„Meine Heimat ist die deutsche Sprache“ – Der Regisseur Celino Bleiweiss zu Gast in der Gedenkstätte Bergen-Belsen

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BERGEN-BELSEN. Als im Filmraum der Gedenkstätte Bergen-Belsen die ersten Bilder des DEFA-Spielfilms „Mein blauer Vogel fliegt“ über die Leinwand flimmern, bleibt der reservierte Sitzplatz für Celino Bleiweiss in der ersten Reihe frei. Den 81-Jährigen zieht es nicht in den Vordergrund, er hat sich lieber unerkannt unter die rund 100 Zuschauer gemischt. Gebannt verfolgt das Publikum den DDR-Film, bei dem Bleiweiss 1975 Regie führte und der auf berührende Weise die wahre Geschichte von der Solidarität zwischen polnischen Kinderhäftlingen und einem deutschen politischen Kapo im KZ Buchenwald erzählt.

Celino Bleiweiss im Gespräch mit Diana Gring (Gedenkstätte Bergen-Belsen)

Das Besondere dabei: Celino Bleiweiss, geboren 1937 als Michael Feiler, hat selbst als Kind ein Konzentrationslager überlebt. Seine Eltern starben bei Massenerschießungen in einem polnischen Ghetto. Im Alter von sechs Jahren wurde er im Sommer 1943 mit gefälschten Papieren und seinen Pflegeeltern in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Später lebte Bleiweiss in der DDR, arbeitete dort als Dramaturg und Regisseur bis er 1983 mit seiner Familie in den Westen flüchtete.

In der Diskussion im Anschluss an die Filmvorführung stellt sich Celino Bleiweiss den vielen Fragen aus dem Publikum. Die Antworten fallen ihm nicht immer leicht, das ist für Jeden spürbar. Er berichtet über die Entstehung des Films, die Dreharbeiten, auch die politischen Umstände der DDR-Produktion kommen zur Sprache. Eigene Erinnerungen aus dem KZ Bergen-Belsen seien in das Drehbuch eingeflossen, berichtet Bleiweiss, der sich selbst als „Meister der Verdrängung“ bezeichnet. Erst vor einigen Jahren habe er begonnen, überhaupt etwas mehr aus der von Verfolgung geprägten Kindheit zu erzählen. Die polnisch-jüdische Herkunft habe sein künstlerisches Werk stark geprägt, meint Bleiweiss, der heute zwischen Israel und Deutschland pendelt. „Aber eigentlich“, so gibt er schmunzelnd zu, „habe ich nur eine Heimat: die deutsche Sprache.“ Noch am selben Abend fliegt er zurück nach München, wo er derzeit an einer Theaterinszenierung arbeitet. Die Veranstaltung fand im Begleitprogramm zur Sonderausstellung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“ statt, die noch bis zum 30. September 2018 in der Gedenkstätte Bergen-Belsen zu sehen ist.

PR
Foto: Stiftung niedersächsische Gedenkstätten





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