Widerworte gegen menschlichen Größenwahn

LÜNEBURG. Die Weihnachtsbotschaft zielt auf grundlegende gesellschaftliche Veränderungen. Das hat der Lüneburger Landessuperintendent Dieter Rathing in seinem aktuellen Jahresbrief betont. „Wir feiern zu Weihnachten einen heiligen Umsturz, die Veränderung aller Verhältnisse“, schrieb Rathing jetzt an rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den zehn Kirchenkreisen des Sprengels, darunter die Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone.

Dieter Rathing

Der Regionalbischof für den Sprengel Lüneburg der evangelisch-lutherischen Landeskirche zitiert in seinem Schreiben aus dem Lied der Mutter Jesu, wie es das Lukas-Evangelium überliefert: „Gott stürzt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen“. Maria sei eine leidenschaftliche Prophetin und unerschrockene Kritikerin von ungerechten Verhältnissen, zu denen auch die Hierarchie zwischen Männern und Frauen gehört. „Maria hat den Mut der Frauen, die sich heute unter MeToo outen“, zog Rathing eine Parallele zur Gegenwart.

Der weihnachtliche Lobgesang der Engel und die Botschaft vom Frieden auf Erden gehörten eng zusammen. „Ehre geben wir Gott durch Widerworte gegen menschlichen Größenwahn – den patriarchalen oder nationalen Größenwahn, einen religiösen oder rassistischen, den digitalen oder gentechnischen“, so Rathing.

Der leitende Geistliche ging in seinem Jahresbrief auch auf den Reformationstag ein, der in Niedersachsen neuerdings als staatlicher Feiertag begangen wird. „Nun stehen wir als Evangelische Kirche in der Aufgabe, den 31. Oktober als religionsübergreifenden, ökumenischen und weltoffenen Feiertag zu gestalten“, skizzierte Rathing die Herausforderung. Reformatorische Impulse für das gesellschaftliche Miteinander würden im kommenden Jahr indes noch deutlicher hervortreten, äußerte Rathing seine Erwartung. „Dahinter steht die Überzeugung, dass alle Kulturen ebenso wie alle gesellschaftlichen und religiösen Institutionen kontinuierlich auf Erneuerung und Umgestaltung angewiesen sind.“

Mit seinem Weihnachtsbrief verbindet der Landessuperintendent traditionell seinen Dank „für alle Dienste und Verantwortungen, die Sie in unserer Kirche wahrnehmen.“

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