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Jobcenter fördert Beschäftigungsverhältnisse für Langzeitarbeitslose: Eine Chance für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

CELLE. Seit zweieinhalb Jahren gibt es das Instrument der Teilhabe am Arbeitsmarkt, das Langzeitarbeitslose mit Hilfe einer finanziellen Lohnkostenförderung des Arbeitgebers sowie eines berufsbegleitenden Coachings in die Arbeitswelt eingliedern soll. Das Jobcenter im Landkreis Celle übernimmt in den ersten zwei Jahren die Lohnkosten. Rund 400 Beschäftigungsverhältnisse für Langzeitarbeitslose konnten so in der Zeit im Landkreis Celle geschaffen werden. Die Samtgemeinde Wathlingen hat im Rahmen des Förderprogramms gleich 14 Langzeitarbeitslose eingestellt. Eine große Chance für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

vlnr.: Thomas Klemmer, Arbeitsvermittler im Jobcenter im Landkreis Celle; Sylke Schwanhold, Geschäftsführerin Jobcenter im Landkreis Celle; Patrick Toulouse, Teilnehmer; Hans-Georg Schmalz, Teilnehmer; Wolfgang Grube, Samtgemeindebürgermeister der Samtgemeinde Wathlingen, Claudia Sommer, Samtgemeindebürgermeisterin der Samtgemeinde Wathlingen ab 1.November

Ich fühle mich endlich gebraucht und habe mein Leben nun auch wieder im Griff,“ erzählt Patrick Toulouse. Der 56-jährige sitzt in seinem Büro als Angestellter in der EDV-Abteilung der Samtgemeinde Wathlingen. Dass er das einmal sagen kann, hätte er bis vor kurzem kaum für möglich gehalten. Durch einen Schicksalsschlag war er nicht mehr in der Lage, seinen Lebensunterhalt als selbstständiger Unternehmer zu sichern. Sechs Jahre war er arbeitslos. Dann kam die Hilfe durch das Jobcenter im Landkreis Celle: Mit der Förderung „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ bekommen Langzeitarbeitslose wie Toulouse eine neue Chance. „Bis vor kurzem stand ich noch auf der anderen Seite dieser Fensterscheibe hier. Es ist mein Traumjob und ehrlich gesagt kann ich mein Glück immer noch nicht fassen,“ erzählt er. Toulouse ist einer von 14 Arbeitnehmern, die in der Samtgemeinde Wathlingen über diesen Weg angestellt worden sind.

Seit 2019 gibt es die Fördermöglichkeit durch das Teilhabechancengesetz. Sylke Schwanhold, Geschäftsführerin des Jobcenters im Landkreis Celle, zieht ein positives Fazit: „Wir haben das dafür vom Bund zur Verfügung gestellte zusätzliche Geld vollständig in die Schaffung von Beschäftigungsverhältnissen für rund 400 Langzeitbeziehende im gesamten Landkreis Celle investiert, weil wir da auch einfach die Chancen gesehen haben. Die Betroffenen stehen erstmals seit Jahren in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis und fühlen sich wieder gebraucht,“ so Schwanhold. Mit der Zahl der Förderfälle nehme das Jobcenter im Landkreis Celle niedersachsenweit einen Spitzenplatz ein.

Hinter dem Teilhabechancengesetz steht eine Förderung für Langzeitarbeitslose, die bis zu fünf Jahren möglich ist. Dabei werden die Lohnkosten in den ersten zwei Jahren komplett übernommen, die Förderung reduziert sich im dritten Jahr auf 90 Prozent der Lohnkosten, im vierten auf 80 Prozent und dann auf 70 Prozent. „Wünschenswert ist natürlich eine Übernahme in ein Dauerarbeitsverhältnis oder die Vermittlung in ein anderes Beschäftigungsverhältnis, um eine dauerhafte soziale Teilhabe zu gewährleisten“, erklärt Schwanhold. Gefördert werden können alle Langzeitarbeitslosen, die in den vergangenen sieben Jahren mindestens sechs Jahre lang Leistungen des Jobcenters bezogen haben.

„Für die Samtgemeinde Wathlingen ist das eine „Win-Win-Situation“, sagt Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Grube. „Wir haben das Glück, Menschen eine neue Chance zu geben – das ist ein großes Gut. Und wir profitieren davon, weil wir Arbeitskräfte für Maßnahmen gewinnen – und damit Angebote für die Bürgerinnen und Bürger schaffen, die wir uns sonst nicht leisten können“, so Grube weiter. Er verweist dabei auf den neuen Wertstoffhof der Samtgemeinde in Wathlingen. Der noch amtierende Samtgemeindebürgermeister hat das Förderprogramm in seiner Amtszeit besonders unterstützt. Ab November übernimmt Claudia Sommer das Amt der Samtgemeindebürgermeisterin der Samtgemeinde Wathlingen. Die 45- jährige ist selbst langjährig als Führungskraft in der Bundesagentur für Arbeit tätig gewesen und weiß deshalb aus erster Hand, welche sozialen und persönlichen Folgen Langzeitarbeitslosigkeit nach sich ziehen können. „Das Teilhabechancengesetz ist eine große Chance für Langzeitleistungsbeziehende. Mit Blick in die Zukunft ist es mir wichtig, auch weiterhin diese und ähnliche Programme in meiner neuen Rolle hier in der Samtgemeinde Wathlingen zu unterstützen“, erklärt Sommer. 

Die Arbeit mit Menschen, die lange Zeit keiner festen sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit nachgehen konnten, sei aber auch herausfordernd. „Es ist auch ein Stück Sozialarbeit erforderlich, das muss ich ganz klar sagen. Da muss man als verantwortlicher Arbeitgeber hin und wieder Geduld haben. Aber es lohnt sich!“, erklärt Wolfgang Grube. Häufig benötigen die geförderten Arbeitskräfte nach jahrelanger Arbeitslosigkeit Hilfestellungen im neuen Alltag. Deshalb unterstützt das Jobcenter im Landkreis Celle zusätzlich mit einem berufsbegleitenden Coaching, das Arbeitgeber und Arbeitnehmer von Beginn an zur Seite steht. „Mit dem Coaching wollen wir die Beschäftigung stärken und vor allem sichern. Inhaltlich geht es dabei häufig um Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Alltagssorgen, Ängste, finanzielle oder aber gesundheitliche Probleme. Und wir können Qualifizierung fördern“, erklärt Sylke Schwanhold, Geschäftsführerin des Jobcenters im Landkreis Celle.

Hans-Georg Schmalz kommt selbst aus Wathlingen und ist Teilnehmer der ersten Stunde. Mit Beginn des Teilhabechancengesetzes vor rund zweieinhalb Jahren bekam der ehemalige Langzeitarbeitslose eine Anstellung im Umwelt- und Naturerlebniszentrum der Samtgemeinde Wathlingen (Naturkontaktstation). „Ich bin jeden Tag einfach nur dankbar“, erzählt der 49-jährige. Den Weg raus aus der Arbeitslosigkeit hätte er alleine vermutlich nicht geschafft. „Ich habe damals so viele Bewerbungen geschrieben und immer nur Absagen erhalten. Irgendwann vergräbt man sich nur noch in der Wohnung und hat keinen Antrieb mehr,“ so Schmalz weiter. Doch das ist Vergangenheit. „Heute komme ich zur Arbeit, bin Teil eines Teams und gehöre einfach dazu. Ein großartiges Gefühl.“

PR
Foto: Inga Haarstrick






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