Montag, 9. März 2026

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Baut und betreibt DLRG Celle ein neues Lehrschwimmbecken?

Braucht Celle ein neues Lehrschwimmbecken? So lautet die grundsätzliche Frage im Nachgang zu einem Antrag der FDP, der genau dieses fordert: „Die Errichtung eines Lehrschwimmbeckens für alle Grundschulen in Celle wird im Rahmen des Schulentwicklungsplanes als Leuchtturmprojekt dienen und die Attraktivität der Stadt Celle als Bildungs- und Wohnstandort zusätzlich stärken“, heißt es in dem Schreiben aus dem November 2025, 100.000 Euro sollen nach den Wünschen der Liberalen als Vorplanungskosten in den Haushalt 2026/2027 eingestellt werden. Doch diskutiert wurde sowohl im jüngsten Finanzausschuss als auch in der Ratssitzung eher über die Vorgehensweise bei der Antragstellung: „Keiner hat mit den Stadtwerken gesprochen, Sie nehmen die vorhandene Kernkompetenz nicht in Anspruch!“, echauffierte sich Juliane Schrader (Grüne) als Ratsfrau und Mitglied des Aufsichtsrates der Stadtwerke. In der Tat hat die FDP-Fraktion nach eigener Aussage im Vorfeld ausschließlich mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Celle, gesprochen, und diese sieht Bedarf. „Die Wartelisten bei der Ortsgruppe der DLRG sind lang“, begründet Ratsmitglied Björn Espe den Antrag der Liberalen.

Das Problem, dass die Schwimmkompetenz von Grundschülern als besorgniserregend einzustufen ist, erstreckt sich auf Landes- und Bundesebene. Einer DLRG-Studie aus dem Jahr 2022 zufolge sind bundesweit 58 Prozent der Mädchen und Jungen nach Verlassen der Grundschule keine sicheren Schwimmer.

Alle Grundschulen kommen im Badeland unter

„Von einer Klasse kann ein Drittel schwimmen, ein weiteres hat Vorkenntnisse, der Rest fängt bei null an“, beurteilt Eddy Lehne, der seit rund 15 Jahren eine Schwimm-Schule in Celle betreibt und eng mit den Grundschulen zusammenarbeitet, die Celler Situation und verweist darauf, dass in den vergangenen Jahrzehnten zwei vorhandene Becken, eines an der Realschule Westercelle und eines bei den Berufsbildenden Schulen in Altenhagen, aufgegeben wurden. Lehne unterrichtet auch Erwachsene und nutzt mittlerweile das Bad der Heimvolkshochschule Hustedt. „Für meine Begriffe wäre es sinnvoll, wenn wir eine Ausweichmöglichkeit hätten.“ Auch der Celler Schwimm-Club (CSC) bildet aus, Vorstandsmitglied Andreas Grossmann schreibt: „Grundsätzlich stimme ich der Notwendigkeit eines Lehrschwimmbeckens zu. Jedoch ist dieses unter den derzeitigen und zukünftigen Umständen der Wasserflächen-Verfügbarkeit in Celle für die schwimmerische Ausbildung und den Schwimmsport bei weitem zu kurz gedacht und kann lediglich einen kleinen Ausbildungsbedarf decken.“

Das Schwergewicht des Schwimmunterrichts für Grundschüler liegt im Celler Badeland, das von den Stadtwerken betrieben wird. Deren Leiter Thomas Edathy teilt auf CP-Anfrage mit: „Alle Grundschulen in Celle sowie noch zwei bis drei weitere Grundschulen aus dem Landkreis Celle kommen im Celler Badeland unter und erhalten Schwimmunterricht. Auch für die Schulen, die weiter entfernt sind und nicht regelmäßig zum Badeland fahren können, haben wir eine Alternative: Für die zwei Grundschulen Klein Hehlen und Garßen ist der regelmäßige Aufwand, also die Fahrt zum Schwimmbad, zu groß, so dass wir für diese eine Schwimmausbildung nach einem anderen Konzept durchführen. In einer Projektwoche, einmal pro Jahr, kommt die gesamte Schule mit der DLRG zur Schwimmausbildung. Das klappt also auch.“ Nach Ansicht von Matthias Gaupp, Leiter des Badelandes, und Thomas Edathy „liegt der Engpass nicht an fehlenden Schwimmbecken“. Die Situation in Celle sei im bundesweiten bzw. niedersächsischem Vergleich eher gut.

Oberbürgermeister seit Langem mit DLRG im Gespräch

Hört man den Statements von Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge in den politischen Gremien zu, stellt sich die Frage, ob der FDP-Antrag den Stein überhaupt ins Rollen gebracht hat. „Wir sind seit drei bis vier Jahren mit der DLRG im Gespräch, Grundstücke wurden für sie reserviert. Das Projekt sollte weiter sein. Wenn die DLRG es nicht hinkriegt, dann sprechen wir eben mit den Stadtwerken“, sagt der Verwaltungschef im jüngsten Finanzausschuss. „Davon haben wir in der Sitzung zum ersten Mal gehört“, teilt Björn Espe auf CP-Anfrage mit und fügt hinzu: „Uns ist es letztendlich aber egal, wer das Bad betreibt.“

Worum es genau geht, erläutert der Erste Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe, Stefan Dannenberg: „Wir unterstützen die Idee der FDP, denn wir kämpfen seit langem mit Kapazitätsmängeln. Unser Ausbildungsbedarf ist deutlich höher als die Möglichkeiten. Ein Lehrschwimmbecken wird nicht für die Einsatztaucher- bzw. Strömungsretterausbildung benötigt. Vielmehr ist der Wunsch unserer DLRG Celle, dass ein ganzheitliches Wasserrettungszentrum für verschiedene Ausbildungen entstehen kann. Selbstverständlich wäre ein Lehrschwimmbecken der grundlegende Baustein. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, alles dafür zu tun, dem Ertrinkungstod entgegenzuwirken. Das passiert zuerst mit der kindlichen Anfängerschwimmausbildung.“

Die Schwimmausbildung für die Kleinen dürfte hier also nur eine Funktion von vielen sein.

Thomas Edathy schreibt auf CP-Anfrage: „Die Stadtwerke und das Celler Badeland begrüßen es sehr, wenn die DLRG Celle ein weiteres Lehrschwimmbecken in Celle errichtet und betreibt. Denn ein Lehrschwimmbecken mehr in Celle würde die Schwimmausbildungs-Situation weiter verbessern. Herr Gaupp als Leiter unserer Bäder, Badeland und Freibad Westercelle, steht der DLRG gerne als Berater mit seinem Sach- und Fachverstand zur Verfügung.“

In der jüngsten Ratssitzung wurde dem FDP-Antrag nicht vollumfänglich entsprochen, sondern zunächst einmal lediglich 50.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bewilligt.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Foto: Anke Schlicht

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