen 17 Uhr war die Versammlung beendet.

Redaktion
Celler Presse

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