Nordwall-Hotel entsteht ohne „allerland“
Vor genau zwei Jahren wurden die Pläne für die Bebauung des Nordwalls nach dem Abriss der Kultkneipe „Rio’s“ sowie der historischen MTV-Halle von Vertretern der „allerland“ vorgestellt. Seitdem tat sich mit der fristlosen Kündigung des Geschäftsführers Manfred Lork zwar etwas bei der seinerzeit federführenden stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft „allerland“, aber nichts auf dem Gelände am Rande der Altstadt. Nun steht fest: Sowohl der damals präsentierte Hotelneubau für die Kette B&B als auch die Wohnhäuser auf dem ehemaligen Standort der geschichtsträchtigen Sporthalle werden errichtet.


„Nordwall West wird samt Planung an einen Investor veräußert, der Hotelbau wird umgesetzt, aber nicht von der ‚allerland‘“, schreibt Interims-Geschäftsführer Thomas Edathy auf CP-Anfrage und ergänzt: „Für den Nordwall Ost ist öffentlich geförderter Wohnungsbau (52 Einheiten) vorgesehen. Wann die Planung umgesetzt wird, lässt sich momentan nicht zuverlässig sagen.“ Die Errichtung des Bed- and Breakfast-Hotels war im Oktober 2021 sowohl bei der Kommunalpolitik als auch in der Stadtgesellschaft auf Kritik gestoßen. „Ich bin erschlagen“, kommentierte z.B. der Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Dr. Udo Hörstmann damals während der Ratssitzung. „Kein Mensch verlangt, dass Sie die Altstadt imitieren, aber das hier erschlägt alles, was außen rum ist“, empörte sich Ratsmitglied und Galerist Dr. Walter Jochim (CDU). „Das ist total daneben, von Kreativität und Innovation keine Spur“, kritisierte der Autor des Buches „architekturMEILE“ und Kulturpreisträger Dietrich Klatt. Der Argumentation des damals verantwortlichen Stadtbaurates Ulrich Kinder, wonach an dieser exponierten Stelle etwas „Kräftiges, Attraktives, das der gegenüberliegenden Rathsmühle etwas entgegensetze, entstehen müsse“, folgte Klatt nicht: „Die Rathsmühle hat einen ganz anderen Charakter, sie fällt optisch nicht ins Gewicht, sie spielt als Referenz für die Neubebauung überhaupt keine Rolle. Ein Blickfang wird das Hotel werden, aber im negativen Sinne, ein sogenannter bad new eye catcher.“
Wie sich nun zeigt, blieben die Einwände ohne Wirkung. Das Hotel sei genehmigt, heißt es aus dem Umfeld des Neuen Rathauses. Anstoß nahmen Kritiker auch an den fünf Geschossen, die der Entwurf präsentierte, bezweifelte, ob diese erlaubt seien. „Gemäß Bebauungsplan Nr. 142 ‚Stadtquartier Schuhstraße/Nordwall sind fünf Geschosse (vier Geschosse nebst Staffelgeschoss) zulässig. Bauordnungsrechtliche Abstandsregelungen führen möglicherweise zu einer geringeren Höhe“, antwortet Stadtbaurätin Elena Kuhls auf eine entsprechende CP-Anfrage.
Am Nordwall West wird die „allerland“ also nicht aktiv, auf der Allerinsel gehört sie jedoch wieder zu den Akteuren für das „Quartier an der Alleraue“ nördlich der Hafenstraße zwischen der Firma „Conmetall“ und dem Schützenhaus, nachdem sie zunächst zurückgezogen hatte. Ein sogenannter Riegel wird den Schützenplatz zur Hafenstraße begrenzen. „Die Planung für Riegelbau Kita und Bürogebäude bleibt bestehen, wird von der ‚allerland‘ umgesetzt. Die Fertigstellung ist für Mitte 2025 geplant“, schreibt Thomas Edathy auf CP-Anfrage. Der Nutzungsschwerpunkt sollte nach den im Mai des vergangenen Jahres im Neuen Rathaus vorgestellten Plänen auf Wohnbebauung liegen, ob es dabei bleibt, lässt Interims-Geschäftsführer Thomas Edathy offen, weist jedoch vor dem Hintergrund weiterer Unternehmen, die ihren Zuschlag für die Errichtung des Quartiers zurückgegeben haben, darauf hin: „Die Entwicklung der anliegenden Wettbewerbslose wird von der Stadt Celle weiter betrieben.“
Anke Schlicht
Celler Presse
Fotos: Peter Müller
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