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Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2020 – für die Polizeiinspektion Celle -Leichter Rückgang der Fallzahlen – Historisch höchste Aufklärungsquote mit 71,11%

CELLE. Der Leiter der Polizeiinspektion Celle, Polizeidirektor Eckart Pfeiffer, und der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizei Celle, Polizeioberrat Daniel Dahlke, zeigten sich im Rahmen der Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik 2020 mit der historisch höchsten Aufklärungsquote seit Beginn der Aufzeichnungen mehr als zufrieden. „Bei allen Problemen im Zusammenhang mit COVID 19 blicken wir auf ein polizeilich erfolgreiches Jahr 2020 zurück“, stellte Eckart Pfeiffer voran. Die sogenannte Straßenkriminalität bewegt sich weiterhin auf niedrigem Niveau. Nie zuvor sind weniger Wohnungseinbrüche registriert. „Wie in den Vorjahren auch, lässt sich feststellen – wir leben in Stadt und Landkreis Celle in sehr sicheren Regionen.“ Erfreulich sei insbesondere die zweithöchste Aufklärungsquote mit 71,11 % in Niedersachsen. Nie gab es in der Polizeiinspektion Celle eine Höhere. Sie liegt deutlich über dem Landesschnitt (64,28%). Hervorgehoben wurden außerdem als Schwerpunkte Kinderpornografie und Betäubungsmittelhandel und die Zunahme der Gewalt gegen Polizeibeamte.

Kriminalitätsentwicklung

Die Anzahl der registrierten Straftaten hat sich im Bereich der Polizeiinspektion Celle im Jahr 2020 auf 11580 Fälle leicht verringert (2019:11806). Der Rückgang der Fallzahlen erklärt sich insbesondere durch die Einflüsse der Corona-Pandemie.

Kriminalitätsbelastung

Je höher die Häufigkeitszahl, desto mehr Kriminalität wird in einem Bereich registriert. Die Häufigkeitskennzahl in der Polizeiinspektion Celle liegt auf dem Wert von 6469 (2019:6598) und liegt damit, wie im vergangenen Jahr, geringfügig höher als im Land Niedersachsen gesamt (6219).

Aufklärungsquote

Mit einem Rekordwert von 71,11 % (2019:68,39 %) liegt die erreichte Aufklärungsquote oberhalb des Landeswertes (64,28 %) und stellt den zweithöchsten Wert in Niedersachsen dar.

Hauptdeliktsgruppen

Der Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit liegt im Bereich Diebstahl (25,6 %), Rohheitsdelikte (21,8 %) sowie Vermögens-und Fälschungsdelikte (16,2 %). Fast die Hälfte der registrierten Straftaten haben, wie in den Jahren zuvor, somit unrechtmäßige Eigentumsverschiebungen zum Inhalt. Hier besteht in der Verteilung keine große Veränderung zu den Vorjahren. Insgesamt 17 Straftaten gegen das Leben (0,1 %) nehmen zahlenmäßig zwar marginalen Raum ein, erfordern jedoch ein hohes Maß an polizeilicher Manpower bei der Bewältigung und Abarbeitung des Ermittlungsverfahrens. So galt es im September 2020 drei Tötungsdelikte und ein versuchtes Tötungsdelikt, die innerhalb von zwei Wochen stattfanden, aufzuklären. Hier wurden zwei Mordkommissionen gegründet, die intensiv allen Spuren nachgegangen sind und zu einer Aufhellung der Taten beitragen konnte.

Gewaltkriminalität

Die Fallzahlen im Bereich Gewaltkriminalität (dazu zählen auch Raubdelikte) sind im Vergleich zum Vorjahr (494) auf 408 gesunken. Die Aufklärungsquote ist dabei leicht angestiegen von 81,58 % auf 82,60 %. Hier spielt unter anderem auch die Pandemiesituation eine Rolle. Es gab 2020 aufgrund der Beschränkungen weniger Tatgelegenheiten wie Diskotheken- und Kneipenbesuche, in deren Folge es erfahrungsgemäß immer wieder zu Gewaltdelikten kommen kann.

Straftaten gegen das Leben

Die Anzahl der registrierten Tötungsdelikte (dazu zählen auch Versuchstaten) ist von acht (2019) auf 17 angestiegen. Bundesweites Aufsehen erregte dabei der tödliche Messerangriff auf einen 15 Jahre alten Jungen im April 2020 durch einen psychisch kranken Mann sowie ein Raubüberfall auf einen Juwelier in Verbindung mit zweifachem Totschlag aus Notwehr im September 2020. Die Aufklärungsquote lag bei 82,35 %. Dabei wurden alle Kapitaldelikte aufgeklärt. Drei Vorgänge wurden mit unbekannter Täterschaft an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Dabei handelt es sich um allgemeine Verfahren im Zusammenhang mit ärztlichen Behandlungen, wo die Staatsanwaltschaft nunmehr prüft, ob überhaupt eine strafbare Handlung vorliegt.

Rohheitsdelikte

Zu diesen zählen Raub, Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Insgesamt registrierte die Polizei Celle 2523 Rohheitsdelikte (2019:2590), also etwas weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zu den Vorjahren (stets unter 2000 Taten) liegt die Zahl jedoch auf einem insgesamt hohen Niveau. Dies hängt u.a. mit Umfangsverfahren zusammen, die sowohl 2019 als auch 2020 in die PKS eingeflossen sind. Allein ein Umfangsverfahren (Körperverletzungsdelikt
im medizinischen Bereich) führte zu ca. 400 Körperverletzungsdelikten in der PKS 2020. Darüber hinaus nahm die Zahl der Taten aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen (siehe Gewaltkriminalität) ab.

Körperverletzungsdelikte

Insgesamt zählte die Polizei Celle 1733 Körperverletzungsdelikte (2019:1855). Das ist ein Rückgang von 6,5 %. Im Jahr 2020 lag die Anzahl der leichten Körperverletzungen bei 1415 (2019:1494) und der gefährlichen/schweren Körperverletzungen bei 318 (2019:361).

Häusliche Gewalt

Die Anzahl der Delikte ist in diesem Bereich leicht gesunken auf 558 Taten (2019:599). Nach wie vor gibt es ein großes Dunkelfeld in diesem Bereich, da die meisten Taten hinter verschlossenen Türen stattfinden und oft nicht zur Anzeige kommen. Um dem entgegenzutreten, startete das Landeskriminalamt Niedersachsen erneut eine Dunkelfeldstudie, bei der ca. 40.000 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich ihres Sicherheitsempfindens
schriftlich befragt werden. Der Polizei Celle ist ausdrücklich daran gelegen, dass Gewalt im häuslichen Bereich zur Anzeige gebracht wird, um Betroffene, vor allem Kinder und Jugendliche, gemeinsam mit den Partnerinstitutionen (Staatsanwaltschaft, Stiftung Linerhaus, Justizsozialdienst, Jugendämter, Polizei und Beratungs-und Interventionsstelle Celle) nachhaltig schützen und beraten zu können.

Straßenkriminalität

Der Trend der relativ niedrigen Fallzahlen in der Polizeiinspektion Celle hat sich fortgesetzt. Auf den Straßen in Stadt und Landkreis Celle lebt man sicher! Im Vergleich zum Jahr 2019 (1905 Fälle) ist die Anzahl der Taten im öffentlichen Bereich noch weiter gesunken auf 1792 Fälle. Straßenkriminalität beinhaltet Straftaten, die sichtbar im öffentlichen Bereich wahrgenommen werden und das Sicherheitsgefühl der Bürger maßgeblich beeinflussen, wie z.B. sexuelle
Belästigungen, Raubüberfälle, Körperverletzung, Diebstahl auf Straßen, Wegen oder Plätzen. Der insgesamt deutliche Rückgang der Straßenkriminalität der letzten 10 Jahre wird zurückgeführt auf vermehrte, sichtbare Polizeipräsenz sowohl in der Stadt als auch in der Fläche. Die mehrmals wöchentlich laufenden Prozesse am Oberlandesgericht gehen mit einem wahrnehmbaren, erhöhten
Polizeiaufgebot einher. Darüber hinaus wurden im Oktober 2018 24/7-Präsenzen im Bereich der Polizeistationen Lachendorf/Wathlingen sowie Wietze geschaffen. Auch vermehrte Fahrrad- und Verkehrskontrollen im Stadtgebiet führten zu deutlich höherer Wahrnehmbarkeit von Polizei.

Kinderpornografie

Im Regelfall das Internet das Tatmittel. Die Fallzahlen sind erneut deutlich gestiegen, von 34 auf 44 Taten. Der Anstieg der jeweils sehr komplexen Verfahren erklärt sich u.a. durch Erlangung von Daten aus den USA. Die Vollauswertung der vorhandenen Massendaten in derartigen Ermittlungsverfahren erfordert weiterhin einen hohen zeitlichen und personellen Aufwand. Daniel Dahlke macht dabei deutlich: „Die Aufklärung von Taten des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie von Kinderpornographie waren 2020 ein Ermittlungsschwerpunkt und sind es auch 2021.“ So wurden im Februar 2021 17 Durchsuchungsmaßnahmen im Zusammenhang mit Kinderpornografie vollstreckt.

Diebstahlsdelikte

Seit dem Jahr 2011 (5139 Taten) verzeichnet die Polizei Celle insgesamt einen Rückgang von 43 %. Im Jahr 2020 gab es insgesamt nur noch 2964 Diebstahlsdelikte; ein erneuter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (2019:3575).

Wohnungseinbruchdiebstahl

Der Trend des Rückgangs der Wohnungseinbrüche setzte sich im Jahr 2020 weiter fort. Angezeigt wurden nur noch 144 Fälle (2019:240), davon 58 Versuchstaten. Dieser signifikante Rückgang bestätigt zum einen den Trend der zurückliegenden Jahre, ist zum anderen aber auch den veränderten Verhältnissen durch die Corona-Pandemie (Homeoffice, fehlende Urlaubsreisen) geschuldet. Dass immer mehr Einbrüche im Versuchsstadium stecken bleiben ist der erfolgreichen
Präventionsarbeit im Bereich Einbruchsschutz zu verdanken. Die Beratungsangebote der Beauftragten für Kriminalprävention, Cosima Bauer, gelten im Übrigen nicht nur für Privathäuser, sondern auch für Firmen, Geschäftsräume und öffentliche Einrichtungen. Je schwerer dem Einbrecher das Eindringen gemacht wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er von der Tat absieht! Die niedrige Zahl der Wohnungseinbrüche ist generell ein Indikator für Sicherheit und gute
Lebensqualität in und um Celle. Regelmäßige Schwerpunktkontrollen in Stadt und Landkreis Celle erhöhen zudem das Entdeckungsrisiko, das von potenziellen Tätern wahrgenommen wird.

Diebstahl von Kraftfahrzeugen

Die Anzahl der Fälle halbierte sich auf 25 Taten (2019:58). Dabei stieg die Aufklärungsquote auf 48 % (2019:34,48 %). Im Vergleich zu anderen Regionen stellt diese Zahl einen sehr niedrigen Wert dar. Stadt und Landkreis Celle sind für Autodiebe nicht attraktiv, weil eine Autobahn nicht in direkter Nähe liegt. Täter in diesem Deliktsfeld gehören oft Banden aus Osteuropa an.

Fahrraddiebstahl

Die Anzahl der Taten ist rückläufig von 631 (2019) auf 517. Insgesamt liegt der Wert jedoch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Vor zehn Jahren wurden noch 1215 Fälle verzeichnet. Präventionsmaßnahmen, Fahrradregistrieraktionen und Beratungen zum Thema Sicherungseinrichtungen haben sich positiv ausgewirkt. Die Polizei Celle wird auch künftig regelmäßige Kontrollen von Fahrrädern durchführen und dazu beitragen, dass die Zahl der Diebstähle auf niedrigem Niveau bleibt.

Rauschgiftdelikte

Daniel Dahlke macht auch hier einen Ermittlungsschwerpunkt deutlich: „Drogenabhängigkeit mit allen negativen Folgen wie Entstehung psychischer Krankheiten, Beschaffungskriminalität und Verelendung ist eine zentrale Herausforderung für die Gesellschaft und damit ein Schwerpunkt unserer polizeilichen Arbeit. Die Bekämpfung des Rauschgifthandels steht für uns im Fokus!“ Zu verzeichnen ist ein Anstieg der Zahlen von 650 (2019) auf 819 Taten. Zu unterscheiden sind allgemeine Verstöße, wie z.B. Besitz von Rauschgift (583 Taten; 2019:506) und Handel, Abgabe, Anbau und Einfuhr (236 Taten; 2019:144). Mehr Kontrollen haben dazu beigetragen, dass auch mehr Straftaten ans Licht kamen. Der Ermittlungsdruck hat sich deutlich erhöht. Im vergangenen Jahr wurden u.a. 3.500 Cannabispflanzen sichergestellt und erst im Dezember allein vier Haftbefehle vollstreckt. Schon in den Jahren davor wurden mehr als 100 kg Drogen beschlagnahmt und zahlreiche Täter jahrelangen Freiheitsstrafen zugeführt. Parallel dazu setzt die Polizei Celle auf Drogenprävention durch Aufklärung und Vermittlung von Wissen, in Zusammenarbeit mit externen Stellen wie z.B. Jugendamt, Kreissportbund und Psychosozialer Beratungsstelle, Schulen,
Jugendpflegern. Durch die Auswirkungen der Corona Pandemie konnten viele geplante Veranstaltungen nicht stattfinden.

Gewalt gegen Polizeibeamte

Mit 87 Angriffen verzeichnet die Polizei Celle einen Höchstwert (2019:76). Die Gewalt nimmt weiter zu. Im Jahr 2020 wurden 22 Beamte*innen verletzt. „Eine Zunahme der Gewaltneigung Amtsträgern gegenüber ist generell spürbar“, betont Eckart Pfeiffer. „Diese Entwicklung gibt Anlass zur Sorge. Wir können als Polizei mit Gewalt umgehen, wenn dies erforderlich ist. Unter anderem mit dem Einsatz sogenannter Bodycams hoffen wir, Übergriffen auf unsere Kolleginnen und
Kollegen vorzubeugen bzw. diese zu verhindern.

Internetkriminalität

In diesem Deliktsbereich sind die Taten um 40 % auf 865 Taten angestiegen (2019:607). Straftäter nutzen die Verlagerung des Lebens (auch aufgrund der Einschränkungen durch die Pandemie) in den digitalen Raum. An die Bürgerinnen und Bürger wird appelliert, hier auf mehr Sicherheit zu setzen. Dies kann durch den kritischen Blick bei Onlinekäufen, einen guten Virenschutz, sichere
Passwörter und regelmäßige Backups erfolgen.

Jugenddelinquenz

Nach einem Anstieg in den letzten drei Jahren sinkt die Anzahl der Fälle in 2020 wieder. Verzeichnet wurden 860 Taten (2019:1101). Die Sachbearbeitung der Jugendkriminalität findet seit 2020 auch für Heranwachsende bis 21 Jahren statt. Hier wurde sich landesweit im Rahmen einer strategischen Organisationsanpassung der Zuständigkeiten der Justiz angepasst, um Schnittstellenproblematiken entgegenzuwirken.

Schlussbetrachtungen:

  • Leichter Rückgang der Fallzahlen
  • Historisch höchste Aufklärungsquote mit 71,110 %
  • Ermittlungsschwerpunkte Kinderpornografie und Betäubungsmittelhandel
  • Zunahme der Gewalt gegen Polizeibeamte
  • Fallzahlen Wohnungseinbruchsdiebstahl im Sinkflug
  • Rückgang Straßenkriminalität

Fazit von Polizeipräsident Thomas Ring, Polizeidirektion Lüneburg

„Die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizeidirektion haben die neuen Herausforderungen und schwierigen Aufgaben in 2020 hervorragend erfüllt. Dafür möchte ich mich bei allen Polizeibeschäftigten herzlich bedanken. Insbesondere können wir mit der landesweit höchsten Aufklärungsquote sowie den Rückgängen der Wohnungseinbruchdiebstähle zufrieden sein. Klar ist aber auch, dass wir nicht nachlassen dürfen. Wir werden uns weiterhin mit großem Engagement für die Belange unserer Bürgerinnen und Bürger einsetzen.“

ots






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