Öffnet die Celler Schlosskapelle auf Dauer für die Öffentlichkeit?

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CELLE. Celler und Besucher des Schloss kennen das “Problem”: Seit langer Zeit ist das Betreten der Schlosskapelle nur zu speziellen Anlässen möglich. Der breiten Öffentlichkeit bleibt das Schmuckstück meist verschlossen. Zu groß war bislang die Angst, die wertvolle Kapelle könnte Schaden nehmen, ein Blick ist höchstens durch eine Glasscheibe möglich. Das jedoch soll sich jetzt ändern. Am Mittwoch, 25. Oktober, hält Landesbischof Ralf Meister einen Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum, der in der Schlosskapelle beginnt und in der Stadtkirche fortgesetzt wird. Damit beginnt eine neue Projektphase zur Erprobung möglicher Nutzungen.

Das Land Niedersachsen untersucht zusammen mit der Stadt Celle, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und Fachleuten für Bauphysik und Konservierung die Möglichkeiten und Risiken einer erweiterten Nutzung der Celler Schlosskapelle. Derzeit ist die Zugänglichkeit zu diesem bedeutenden Zeugnis der Renaissancekunst in Norddeutschland infolge stärkster Schäden durch Übernutzung stark eingeschränkt. In einem Modellprojekt, das konventionelle Maßnahmen mit innovativer Forschung und Entwicklung verknüpft, werden die denkmalverträgliche Nutzung und Klimatisierung erforscht.

Die zwischen 1565 und 1576 ausgestattete Celler Schlosskapelle ist ein Kunstwerk von europäischem Rang und zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der Renaissancekunst in Norddeutschland. Rund 40.000 Besucher pro Jahr interessieren sich für die außergewöhnliche Raumkunst mit dem reformatorisch geprägten Tafelbildprogramm des 16. Jahrhunderts. Das Hauptziel des  Modellprojektes ist die Erforschung der denkmalverträglichen Nutzung und Klimatisierung unter Vermeidung neuer Schäden.

Der Festgottesdienst am 25. Oktober, die Besucherströme bei der Ausstellung “Zeichen setzen” sowie für 2018 geplante Andachten und Führungen sind dabei integrale Bestandteile des Untersuchungsprogramms. In diesem Zusammenhang werden die wichtigsten Schadensfaktoren erfasst und bewertet, zum Beispiel die Klimaschwankung sowie die hygroskopische und mikrobiologische Aktivität der klimasensiblen Raumausstattung. Die bauphysikalische Modellierung und die Simulation von Nutzungsszenarien im Rechenmodell ist der zweite Projektschwerpunkt. Das Modellprojekt wird aus Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Ziele sind die Beseitigung und Vermeidung von nutzungsbedingten anthropogenen Umweltschäden sowie die Schadensvorsorge durch präventive Konservierung.

Finanzierung erfolgt durch die Deutsche Bundesstitung Umwelt (DBU) mit 125.000 Euro (Modellprojekt zur Beseitigung und Vermeidung von nutzungsbedingten anthropogenen Umweltschäden), das Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit 120.000 Euro zur Sicherung der baulichen Substanz, Klimastabilisierung und technische Ertüchtigung des Besucherraums, durch das Finanzministerium mit 25.000 Euro für die Machbarkeitsstudie Klimatechnik im Kooperationsprojekt sowie die Evangelisch-lutherische Landeskirche und Stadt Celle mit 6.000 Euro für die Machbarkeitsstudie Klimatechnik.

Redaktion
Celler Presse

Fotos: Johannes Neukirch

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