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Freiheit auf zwei Reifen – Die Malteser in Celle helfen Frauen aufs Fahrrad

CELLE. Mobilität ist ein Stück Freiheit, das manchmal auf zwei Reifen daherkommt. Auch in diesem Sommer bieten die Malteser Celle daher gemeinsam mit der Polizei, dem Kreissportbund Celle e.V. und der Verkehrswacht einen Fahrradkurs vor allem für geflüchtete Frauen an, der ihnen zu einem selbstbestimmteren und mobileren Leben verhelfen soll – und ganz nebenbei die Integration fördert!

„Jetzt drehen Sie noch eine Runde mit dem Schokoladenbein, danach eine Runde mit dem anderen“. Karsten Wiechmann, Polizeihauptkommissar und Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Celle, gibt klare Ansagen mit einem Lächeln auf den Lippen. Während die Uniform den imposanten Mann als Polizisten ausweist, so zeigt sein zugewandtes Wesen zugleich den geschickten Pädagogen. Marieluise Thies folgt ihm jedenfalls aufs Wort. Mit langen Tretschritten führt die 72-Jährige ihren Roller über den Asphalt.

Gerne lässt sich Ashtar (links, Name geändert) von Polizeihauptkommissar Karsten Wiechmann (rechts) das Rollerfahren erklären, übersetzt von Mizgin Kizilyel, Ehrenamtskoordinator Integrationsdienste der Malteser Celle

Marieluise Thies ist die Älteste und einzige Deutsche unter den acht Frauen, die an diesem Donnerstagnachmittag, 29. Juli, zum Training auf den abgelegenen Platz der Stadtwerke Celle an der Fuhsestraße gekommen sind. Sie wollen das Fahrradfahren lernen – beziehungsweise wieder erlernen wie Marieluise Thies, denn die alte Dame konnte schon einmal Fahrradfahren, verlor aber nach verschiedenen Stürzen mit einer Handgelenksverletzung die Freude daran. Irgendwann kam dann auch die Angst dazu und nun tastet sie sich langsam wieder an das Zweirad heran – zunächst mit dem Tretroller, der das Gleichgewicht trainiert.

Gefragt ist dieser Roller auch bei den anderen Frauen, die meisten Kurdinnen aus Syrien und Irak. Manchmal etwas scheu, aber immer mit großem Ernst ziehen sie ihre Runden, bevor sie sich irgendwann auf das Rad wagen. So wie Ashtar (Name geändert) aus dem Irak. In Folge der Flüchtlingswelle von 2015 kam die heute 28-Jährige mit ihrem Mann nach Celle und hat inzwischen drei Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren, die sie in Zukunft mit dem Fahrrad zur Schule begleiten möchte. Gerne nimmt sie daher die Ratschläge des Polizeihauptkommissars entgegen, die ihr Mizgin Kizilyel, Ehrenamtskoordinator Integrationsdienste der Malteser Celle, ins Kurdische übersetzt.

Unterstützt wird Kizilyel – selbst ein Kurde – von Vanessa Pein, Integrationsbeauftragte vom Kreissportbund Celle e.V. und Hans Lilie von der Verkehrswacht, der die Fahrräder besorgt hat. Außerdem ließen sich verschiedene Ehrenamtliche für diesen Kurs begeistern und sorgen mit einer sicheren Hand am Rad für den Lernfortschritt.

Zum zweiten Mal hat Kizilyel diesen Kurs gemeinsam mit der Polizei, dem Kreissportbund Celle e.V. und der Verkehrswacht unter dem Namen „#richtigistcool“ organisiert, um den Frauen nicht nur Fahrradfahren beizubringen, sondern sie auch mit den deutschen Verkehrsregeln bekannt zu machen. An fünf Nachmittagen zwischen dem 27. Juli und 5. August stellen die Projektpartner auf der abgelegenen Fläche der Stadtwerke alles zur Verfügung, was man zum Lernerfolg braucht: Tretroller, Fahrräder, Getränke zur Erfrischung, viele gute Worte und auch medizinische Betreuung, denn der Preis des Lernens ist so manche Schürfwunde.

Am Ende des Nachmittags sind alle zufrieden: Die Frauen haben ihr Gleichgewicht trainiert und einige sich aufs Rad gewagt. Eine angeschlagene Brille wurde repariert und Polizeihauptkommissar Wiechmann hat seine Lektion von der Haftung des Radfahrers an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht, übersetzt von einem Malteser-Ehrenamtlichen kurdischer Herkunft. Eine der wichtigsten Lektionen des Tages aber ist eine ganz andere: Den Frauen verhilft dieser Kurs zu mehr Eigenständigkeit und ganz nebenbei spüren sie, dass Polizisten keine Feinde sind – wie so oft in ihren Herkunftsländern – sondern Freunde und Helfer. Manchmal kommt eben auch Integration auf zwei Reifen daher.

PR
Foto: Lukas/Malteser




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