Mit dem Mobilen Pool die Scheu vor dem Wasser verlieren
Noch kann Luca nicht schwimmen, aber eine kleine Vorbereitungseinheit hat er soeben erfolgreich absolviert. „Das hat Spaß gemacht“, sagt der Achtjährige, nachdem er dem Mobilen Pool entstiegen ist. Schwimmlehrer Sebastian Kall hat mit ihm und acht weiteren Kindern auf dem „Saarfeld“ des MTV Eintracht Celle spielerisch trainiert. „Die Angst vorm Wasser soll genommen werden, wir gleiten, schweben und tauchen. Zunächst überprüfe ich, ob die Kinder reagieren, wenn sie Wasser ins Gesicht bekommen“, erläutert das langjährige Vereinsmitglied. Zu vermitteln, dass Wasser gefährlich sein kann, werde nicht ausgespart.


Aktuell tourt der Mobile Pool des Landesschwimmverbandes Niedersachsen e.V. durch ganz Niedersachsen. „Wir sind mit die ersten, die Verantwortlichen schauen im Moment nach Celle“, sagt der Vorstandsvorsitzende des MTV Eintracht Celle Torben Schiewe. Ziel des Projektes ist es, den Mangel an Wasserflächen für die Schwimmausbildung von Kindern zu kompensieren. Vier Wochen macht der 1,20 Meter tiefe, überdachte Mobile Pool Station in der Herzogstadt. Mädchen und Jungen von 5 bis 10 Jahren dürfen mitmachen.
Fördergelder von Seiten des Landes stehen zur Verfügung, dennoch ist die Maßnahme für den Verein teuer, allein die Aufstellungskosten betragen 4.500 Euro, pro Woche fordert der Landesschwimmverband eine Pauschale in Höhe von 250 Euro, hinzu kommen Strom und Gebühren für die tägliche Wasserprüfung. „Wir brauchten also Partner“, berichtet Schiewe, „und fanden sie in den Stadtwerken Celle“. „Ohne auch nur einen Moment zu zögern, haben sie sofort zugesagt“, ergänzt Geschäftsführerin Sara Radke. Der Leiter der Bäderbetriebe „Celler Badeland“, Matthias Gaupp, sagt warum: „Wir begrüßen dieses Projekt sehr, für uns ist das überhaupt keine Konkurrenz. Unsere Kapazitäten sind durch 16 Grundschulen aus Stadt und Landkreis Celle sowie fünf Sportvereine morgens und nachmittags ausgebucht.“ Probleme beim Erlernen des Schwimmens ergäben sich, wenn Kinder nicht an Wasser herangeführt wurden, was zunehmend der Fall sei. „Manche Erwachsene können selber nicht schwimmen“, ist eine Erfahrung von Trainer Sebastian Kall. „Zahlreiche Eltern gehen mit der Familie nicht in Schwimmbäder“, sieht Matthias Gaupp als einen Grund, weshalb das Projekt Mobiler Pool sehr wichtig sei. Er betont ausdrücklich: „Die Kinder werden hier nicht zur Schwimmreife geführt, sie machen nicht das Seepferdchen. Sie sollen das Element Wasser kennenlernen, Angst, die gegebenenfalls da ist, soll genommen werden.“
Die Kurse laufen von montags bis freitags, zweimal täglich und sind für die insgesamt 72 Jungen und Mädchen, die teilnehmen, kostenlos. „Auch durch die Unterstützung der Stadtwerke“, sagt der Vorstandsvorsitzende des MTV und fügt hinzu: „Die Mobilen Pools ergänzen, sie sind aber kein Ersatz für Schwimmbäder. Diese Aktion zeigt auch, wie wichtig diese für unsere Gesellschaft sind, sie benötigen mehr Unterstützung“.
Ihr Betrieb ist kostenintensiv. „Das Badeland schreibt drei Mio Verlust im Jahr“, berichtet der Geschäftsführer der Stadtwerke Thomas Edathy. „Von Projekten wie dem Mobilen Pool profitieren wir auch. Dieses zu unterstützen ist für uns selbstverständlich, alles, was dazu beiträgt, dass Kinder das Schwimmen erlernen, ist wichtig.“
Auch für Luca wird es bald soweit sein, seine Eltern holen ihn nach Spiel und Spaß im Mobilen Pool ab. „Die Anmeldung ging schnell und problemlos. Dieses Angebot ist einfach mega“, freut sich auch Lucas‘ Mutter Jessica Bruns.
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht
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