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BARMER Zahnreport 2023: Von Zahnarztmuffeln, Bildungsstand und Zahnersatz

Die Häufigkeit von Zahnbehandlungen ist bei Erwachsenen sehr ungleich verteilt. Das geht aus dem aktuellen Zahnreport der BARMER hervor. Demnach werden bei den oberen zehn Prozent der erwachsenen Versicherten zwischen 25 und 74 Jahren zum Teil sehr viele Füllungen gelegt. Bei einer durchschnittlichen Patientin oder einem durchschnittlichen Patienten dieser Gruppe waren es innerhalb von zehn Jahren beispielsweise etwa 18 Füllungen. Im obersten Prozent waren es sogar 35 Füllungen. Darüber und über andere Erkenntnisse des Zahnreports haben wir mit Heike Sander, der Landesgeschäftsführerin der BARMER in Niedersachsen und Bremen, gesprochen. 

Woher stammen denn die Zahlen in Ihren Zahnreport, Frau Sander?
Für den Zahnreport wurden auf Basis von Abrechnungsdaten erstmals über ein Jahrzehnt hinweg lückenlos Behandlungsverläufe von etwa 2,7 Millionen Versicherten der Altersgruppen 25 bis 34 Jahre, 45 bis 54 Jahre und 65 bis 74 Jahre analysiert. Auf dieser wissenschaftlich abgesicherten Grundlage lassen sich künftig präzisere Präventionsmaßnahmen als bislang entwickeln, um dauerhaft eine möglichst nachhaltige Versorgung sicherstellen.

Was ist Ihre erste Erkenntnis aus dieser Datenvielfalt?
Der Zahnreport zeigt auf, dass die individuelle Mundgesundheit in Deutschland im Langzeitverlauf sehr heterogen ist. Denn die obersten zehn Prozent der Versicherten weisen einen hohen zahnmedizinischen Therapiebedarf auf. Damit Prävention und Prophylaxe dort wirken können, müssen diese an den individuellen Bedarf angepasst sein. Zwar ist die Mundgesundheit der Menschen in Summe gut, zugleich aber sollten die Verbesserungspotenziale in der Vorsorge für die etwa zehn Prozent der Patientinnen und Patienten mit der höchsten Krankheitslast und einem kontinuierlichen Therapiebedarf stärker ausgeschöpft werden. Das könnte zahnärztliche Eingriffe vermeiden und zugleich den Wirtschaftlichkeitsaspekt in der Versorgung stärken

Wie sieht es denn in Niedersachsen mit der Zahngesundheit aus?
Versicherte gehen hierzulande weniger zum Zahnarzt als im Bundesvergleich. Sind die Menschen hierzulande also Zahnarztmuffel? Auf jeden Fall gehen sie seltener zum Zahnarzt als der Durchschnittsdeutsche: Im Jahr 2021 waren nur 67,5 Prozent der BARMER Versicherten im Land mindestens einmal in der Zahnarztpraxis. Bundesweit lag die Quote bei 69,6 Prozent. Das heißt, 32,5 Prozent der Niedersachsen waren überhaupt nicht beim Zahnarzt. Damit liegen die Versicherten in Niedersachsen nur auf Platz Elf unter den Bundesländern bei der Inanspruchnahme von Zahnarztleistungen. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen deutlich. Lediglich 63,2 Prozent der Männer in Niedersachsen haben mindestens eine vertragszahnärztliche Leistung in Anspruch genommen. Mit einem Anteilswert von 71,6 Prozent haben dagegen deutlich mehr Frauen eine solche Leistung beansprucht. Eine bedeutende Rolle dürfte das nachweislich höhere Gesundheitsbewusstsein von Frauen spielen.

Was kann man gegen die Angst vor dem Zahnarzt oder der Zahnärztin machen?
Besonders gerne geht vermutlich niemand zum Zahnarzt. Bei manchen könne die Angst allerdings so groß werden, dass sie lieber Schmerzen in Kauf nähmen und ernste Erkrankungen riskierten, als sich einem Routine-Check oder gar einer Behandlung zu unterziehen. Laien nennen es einfach Angst vor dem Zahnarzt, Experten sprechen von einer sogenannten Dentalphobie. Und die ist gar nicht so selten. Laut Deutscher Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie leiden in Deutschland rund fünf Millionen Menschen unter einer solchen Angststörung. Doch Menschen mit Dentalphobie kann mit speziellen Entspannungstechniken geholfen werden. Zahnärzte, die sich auf Patienten mit einer Dentalphobie spezialisiert haben, setzen beispielsweise auch auf alternative Ansätze wie beruhigende Musik, angenehme Aromen wie Lavendel- oder Orangenduft, aber auch Akupunktur oder Hypnose. Bewährt hätte sich auch das Erlernen einer Entspannungstechnik wie beispielsweise Autogenes Training. Mit ein wenig Übung lässt sich das auch im Behandlungsstuhl gut anwenden.  

Gibt es noch eine Erkenntnis aus dem Zahnreport, die Sie bewegt?
Ja, Zahnersatz und Bildung hängen offensichtlich zusammen. Dem Zahnreport zufolge besteht ein Zusammenhang zwischen Bildungsstand und der besonders häufigen Versorgung mit Zahnersatz. Je höher der Ausbildungsgrad der Betroffenen, desto seltener benötigen sie viel Zahnersatz. So gibt es unter Versicherten mit Diplom oder Magister-Abschluss im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt rund 35 Prozent weniger Personen mit hoher Inanspruchnahme von Zahnersatz. Das weist auf deutlich weniger ausgeprägte Gebissschäden hin. Der Zahnreport belegt eindrücklich, dass solche Faktoren bei der Analyse und Planung prophylaktischer und therapeutischer Leistungen berücksichtigt werden sollten.

 Vielen Dank für das Gespräch, Frau Sander.

PR