Samstag, 10. Oktober 2026

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VW beschließt Sparkurs: Zukunft mehrerer Werke bleibt offen

Nach wochenlangen Auseinandersetzungen über den weiteren Kurs von Volkswagen hat der Aufsichtsrat am gestrigen Donnerstag den Zukunftsplan 2030 einstimmig beschlossen. Damit ist der Konflikt zunächst entschärft, die entscheidende Arbeit an der Zukunft einzelner Standorte beginnt jedoch erst. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) sehen in der Einigung eine Grundlage für die weitere Transformation. Sebastian Lechner, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, fordert dagegen schneller konkrete Antworten für die Beschäftigten und Werke.

Der Aufsichtsrat hatte dem Zukunftsplan am Donnerstag einstimmig zugestimmt. Volkswagen will damit Kosten senken, Strukturen verändern und gleichzeitig in neue Produkte und Technologien investieren. Nach Angaben des Konzerns sollen für die europäischen Werke bis Ende Juni 2027 Konzepte für eine langfristig wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt werden. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sieht Volkswagen derzeit keine gesicherte wettbewerbsfähige Folgebelegung für die Zeit ab 2031 bis 2034. Deshalb sollen auch alternative Verwendungsmöglichkeiten für diese Werke untersucht werden.

Teil des Zukunftsplans ist außerdem eine weitere Anpassung der Beschäftigtenzahl. Volkswagen beziffert den zusätzlichen Abbau konzernweit auf rund 50.000 Stellen einschließlich Managementpositionen. Zugleich soll die Modellpalette bis 2035 um etwa die Hälfte reduziert und die Angebotskomplexität deutlich verringert werden.

Lies sieht gemeinsamen Weg für Volkswagen

Ministerpräsident Olaf Lies, der dem Präsidium und Aufsichtsrat der Volkswagen AG angehört, stellte nach der Sitzung vor allem die erzielte Einigung heraus. Angesichts des internationalen Wettbewerbs sei es notwendig gewesen, die unterschiedlichen Positionen zu einem gemeinsamen Konzept zusammenzuführen.

Von dem Beschluss gingen nach seiner Einschätzung wichtige Signale aus. Volkswagen müsse in seine Zukunftsfähigkeit investieren und gleichzeitig seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Für die Standorte sollen langfristige Perspektiven entwickelt werden – mit neuen Fahrzeugen, sofern dies wirtschaftlich möglich ist, aber auch mit anderen Formen industrieller Wertschöpfung.

Lies machte zugleich deutlich, dass mit der Entscheidung noch keine abschließende Lösung erreicht sei. „Der heutige Beschluss ist dabei der Anfang eines gemeinsamen Weges“, erklärte der Ministerpräsident. Nun seien Tarifpartner, Vorstand und Politik gefordert. Deutschland und Europa müssten aus seiner Sicht zugleich wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und eine entsprechende Handelspolitik gewährleisten.

Hamburg: Werksschließungen konnten verhindert werden

Die stellvertretende Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg bewertet insbesondere als wichtig, dass der Aufsichtsrat keine Schließung von Werken beschlossen hat. Das Ziel bleibe, die Standorte zu sichern und möglichst viele Beschäftigungsverhältnisse zu erhalten.

Für Hamburg ist die Einigung allerdings ebenfalls nur ein Ausgangspunkt. Der Vorstand stehe nun in der Pflicht, konkrete Zukunftslösungen vorzulegen. Dazu gehörten eine nachhaltige Auslastung der europäischen Werke sowie Investitionen in Innovationen und neue Wertschöpfung.

Als weiteres Ergebnis hob Hamburg die Mitbestimmung hervor. Eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw sei nicht beschlossen worden. Niedersachsen werde den weiteren Prozess begleiten. Gleichzeitig sieht Hamburg auch die Bundesregierung in der Verantwortung, geeignete Rahmenbedingungen für die Industrie und einen fairen internationalen Wettbewerb zu schaffen.

CDU sieht weiterhin eine „Hängepartie“

Eine deutlich kritischere Bewertung kommt am heutigen Freitag aus der niedersächsischen CDU. Fraktionsvorsitzender Sebastian Lechner begrüßte zwar, dass eine weitere Eskalation des Konflikts verhindert werden konnte. Für die niedersächsischen Standorte sei damit aus seiner Sicht aber noch zu wenig geklärt.

Lechner verweist insbesondere darauf, dass Entscheidungen über die Zukunft einzelner Werke weiterhin ausstehen. Ebenso fehle Klarheit darüber, wie der angekündigte Stellenabbau konkret umgesetzt werde. Die Beschäftigten seien deshalb nach Ansicht des CDU-Fraktionschefs weiterhin mit erheblichen Unsicherheiten konfrontiert.

Er fordert von der Landesregierung konkrete Antworten für die Zukunft Volkswagens in Niedersachsen. Die CDU-Fraktion wolle sich nach seinen Worten konstruktiv daran beteiligen. „Für uns ist klar: Wir kämpfen hier um jeden Arbeitsplatz und um jeden Standort“, erklärte Lechner.

Börse reagiert zunächst positiv auf die Einigung

An der Börse wurde die Entscheidung am Freitag zunächst positiv aufgenommen. Bei einer aktuellen Abfrage am Vormittag notierte die Volkswagen-Vorzugsaktie auf Xetra bei 80,60 Euro und damit 5,55 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages von 76,36 Euro. Auf anderen Handelsplätzen wurden gegen 11 Uhr Kurse von etwas mehr als 81 Euro angezeigt.

Die Kursbewegung lässt sich als positive erste Marktreaktion auf die Einigung im Aufsichtsrat einordnen. Daraus lässt sich allerdings noch nicht ableiten, wie Anleger den Zukunftsplan langfristig bewerten werden. Bemerkenswert ist vor allem, dass die Aktie unmittelbar nach der Entscheidung deutlich zulegte, obwohl zentrale Fragen zur konkreten Umsetzung des Programms noch offen sind.

Damit treffen nach der Aufsichtsratssitzung zwei Perspektiven aufeinander: Der Konzern und die niedersächsische Landesregierung sehen mit dem Beschluss die Grundlage geschaffen, Volkswagen neu aufzustellen. Gleichzeitig bleiben für die Beschäftigten gerade an den Standorten ohne gesicherte Folgebelegung wesentliche Fragen unbeantwortet. Wie belastbar der gefundene Kompromiss ist, dürfte sich deshalb vor allem daran zeigen, welche konkreten Konzepte Volkswagen nun für seine Werke und Beschäftigten entwickelt.

Hinweis zum Aktienkurs: Den würde ich im Artikel unbedingt mit „Stand Freitagvormittag“ beziehungsweise einer konkreten Uhrzeit versehen. Kurse verändern sich laufend; die 80,60 Euro stammen vom Xetra-Stand um 10.50 Uhr und sind keine Schlussnotierung.

Redaktion
Celler Presse
Foto: ChatGPT