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VCD: „Sicherheit für Radfahrende wird durch fehlertolerante Infrastruktur gefördert – nicht durch Helme“

  • Celle

Die Sicherheit von Radfahrenden könne nicht nur seitens der Radfahrenden verbessert werden. Die Ansicht des Polizeipräsidenten, dass sich unvernünftige Radfahrende besser schützen sollten, zum Beispiel durch Helme, sei natürlich nicht falsch. Das Sicherheitsempfinden auf dem Fahrrad werde jedoch nicht durch einen Helm besser. Eine sicherere Infrastruktur und eine aktive Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmenden auf Schwächere (auch vom Sattel aus) helfe unserer Gesellschaft weiter. Letztlich sei eines sehr erstaunlich: „Da wird sehr viel rote Farbe für viel Gutes kosteneffektiv auf Celles Straßen gebracht. Dennoch kommt es zu keiner Verbesserung der Sicherheit von Radfahrenden in den jährlichen Verkehrsstatistiken.“ Soweit die Lagebeurteilung durch den VCD.

Andreas Lechner vom VCD Celle weiß: „Ein Helm hilft dem Selbstschutz beim Unfall. Das eigentliche Problem ist häufig jedoch eine Infrastruktur, die keine Fehler vergibt. So raten Leitfäden von Expertengremien inzwischen von Radwegen in Mittellage ab. Das Bundesverkehrsministerium rät davon ab, Abbiegetaschen ohne baulichen Schutz auf die Kreuzung zu malen. Der Fahrradaktionsplan der Stadt Celle empfiehlt explizit an der abknickenden Vorfahrtfahrradstraße von Wittinger Straße zur Pfennigbrücke ein Auframpen der Fahrradstrecke. Es gibt gute Empfehlungen, was man tun kann für Sicherheit von Radfahrenden.“

Lechner sieht in Celle eine verzerrtes Verständnis zum Thema Sicherheit im Radverkehr. „Man sollte Menschen selbstverständlich aufklären und bei Regelverstoß belangen – egal ob auf dem Rad oder im Auto. Die Sicherheit von Radfahrenden ist jedoch bei weitem nicht rein selbstbestimmt. Man kann deren Sicherheit auch durch Hinweise auf neue Regeln steigern. Viele Menschen wissen gar nicht, dass man nur im Ausnahmefall das Auto auf dem Schutzstreifen bewegen darf. Parken und Halten darf man dort schon gar nicht. Der Mindestsicherheitsabstand lässt sich auch ganz einfach einhalten: Indem man zum Überholen mit dem Auto die Fahrspur komplett wechselt. Wenn das nicht geht, reicht der Platz nicht aus und man sollte hinterherfahren.“

In Celler Medien werde von der Polizei nahezu ausschließlich über Radfahrende berichtet, die Fehler begehen. Der VCD regt eine Aufklärungskampagne an, die für ein besseres Miteinander in alle Richtungen funktioniert. „Mal ein Hinweis, dass man auf der Pfennigbrücke definitiv im Schritttempo radeln sollte. Dann ein Hinweis, dass man Fahrräder nicht zwingend überholen muss. Zumal für Kfz zwischen 22 und 25 km/h die höchste Verkehrsdichte erreicht wird, was auch recht genau der effektiv erreichten Reisegeschwindigkeit im Stadtbereich entspricht. Wir müssen mehr Lösungen aufzeigen, Konflikte entschärfen und mehr Menschen Mut machen, öfter auf das Fahrrad zu wechseln – sonst wird es nichts mit unseren Klimazielen, ob mit oder ohne Verkehrssektor.“

Eine Anregung hat der VCD Celle noch für Polizei, Stadtplanerinnen und -planer und auch die städtische AG Fahr Rad: „Wir empfehlen, die vor Jahren abgeschaffte Celler Fahrradstaffel für den regelmäßigen Perspektivwechsel und auch die Kontaktpflege wieder einzurichten. So entsteht Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse von ungeschützten Verkehrsteilnehmenden. Kontrollen in Fußgängerzonen könnte man begleiten durch die Forderung echter Fahrradstraßen auf Schuh-, Kanzlei- und Bergstraße. Dann kommt auch niemand mehr auf die Idee, mit dem Fahrrad in einer Fußgängerzone zu fahren.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzt Lechner, „Und eine Gefährderansprache von Rad zu Rad oder vom Rad in das Auto hinein soll ganz besonders wirksam sein.“

Martina Sonnenberg-Ackemann
Foto: T. Graf & M. Hütter, Absurdes aus der Verkehrsplanung

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