CD-Kaserne bundesweiter Impulsgeber im Islamdiskurs – Bund fördert Ausstellungskonzept mit 150.000 €

Print Friendly, PDF & Email

CELLE. Gute Konzepte brauchen eine längere Entwicklungszeit, dies gilt vor allem für Präventionsansätze. Vor diesem Hintergrund wurde das Team der CD-Kaserne bereits im November 2017 aktiv und entwickelte ein Konzept, das bundesweit Bedeutung haben wird. Ein Projekt mit Strahlkraft, so dass sich viele Menschen für die CD-Kaserne in Celle interessieren werden. „Das hat für uns Priorität, das bringt was für uns und für die Stadt Celle“, so die Aufsichtsratsvorsitzende der CD-Kaserne, Linda Anne Engelhardt.

v.l.n.r. Jannik Veenhuis (Islamwissenschaftlerin), Viola Schmidt (Kulturanthropologin), Stefanie Fritzsche (stellv. Projektleiterin) und Kai Thomsen (Projektleiter) bilden das Konzeptionsteam der Ausstellung. Sie werden von einem Steuerungsteam und zahlreichen Kooperationspartner_innen bei der Ausstellungskonzeption, -entwicklung und -durchführung unterstützt.

„Seit langer Zeit beobachten wir in Deutschland einen immer polarisierender geführten Islamdiskurs, verbunden mit massiven, gegenseitigen Abwertungen. Was wir im Großen beobachten, erleben wir alltäglich in der Begegnung von Jugendlichen – ob in Celle oder anderswo – es besteht dringender Handlungsbedarf, und es gibt einen großen Bedarf an fundierten Präventionskonzepten“, so Kai Thomsen Projektleiter im Konzeptionsteam für das ehrgeizige Vorhaben für eine Wanderausstellung „Was´ los Deutschland?“

Kai Thomsen, auch Geschäftsführer des Veranstaltungszentrum CD-Kaserne erläuterte in einem Pressegespräch das von dem Konzeptionsteam entwickelte Programm, dass sich an die Aktionswochen gegen Rechtsextremismus „Oh, eine Dummel“ anlehnt, aber in einem noch größeren Rahmen. Dabei stand die Frage im Fokus: „Was macht man gegen Islamfeindlichkeit in der gespaltene Gesellschaft?“ Das fertige Konzept hat die Vertreter von Land und Bund so überzeugt, dass die Realisierung der Ausstellung durch den Landespräventionsrat im Niedersächsischen Justizministerium mit Mittel aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ in Höhe von knapp 150.000€ gefördert wird.

2018-2019 wird nun die Wanderausstellung „Was´ los Deutschland?“ für Jugendliche und Interessierte realisiert. Sie vereint die Themenfelder Islamismus und Islamfeindlichkeit. Im Rahmen einer interaktiven, modernen und verschiedene pädagogische und didaktische Ansätze vereinende Ausstellung wird ein Präventionsbeitrag geleistet gegen eine sich immer mehr spaltende und sich in Populismen verfangene Gesellschaft. Die Grundidee der geplanten Ausstellung kann als stehendes Theaterstück beschrieben werden. Im Rahmen dieser Szenerie werden die Komplexität und die verschiedenen Inhalte des öffentlichen Diskurses zu den Themen Islamismus und antimuslimischer Rassismus so aufbereitet, dass sie auch für Jugendliche ab ca. 14 Jahren erfahrbar und reflektierbar sind. „Wir arbeiten hier stark mit den Erkenntnissen aus der systemischen Strukturaufstellung, die immer dann sinnvoll ist, um subjektives Problemerleben zu dissoziieren, d.h. man findet Abstand dazu und sieht die Welt in ihrer Komplexität klarer“, erläuterte Kai Thomsen und weiter: „Die Ausstellung hätte schon längst kommen müssen, auch für Muslime.“ So richte sich die Ausstellung auch an Menschen mit Migrationshintergrund.

Linda Anne Engelhardt zeigte sich von dem Projekt beeindruckt: „Das in Celle erarbeitete Konzept macht das Kerngeschäft der CD-Kaserne erlebbar. Das hat alles mit Jugendarbeit zu tun.“ „Der Aufsichtsrat ist sehr zufrieden und glücklich über die Anstrengungen des ganzen Teams“, so Engelhardt. Kai Thomsen leiste für die Stadt Celle sehr viel.

Für das komplexe Vorhaben wurde innerhalb des Jahres ein größeres Expert_innen-Netzwerk aufgebaut, das in alle Entwicklungsschritte eingebunden ist:

Die Ausstellung selbst wird von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe entwickelt. Neben Kai Thomsen als Projektleiter und Stefanie Fritzsche aus der CD-Kaserne arbeiten hier der Islamwissenschaftler Jannik Veenhuis und die Kulturanthropologin Viola Schmidt. Das Vorhaben wird durch die muslimische Community in Deutschland unterstützt. So arbeiten an der Ausstellung Mitglieder des satirischen YouTube-Kanal „Datteltäter“, die Comiczeichnerin „tufffix“ und das Theaterkollektiv Markus&Markus mit.

Eine weitere beratende Kooperation gibt es mit Ufuq e.V. Der anerkannte Träger der freien Jugendhilfe ist in Deutschland federführend aktiv in der politischen Bildung und Prävention im Themenfeld Islam.

Begleitet wird der gesamte Prozess durch ein Steuerungsteam bestehend aus Vertreter_innen des Niedersächsischen Justizministeriums, des Niedersächsischen Kultusministeriums, des Landespräventionsrats, des Landesdemokratiezentrums und der Landeszentrale für politische Bildung.

Besonders froh sind die Ausstellungsmacher darüber, dass der Bau der Ausstellung in Niedersachsen erfolgt: Praetorius Musikpreisträger Jens Eckhoff zeichnet sich für das Multimedia-Konzept verantwortlich, und mit „Werkhaus“ konnte ein kompetenter und glaubwürdiger Partner für den Bau der Ausstellung gewonnen werden.

Neben der Ausstellung, die nach der Premiere auf Bundesebene 2019 auch nach Celle kommt, gibt es im Präventionsansatz noch weitere Bausteine, und der Islamdiskurs wird auf verschiedenen Ebenen reflektiert: Es gibt Multiplikator*innen-Workshops. Vortragsreihen und Workshops in Schulen. Geplant ist kurz vor der Premiere ein Preview in Celle.

PR/Redaktion
Celler Presse

Fotos: extern

Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Ist dieser in dem Beitrag nicht erwähnt, so kann dieser bei der Redaktion angefragt werden. Bildrechte werden, wenn bekannt, gesondert aufgeführt. Allgemeinbilder zur Untermalung stammen in der Regel von: Celler-Presse.de oder Pixabay.com.



%d Bloggern gefällt das: