Perle des Celler Kunstlebens – „Abenteuer Archiv“ der Schlotter Stiftung
Was macht ein gutes Aquarellbild aus? Wie definiert sich Aquarellmalerei eigentlich? Ist sie weniger anspruchsvoll als das Malen mit Öl? Nur einige Beispiele für das, was es im jüngsten „Abenteuer Archiv“ der Celler Eberhard Schlotter Stiftung zu lernen bzw. zu erleben gab. Für eine Stunde den Alltag verlassen, sich in den vierten Stock des Neuen Rathauses, wo das Archiv der Stiftung untergebracht ist, begeben und in die Welt der Kunst eintauchen – diese Gelegenheit bieten die Leiterin der Stiftung Dietrun Otten und ihr Mitarbeiter, der Celler Künstler und Kunstpädagoge Reinhold Tautorat, wenn sie einladen zur Veranstaltungsreihe „Abenteuer Archiv“.



Der Raum unter dem Dach des Neuen Rathauses ist klein, die Werke, die als Anschauungsbeispiele für das jeweilige Thema dienen, sind nah. „Dort sitzen und die Bilder auf sich wirken lassen, das allein macht schon einen gewissen Reiz aus“, sagt eine Teilnehmerin nach der Lehr-, Lern- und Gesprächseinheit.
„Eberhard Schlotter hat viel, aber nicht sehr viel aquarelliert“, erläutert die Kunsthistorikerin Otten, „er hat mehr gemalt und gezeichnet.“ Aus allen Schaffensperioden des im Jahr 1921 in Hildesheim geborenen und im Jahr 2014 in Altea/Spanien verstorbenen Künstlers hängen Aquarelle an der Wand. Schon als Kind und Jugendlicher schielte der kleine Eberhard auf das Material seines Vaters, des Bildhauers Heinrich Schlotter. Doch die Aquarellfarben waren tabu, sie waren teuer, und Geld war knapp im Hause Schlotter. Nach dem Motto, Verbote sind dazu da, übertreten zu werden, bediente sich Eberhard dennoch und unternahm erste Schritte in einer Maltechnik, die zu den ältesten überhaupt gehört. Illustrationen mit Wasserfarben finden sich bereits in ägyptischen Totenbüchern, die ungefähr 4.000 Jahre alt sind. Der kleine bzw. jugendliche Eberhard hielt fest, was seine Lebenswelt damals ausmachte, z.B. verwinkelte Ecken seiner Wohnumgebung. „Viel zu überladen“, urteilt die Kunsthistorikerin über zwei frühe Werke aus dem Jahr 1937. „Aber mir gefällt das trotzdem“, regt sich Widerspruch aus den Reihen der Teilnehmerinnen, allesamt Frauen.
Aquarellmalerei soll transparent und leicht wirken. „Der Reiz der Aquarelltechnik liegt in ihrer starken Lasurfähigkeit“, referiert Reinhold Tautorat. „Jeder, der sich einmal ernsthaft mit Wasserfarben auseinandergesetzt hat, wird bestätigen: ‚Aquarell ist eine komplizierte und anspruchsvolle Technik‘“. Von großer Bedeutung ist das verwendete Papier, weist es die Beschaffenheit auf wie feines Schleifpapier, können die Wasserfarben nicht verlaufen. Die satinierte Variante bringt die Farben zum Leuchten. Möchte man die Technik meisterhaft anwenden, braucht es Kenntnisse über Licht und Schatten. Das Papier übernimmt die Rolle des Lichtes, Weiß wird als Farbe nicht benutzt, soll eine Stelle hell sein, wird sie ausgespart, das Papier scheint durch.
Dietrun Otten zeigt ein Anschauungsbeispiel: „Dieses ist ein Reiseaquarell, das Schlotter in Peru angefertigt hat.“ Eine indigene Frau trägt ein kleines Kind mit einem weißen Hut auf dem Rücken. Die Kopfbedeckung ist nicht ausgemalt, in diesem Punkt hat Schlotter die Regeln eingehalten. Aber darüber hinaus, dient das Werk aus dem Jahr 1989 als Muster, was man alles falsch machen kann: „Das ist ein schlechtes, ein zerstörtes Bild, er hat es beschnitten, der Ausschnitt ist falsch, ein Großteil der Fläche ist leer, für den Betrachter ist das Motiv schwer zu lesen“, referiert die Fachfrau, um gleich im Anschluss eine Arbeit, die im Jahr 1978 auf der spanischen Insel Tabarca entstand, vorzustellen: Meer, Himmel, ein leerer Stuhl. „So ein Bild ist schon ein Meisterwerk“, sagt Dietrun Otten und vermittelt durch den Kontrast von überaus gelungen und gar nicht gelungen eine Idee vom Wesen der Aquarelltechnik.
Vieles gäbe es noch zu besprechen und zu erläutern, doch eine Stunde geht schnell vorüber, die nächste Gruppe wartet schon auf „Abenteuer Archiv“, eine Perle des Celler Kunstlebens – lehrreich, spannend, unterhaltsam.
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht
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