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Tanzschule Body-Talk: Zwangspause und laufende Kosten:Nadine Campbell erzählt vom Corona-Betrieb

CELLE. Seit dem 16. März 2020 gibt es immer wieder veränderte Corona-Maßnahmen. Zu Beginn habe sie die Schüler noch im Park unterrichten dürfen. Doch je weiter die Pandemie fortschritt, umso herausfordernder wurden die Einschränkungen. Alle 2 Wochen habe sich der Betrieb diesen stetigen Änderungen angepasst. Desinfektionsstation, Klebchen auf dem Fußboden, Neuregelung der Ein- und Ausgänge, Pausen zwischen den Stunden – jede Handlungsempfehlung hätten sie befolgt.

Das empfohlene Einzeltraining – sei moralisch nicht vertretbar, denn dies würde zu einer Bevorzugung von Schülern führen. Für die meisten sei die Tanzschule Body Talk mittlerweile zu einem „zweiten Zuhause“ und zu einer „Wahlfamilie“ geworden. Dies sei vor allen Dingen durch ihr verbindliches Verhalten gewachsen. Jede Woche konnten die Schüler fest damit rechnen, Mittänzer und Tanzlehrer*in zu treffen, sich mit ihnen kurz auszutauschen und gemeinsam zu tanzen. Verlässliche Planung sei unter diesen wankelmütigen Maßnahmen nicht realisierbar. Dadurch hätten sie auch schon viele Kunden verloren – im schlimmsten Fall: unwiederbringlich! Denn die ICH-Zeit ginge durch die ständigen Änderungen häufig verloren.

Tanzunterricht im Streaming – geht das?

„Wir haben mehrere Streaming-Dienste durchprobieren müssen, da es immer wieder zu Hängern oder anderen technischen Problemen kam“, äußert die Tanzpädagogin. Für den Online-Unterricht müssten sie GEMA zahlen. Diese Kosten kämen neben Miete und Nebenkosten für Räumlichkeiten, die derzeit kaum genutzt werden können, auf die Tanzschule zu. Trotz schwindender Teilnehmerzahl müsste die Tanzschule diese Kosten deckeln. Sie würden auch Anfragen von neuen Schülern erhalten. Doch diese zu unterrichten, stelle die Lehrer vor neue, bisher ungeahnte Herausforderungen. HighClass-Training ohne Vorbildung sei auf diesem Weg schwer möglich. Denn falsche Haltung führe zur ungünstigen Belastungen der Gelenke, welches bei dauerhafter Fehlhaltung schwere Entzündungen in den Gelenken hervorrufen könne. Im Tanzvideo würden die Schüler die Übungen nur spiegelverkehrt und eindimensional erleben. Auch das soziale Miteinander – der Kitt für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit – käme viel zu kurz. Sicherlich das Internet böte viele Möglichkeiten und Wege für Menschen zu ihnen zu finden. Viele damalige Mitglieder würden diese Gelegenheit auch ergreifen. Derzeit würden sie von Woche zu Woche hangeln und wären froh über Jeden, der ihnen erhalten bleibt. Für ein ergänzendes Training und für neue Anregungen ließe sich das Streaming jedoch hervorragend nutzen.

Aktuelle Entwicklungen in der Tanzschule Body Talk

In diesem Jahr feiert die Tanzschule ihr 15-jähriges Jubiläum als Familienbetrieb: gegründet 2007 von John und Nadine Campbell. Der DBFT (Deutscher Berufsverband für Tanzpädagogik e.V.) verlieh ihnen das Siegel für regelmäßige Teilnahmen an Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen. Diese Auszeichnung zeigt, dass der Tanzunterricht nach neuesten und höchsten Standards erfolgt. Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur habe anerkannt, dass junge Menschen angemessen auf den Beruf des Tänzers vorbereitet werden. Hohe Voraussetzungen wie ein mehrjähriges Engagement als Tänzer, Stundenpläne, Lehrpläne zur Fort- und Weiterbildung müssten vorgelegt werden. Für Celle ist es ein Gewinn, dass nun eine Tanzschule auf den Beruf des Tänzers vorbereitet. Auch die professionellen Engagements von Tanzschülern erleichtern den Berufseinstieg. Zuletzt habe eine Schülerin in Hamburg ihre Aufnahmeprüfung zum Studium des Tanzes bestanden und studiere bereits seit einigen Monaten. Tanzen könne nicht nur Berufung sondern auch ein Beruf sein, in dem sich Pädagogen und Tänzer regelmäßig fortbilden müssen.

Social Networking gegen Social Distancing

In ihrem sozialen Netzwerk mit 12.000 Followern bekomme sie mit, wie viele andere Tanzschule unter den Corona-Maßnahmen leiden. Alle stünden vor denselben Problemen und kämpften um ihre Existenz. Aufgabe sei für die Tanzfreunde keine Option, denn gelebte Träume gibt Mensch nicht einfach auf. Es gäbe aber auch schon erste Veräußerungen von Tanzschulen. Viele stellten sich die Frage: Wie lange sie das Berufsverbot noch tragen könnten. „Jedem sollte gestattet sein, seinen Beruf auszuleben“, fordert die Tänzerin. Der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik e.V. hat seine Mitglieder am 09. März 2021 dazu animiert, zum Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin einen Tanzschuh mitsamt Nagel einzusenden. Diese Aktion soll Politiker dazu veranlassen, den Präsenzunterricht in Tanz wieder zu ermöglichen. Für Nadine sei es wichtig, dass der harte Kern der Schüler nicht weniger werden dürfe. Dann müsste sie ihren Tanzschuh an den Nagel hängen.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Bernd Günther





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