Dienstag, 18. August 2026

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Furioses Finale der Celler Hengstparade

CELLE. Vor ca. 3.300 Zuschauern ging am Sonntag die Hengstparade 2016 im Celler Landgestüt zu Ende. Insgesamt gab es vier Vorstellungen. Am vergangenen Wochenende gab es zwei und an diesem Wochenende wieder zwei. Die Zuschauer honorierten die Abschiedsvorstellung mit anhaltendem Applaus. Während in diesem Jahr die Historie der Pferdezucht in Celle im Mittelpunkt stand – 1735 wurde der Grundstein für das Landgestüt gelegt – kündigte Dr. Axel Brockmann, Leiter des Landgestüts, das Thema für das nächste Jahr an. Im Mittelpunkt wird dann die Rassevielfalt in Niedersachsen  stehen.

Dass der Großvogt von Celle, Gerlach Adolph von Münchhausen am 27. Juli 1735 im Auftrag Georgs II. das Landgestüt in Celle gründete, ist nicht gelogen. Klar, dass beim flüchtigen Zuhören eine Verbindung zu dem legendären Lügenbaron hergestellt wird. Die Verbindung besteht aber nur darin, dass der Lügenbaron ein Neffe des Gründers des Landgestüts ist. In der damaligen Zeit waren Pferde unerlässlich und wurden nicht nur beim Militär eingesetzt, sondern waren auch in der Landwirtschaft unverzichtbar. Eine Nutzung, die auch noch lange in das 20. Jahrhundert hinein stattfand.

Historischen Kutsche erinnerten bei der Hengstparade an die Gründerzeit. In einzelnen Schaubildern präsentierte das Landgestüt die Arbeit, Fuhrwerke und Gespanne der jeweiligen Epoche. Kostümiert ritten und fuhren die Mitarbeiter des Gestüts auf den Paradeplatz. Es wurde zwischen den Pferden in der Landwirtschaft und denen, die beim Militär eingesetzt unterschieden. So wurden im Anschluss Kutschen aus den unterschiedlichen Gewerken präsentiert, unter anderem ein rollender Bäcker, ein Viehtransport oder eine mit Heu beladene Kutsche. Beim Militär wurden sogar Kanonen mit einem Pferdefuhrwerk transportiert.

Geschichtlich wurde das Landgestüt damals von Preußen annektiert. Die Preußen-Quadrille erinnert an die Epoche. Darüber hinaus zeigten Schaubilder wieder die Pferde bei der täglichen Arbeit. Im Gespann vor Fleischerwagen, Milchwagen, einem Schlesischen Korbwagen, einer Feldküche und einem Pferdetransporter.

Die Moderne und einsetzende Industrialisierung machte den Einsatz von Pferden jedoch nicht überflüssig. Dr. Axel Brockmann erinnerte an die 1,4 Millionen Pferde, die allein im I. Weltkrieg eingesetzt wurden. Im 2. Weltkrieg waren es dann 2,8 Millionen Tiere. Die motorisierten Truppen hatten ihre Schwierigkeiten im Gelände, und die Fahrzeuge waren nicht langlebig, was den Einsatz der Pferde unabdingbar machte.

Neben dem Motto und den klassischen Szenenbildern einer Hengstparade gibt es zwischendurch auch immer Gastauftritte. In diesem Jahr war es die Pferdestaffel der Polizei Hannover, die im Jahre 1920 offiziell gegründet wurde. Die Pferdestaffel zeigte, wie die Pferde auf die Einsätze vorbereitet werden und wie die Schulung der Tiere im Allgemeinen verläuft. Ruhe und Vertrauen schaffen ist das A und O. Die Pferde müssen an die möglichen Bedrohungen herangeführt werden und dürfen das Vertrauen zum Reiter nie verlieren. Eindrucksvoll präsentierte ein Polizeireiter dies, indem er mit einer Fahne die Augen des Pferdes verdeckte. Das Pferd hatte vollstes Vertrauen zum Reiter und zögerte selbst im Galopp nicht. Schüsse, Feuer und viel Bewegung, alles, was für ein Fluchttier nicht förderlich ist, konnten die Polizeipferde nicht schrecken. Eine eindrucksvolle Präsentation, die bei den Zuschauern mit tosendem Applaus bedacht wurde. Die Vorführung wurde von Anke Götze von der Polizei Hannover moderiert. Da die Pferde sogar nicht vor dem Feuer scheuten und auch eine (Papier-)Wand durchbrachen, kommentierte Anke Götze: „Die Pferde gehen für uns durchs Feuer und mit dem Kopf durch die Wand.“

International geht es im Landgestüt immer zu. Aber auch andere Züchtungen stehen in diesem Jahr im Fokus. Präsentiert werden unter anderem die Alt-Oldenburger, Araber, Trakehner und Vollblüter. Anhand der unterschiedlichen Rassen kann der Kenner sofort erkennen, für welchen Zweck die Tiere eingesetzt werden/wurden. Trakehner waren bestens für die Kavallerie geeignet, die kraftvollen Vollblüter für die Artillerie.

Die zweifache Fahrschule war wieder ein sehr klassisches Schaubild auf der Hengstparade. Was einfach aussieht, ist hingegen äußerst schwierig, denn der vorn geführte Hengst hätte im Zweifel alle Freiheiten und könnte ohne Probleme ausbrechen. Es ist die Kunst, sich auf das Pferd einzulassen, um es bestmöglich führen zu können. Das berittene hintere Pferd muss hingegen sehr erfahren sein, damit sich der „Fahrer“ weitestgehend auf das vordere Pferd konzentrieren kann.

Auch ein Star wurde den Zuschauern präsentiert. Es handelte sich um den 12-fachen Sieger Don Darius mit seinem Reiter Mike Habermann. Am Sonntag ging für Mike Habermann ein großer Traum in Erfüllung. Mit dem Sieg in der Dressurprüfung der Klasse S** in Brockhöfe hatte das Dreamteam Don Darius und Mike Habermann seine Sammlung von S-Siegen komplettiert und erhielt dafür das Goldene Reitabzeichen und verewigte sich mit einem Eintrag in der Goldene Buch des Landgestüts.

Ein weiterer Klassiker und Höhepunkt der Celler Hengstparade durfte nicht fehlen: Die Große Dressurquardrille. Wenn das Landgestüt außerhalb zu Gast ist, dann präsentieren sich dort maximal 16 Pferde. In Celle hingegen kommen immer 24 Pferde zum Einsatz. Ein faszinierender Anblick, der synchron die Dressur der Hengste besonders gut herausstellt.

Die Römerwagen schlossen auch in diesem Jahr die Veranstaltung. Zwei Streitwagen werden von den Gespannen kraftvoll und schnell gezogen. Pure Energie und für die Fahrer sehr anspruchsvoll und nicht ganz ungefährlich. Zum Abschluss verkündete Axel Brockmann erleichtert, dass auch dieses Mal alle vier- und zweibeinigen Akteure ohne Verletzung überstanden haben.

Redaktion
Celler Presse

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