Sonntag, 7. Dezember 2025

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„Naturparadies hinter Schranken“ – Spannende Busfahrt über den Truppenübungsplatz Bergen

In der vergangenen Woche starteten über 50 interessierte Mitglieder und Gäste des SoVD Ortsverbandes Nienhagen zu einer Busfahrt über den Nato-Truppenübungsplatz Bergen-Hohne. Die Fahrt war auf Anregung des Busunternehmens Reichmeister und Dank der Genehmigung durch die Kommandantur Bergen zustande gekommen.

Im Truppenlager Hörsten warteten bereits Hinrich Baumann, der ehemalige Bezirksvorsteher des gemeindefreien Bezirks Osterheide, und Fotograf Cord Willenbockel, auf die Gruppe. Begleitet wurde der Bus von einem Fahrzeug der Kommandantur. Bereits auf dem Weg zur Schießbahn 1 A gab es viele Informationen. Hinrich Baumann referierte über die bewegte Geschichte des 27.000 ha großen Areals. „Geschichte pur wird es auf allen Stationen geben“, so Baumann und versprach damit nicht zu viel. Er kennt wie kein anderer die Geschichte der Heidmark und des Truppenübungsplatzes. 24 Dörfer und Einzelsiedlungen, an die Schilder an den Straßen erinnern, wurden für den Platz aufgegeben und mit ihnen fast 4000 Einwohner trotz aller Proteste umgesiedelt.  

Vorbei am, von der britischen Armee errichteten und jetzt privaten, Golfplatz und der Niedersachsen-Kaserne ging es zum Gut Hoppenstedt. Von dem Gut, bis 1936 im Besitz der Familie Refardt, blieb bei Übernahme durch die Wehrmacht nur das Herrenhaus mit einem wunderschön angelegten Park erhalten. Das als Dienstsitz für den Truppenplatz-kommandanten genutzte Herrenhaus steht seit dem Abzug der britischen Armee 2015 leer. Weiter ging es durch Hasselhorst. Viele der Gebäude, von denen einige sehr schön restauriert sind, werden heute von den übenden Truppen genutzt. Im weiteren Verlauf der Fahrt erfuhr man noch mehr Wissenswertes über Entstehung und Geschichte des Platzes von Hinrich Baumann.

Auf der Schießbahn 1 A wurde der erste Stopp eingelegt. Von der Plattform der Schießbahn hatten die Teilnehmer eine tolle Aussicht in das weite Areal des Übungsplatzes und über die hügelige Landschaft. Die Sichtweite reicht bei sehr gutem Wetter sogar bis nach Herrenhausen. Bei der Weiterfahrt über eine uralte Allee erinnerte Hinrich Baumann an die verlorenen Dörfer und Höfe wie Hohnerode und Manhorn, von denen an einigen Stellen noch alte Obstgärten existieren, die auch heute noch erhalten und gepflegt werden. Durch die wunderschöne Heidelandschaft bei Sandtannen ging es weiter. 2/3 des Platzes ist Forstfläche, erläuterte Hinrich Baumann zur Überraschung vieler, denn eigentlich hatte man eher Ödland erwartet. Der Platz ist Naturschutzgebiet. Es müssen viele der Gras- und Heideflächen gemäht und auch entkusselt werden – dieses natürlich in Blindgänger-verseuchtem Gebiet. Die Traktoren, die dort genutzt werden sind gepanzert, damit den Arbeitern nichts passiert. Auf dem Platz gibt es zudem 350 km befestigte Straßen und 3.000 km Wegeflächen.

Der nächste Stopp wurde bei den Siebensteinhäusern eingelegt. Diese befinden sich etwa in der Mitte des Platzes. Das 1923 unter Schutz gestellte Kulturdenkmal ist eine eindrucksvolle Gruppe von Großsteingräbern, die rund 2500 v. Chr. erbaut wurde. Staunend stand die Gruppe vor den riesigen Findlingen und Steinplatten, kaum vorstellbar, wie die Menschen damals so etwas geschafft haben. Im Gegensatz zu dem Namen handelt es sich aber nicht um sieben, sondern um fünf Großsteingräber. Um die Gräber herum wurden Schutzwälle errichtet, um sie vor Granateinschlägen zu bewahren, erklärte Hinrich Baumann. Nach Besichtigung der „Sieben Steinhäuser“ gab es in der Kantine des Lagers Ostenholz eine hervorragende Erbsensuppe.

Danach stand der Besuch der meisterhaft restaurierten Kirche zu Ostenholz von 1724 mit dem Erinnerungsstein auf dem Programm. Die kleine Kirche im Fachwerkstil wurde in den Jahrzehnten vielfältig genutzt und hatte immer wieder andere Eigentümer, bis sie wieder in Besitz der Landeskirche Hannover kam. Hinrich Baumann informierte aber nicht nur über die Inneneinrichtung im Bauernbarock und die wechselvolle Kirchengeschichte, sondern auch über den Widerstand der Bevölkerung gegen die Absichten der Errichtung des Truppenübungsplatzes und die Umsiedelung. Von hier aus ging es ins Ostenholzer Moor zum Schafmoorsee. Dieser entstand Ende der 60er Jahre, als Sand für die Erstellung weiterer Schießbahnen benötigt wurde, erklärte Hinrich Baumann. Der See ist 8 ha groß und in der Mitte 8 m tief. Mit seinem eiskalten und klaren Wasser ist der See ein wahres Natur-, aber auch Angelparadies und wird bei Moor- und Waldbränden für die Löschwasserentnahme genutzt, so Baumann. Alle waren begeistert von dieser wunderschönen, naturbelassenen Landschaft und wären gerne noch länger geblieben.

Auf der Weiterfahrt wurden dann sogar Kraniche gesichtet. Das Ostenholzer Moor ist ein bedeutender Brut- und Rastplatz für Kraniche. Durch eine vielfältige Landschaft mit Heideflächen und blühender Heide, Feuchtgebieten und Biotopen wie auch kleinen Wäldern ging es weiter. Das letzte Ziel war das ehemalige Schloss Bredebeck, eines der schönsten Gebäude auf dem Truppenübungsplatz. Seit 1936 ist Schloss Bredebeck vom Militär genutzt worden. Erst residierte dort die Wehrmacht, nach dem Krieg die Briten, seit 2015 steht das historische Gebäude leer. Hier erwartete die Teilnehmer eine große Überraschung und das Highlight des Tages: eigentlich ist das Schlossgelände nicht zugänglich, aber an diesem Tag war es möglich, bis direkt zum Schloss zu kommen. Vor dem Schloss, am Wasserbassin, gab Hinrich Baumann den Teilnehmern einen Einblick, wie die britischen Offiziere gelebt haben. Unklar sei, wie das imposante Gebäude künftig genutzt werden solle, so Baumann.

Nach diesem Erlebnis ging es zurück zum Truppenlager Hörsten, wo die Fahrt über den Truppenübungsplatz endete. Die Teilnehmer waren sich einige: sie haben einen sehr interessanten Tag erlebt, der viele unbekannte Seiten und Geschichten des Truppenübungsplatzes gezeigt hat. Herr Baumann hat mit seinem Wissen und Kenntnis viel Neues vermittelt und den einen oder anderen zum Nachdenken gebracht. Beim abschließenden Kaffeetrinken mit Apfelkuchen in Offen wurde sich noch über das Gesehen und Gehörte ausgetauscht, bevor die Heimfahrt angetreten wurde.

PR
Fotos: Annette Kesselhut und Gisela Janßen

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