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Vielfalt in Motivwahl und Techniken im MehrGenerationenHaus

CELLE. Die Ausstellung „Techniken & Stimmungen“ zeigen das Lebenswerk der spanischen Künstlerin Esperanza Ungerer im MehrGenerationenHaus in der Fritzenwiese. Die 80-Jährige lebte in unterschiedlichen Kulturen, wie ihre Arbeiten eindrucksvoll belegen. Aufgewachsen in Spanien zog es sie 1966 nach Deutschland. Mit ihrem Mann ging sie 1976 nach Saudi-Arabien und kehrte mit Kindern 1982 nach Deutschland zurück. Außerhalb des Foyers und des Saals können Besucher in den unterschiedlichen Räumen verschiedene Werke der Spanierin betrachten. Ganz praktisch ist die Anordnung der thematisch zusammenwirkenden Werke in den Räumen.

Unten links im Raum zeigen die beiden Werke „Reiher“ und „Wasserläufe“ Wasservögel bei der Jagd. Den Hals niedergebogen, den Schnabel ebenfalls gesenkt hat der „Reiher“ seinen spähenden Blick aufs Wasser geheftet. Mit abgemessenen, sehr langsamen Schritten schleicht der schlanke Vogel und so behutsam und leisen Trittes durch das Wasser. Der Betrachter wartet vergeblich auf das kraftvolle, zielstrebige Zustoßen und kann sich dies doch redlich vorstellen. Auch bei dem Werk „Wasserläufe“ wird die Dynamik des Fangstoßes über die vielen aufsteigenden Blasen eindrücklich dargestellt. Doch leider hat sich der elegant farbige Eisvogel verschätzt und muss wohl mit leerem Schnabel weiter jagen. Ein besonderes Augenmerk verdient der „Flamingo“ in Pastell vor dem Foyer, denn nur Auge und Federn sind zu erblicken. Der Schnabel hat sich zum Putzen unter das Gefieder versteckt.

Beim Treppenaufgang begrüßt den Besucher der „Roter Baum“ in Aquarell, in der die Künstlerin eine ungewöhnliche Perspektive im Raum aufgreift. Der rote Baum findet sich an der Brücke zwischen Bomann-Museum und Schloss wieder. Herbstlich hat der Baum sein rotes Blättergewand übergestreift und ist prominent in der Mitte des Werkes platziert. Ebenfalls einen ungewöhnlichen Blick bietet die „Kalandgasse“, die ein wenig abstrahiert in Aquarell mit flüssigem Maskierfilm dargestellt ist. Entgegen der klassischen Werbefotografie im Tourismusbereich zeigt sie das Superintendenten-Witwenhaus, in dem jetzt die Fahrradwerkstatt Werner zu finden ist. Vermisst wird das Kopfsteinpflaster – ein echtes Original dieser Straße. Blumen verschönern den oberen Flur, darunter die „Regenbogen Rose“ in Ölpastellkreide. Die Blüte hebt sich durch ihre Farbhelligkeit und Vielfarbigkeit als echter Eye-Catcher klar vom dunklen Untergrund ab. Weiter hinten zeigt sie durch fliehende Linien die Geschwindigkeit in der „Rennfahrer“ ebenfalls in Aquarell und flüssigem Maskierfilm auf. Die blassen Farben unterstreichen den bewegenden Effekt noch. In einem Nebenraum greift Ungerer in den Werken „Reh“ und „Rehe“ in Aquarell die expressionistische Malrichtung von Franz Marc auf. Nahezu grafisch und in zerlegte Grundformen wirken die Rehe scheu und ein wenig in sich gekehrt.

Esperanza Ungerer (geb. Nonell Sisquella) arbeitete zunächst als Näherin, in der sie ihre erste Begegnung mit Entwurfsgestaltung von Stickmustern hatte. Sie studierte in Spanien Schaufensterdekoration und Kundenberatung. In Abendkursen lernte sie Deutsch und entschied sich, 1966 nach Deutschland auszuwandern. In Saudi-Arabien begann sie, Bilder zu malen, orientalischen Tanz zu erlernen und Unterricht in spanischer Sprache und Tanz zu erteilen. Zurück dozierte sie beides bei der VHS Celle, in der sie ebenfalls Malereitechniken (Zeichnungen, Aquarell, Acryl, Gouache und Pastell) erlernte. Christina Jehne zeigte ihr in ihrem Privatatelier in Großburgwedel verschiedene Techniken der Ölmalerei und Pastell. Auf Studien-Malreisen nach Lanzarote, Santorin, Lesbos, Hiddensee und Spanien hat sie ihre Malerei vertieft. 2003 ist sie dem Amateur Malkreis Celle beigetreten und nahm an unterschiedlichen Ausstellungen in Hambühren, Celle und der Region teil. Esperanza Ungerer berichtet von sich: „Ich male überwiegend Aquarelle, aber auch Bilder in Acryl und Gouache und Öl sowie mit Pastell- und Ölkreiden. Motive meiner Bilder sind aus den Ländern, die ich bereist habe und auch aus dem Celler Land. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit Ausdrucksmalerei und abstrakter Kunst. Mit meinen Bildern möchte ich meine Gefühle ausdrücken und meine Freude am Malen weitergeben.“

Fazit und Hinweis:

In einer vielseitigen, lebendigen und abwechslungsreichen Ausstellung zeigt Esperanza Ungerer ihr Lebenswerk. Besucher erhalten Einblick in verschiedene Techniken der Künstlerin und werden überrascht von der Vielfalt sowohl in Darstellung als auch Motivwahl. Die Ausstellung im MehrGenerationenHaus, Fritzenwiese 46, ist geöffnet bis zum 23.12.2021 montags bis freitags von 9-14 Uhr. Es wird gebeten, die Veranstaltungstermine zu berücksichtigen sowie empfohlen, nach telefonischer Vereinbarung 05141-279155 diese Ausstellung zu besichtigen. Darüber hinaus gilt aktuell die G-Regelung.  

Redaktion
Celler Presse






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